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BG Göttingen Wird die S-Arena Göttingen zu klein für Bundesligabasketball?
Sportbuzzer BG Göttingen Wird die S-Arena Göttingen zu klein für Bundesligabasketball?
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16:01 30.03.2018
Auslaufmodell? Die 2011 eröffnete Sparkassen-Arena auf dem Schützenplatz in Göttingen.
Auslaufmodell? Die 2011 eröffnete Sparkassen-Arena auf dem Schützenplatz in Göttingen. Quelle: Richter
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Göttingen, Göttingen

Eine neue, größere Veranstaltungshalle für Göttingen? Frank Meinertshagen, Geschäftsführer des Basketball-Bundesligisten BG Göttingen, hat mit seinem in der Fachzeitschrift „BIG“ abgedruckten Vorstoß für Aufsehen gesorgt. Der Göttinger Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) ist skeptisch, ob sich ein Projekt dieser Größenordnung realisieren lässt.

„Wir müssen das Thema angehen. Wenn wir weiter wachsen wollen, wie es die Konkurrenz auch tut, dann werden wir eher früher als später über das Thema Halle reden müssen“, wird Meinertshagen in der aktuellen Ausgabe von „BIG“ zitiert. Auf Tageblatt-Nachfrage konkretisiert der BG-Chef: Er gehe davon aus, dass in Zukunft die BBL bei der Lizenzierung größere Kapazitäten fordert, und von der Auslastung her stoße die BG schon jetzt in der S-Arena an ihre Grenzen.

„Sitzplätze fasst immer ausverkauft“

„Die Sitzplätze sind fast immer ausverkauft und die teuersten Plätze sowieso zu 100 Prozent weg“, unterstreicht Meinertshagen. Die Kapazitätsfrage werde, so vermutet er, „früher oder später“ zum Ausschlusskriterium bei der Lizenz-Vergabe werden, und die Mindestkapazität könnte bei 4000 oder 5000 Zuschauern liegen, eventuell abhängig von der Größe der Stadt.

Ohne Frage seien in anderen Standorten die Hallen älter als die S-Arena, die 2011 eröffnet wurde. „Die Würzburger Halle ist gefühlte 100 Jahre alt.“ Gleichwohl gebe es woanders konkrete Pläne. Es gehe um Konkurrenzfähigkeit, verdeutlicht Meinertshagen. „Was nicht funktionieren würde, wäre, wenn wir die kleinste Halle in der BBL hätten.“

„Nicht übers Knie brechen“

„Es geht nicht darum, diese Sache übers Knie zu brechen, aber man sollte den Bedarf und die Machbarkeit klären“, sagt der BG-Geschäftsführer. Die Liga jedenfalls bereite den Boden für Wachstum, und Konkurrenten wie Gießen und Bayreuth seien bereits stark gewachsen. Ein „loses Gespräch“ mit der Stadt Göttingen habe es bereits gegeben, berichtet er.

Das wird von Köhler bestätigt. Zwar ist der Oberbürgermeister selbst treuer BG-Fan, und er will sich auch bei einer entsprechenden BBL-Vorgabe mit den Verantwortlichen beraten, was zu tun ist. Aber der SPD-Politiker zweifelt an der Machbarkeit: „Nach meiner Überzeugung ist das nicht darstellbar.“

S-Arena keine zehn Jahre alt

Als BG-Anhänger wolle er, dass der Göttinger Basketball erstklassig bleibt, „wir müssen uns aber auch klar machen, dass nicht alles geht“. Köhler zählt drei Punkte auf, die ihm zu denken geben: Momentan wäre fast die Hälfte aller BBL-Teams von einer entsprechenden BBL-Vorgabe betroffen, zweitens sei die S-Arena „keine zehn Jahre alt und hat Geld gekostet“, drittens sei jüngst ein „vorbildliches Trainingszentrum“ gebaut worden.

„Es ist ein wackeliges Konstrukt, zur Stadt Göttingen zu gehen und zu sagen: Bau uns mal eine größere Halle“, stellt Köhler klar. Ausdrücklich betont er aber, dass sein Ärger nicht der BG, sondern den BBL-Überlegungen gilt: „Vielleicht schreibe ich die Kollegen in anderen Städten mit BBL-Standorten an. Es kann nicht sein, dass wir uns von Dritten vorschreiben lassen, was wir zu bauen haben.“

„Wäre das bitter“

Der Basketball entwickele sich in eine Richtung, die er für falsch halte. „Und wenn das Ziel sein sollte, nur große Städte in der BBL zu haben, wäre das bitter“, sagt Köhler. „Es scheint sich um einen Versuch der BBL zu handeln, mittlere Städte rauszudrängen.“

Und schließlich: Angenommen, es werde eine Halle für 5000 Zuschauer gefordert, dann werde diese Arena durch die BG gerade einmal 17-mal im Jahr bei Heimspielen gefüllt. Dazu kämen höchstens noch Bundesliga-Tanzturniere. „Und was machen wir, wenn der Erstligabasketball nicht mehr gegeben ist?“ Eine Vergrößerung der S-Arena, „auf die man eigentlich stolz sein sollte“, sei nach seinem Kenntnisstand baulich bedingt „sehr schwierig“.

Diskussion anstoßen

„Unsere Aufgabe ist es, sich mit dem Thema zu beschäftigen und eine Diskussion anzustoßen“, unterstreicht Meinertshagen. „Beschlossen ist noch nichts, aber ich befürchte, dass es beschlossen wird.“ Einig seien sich die BBL-Klubs in einem Punkt: „Dass jeder einzelne Klub weiter wachsen muss.“

Ein Kommentar zu dem Thema von Eduard Warda

Wäre die Basketball-Zeitschrift „BIG“ am Sonntag erschienen, hätten viele Göttinger Leser die Zeilen über eine neu zu bauende, bis zu 5000 Plätze bietende Veranstaltungshalle als Aprilscherz empfunden. Doch BG-Geschäftsführer Frank Meinertshagen scherzt nicht: Vielmehr scheint er ein Getriebener der BBL-Überlegungen zu sein.

In den Augen der Bürger mag der Meinertshagen-Vorstoß angesichts der S-Arena und des Basketballzentrums undankbar erscheinen. Aber der BG-Chef orientiert sich lediglich an den Notwendigkeiten, an der BBL-Entwicklung. Sonst könnte der Erstliga-Zug für die Veilchen schnell abgefahren sein.

Der deutsche Profi-Basketball wird immer mehr zum „Big Business“. Die Fragen, die es nun zu beantworten gilt, sind folgende: Bis zu welchem Grad macht man mit? Und wie viel ist es uns wert?

BG trifft auf „Oldies but Goldies“

Mit einigem Rückenwind geht die BG Göttingen nach dem Heim-Coup gegen den Deutschen Meister Brose Bamberg am Sonnabend in das Spiel beim Tabellendreizehnten Science City Jena. Tipoff ist um 20.30 Uhr.

Jena gehört zu den erfahrensten Teams der BBL – darauf weist auch BG-Headcoach Johan Roijakkers hin: „Es ist super, wenn du Spieler mit so viel Erfahrung hast, das ist beeindruckend.“ Zu den Oldies zählen Immanuel McElroy, Derrick Allen (beide 38) und Julius Jenkins (37), die zusammen auf 1314 Bundesligapartien kommen. Jena sei „wirklich stark zu Hause“, nicht nur wegen des 107:90-Spektakels gegen Medi Bayreuth.

Bei der BG ist unterdessen Neuzugang William Buford richtig gut in Schwung gekommen. „Er ist für uns sehr wichtig. Nun liegt nicht alles auf Brion Rush und Michael Stockton. Er kann verschiedene Sachen, das braucht man“, sagt Roijakkers und verweist auf die vergangene Saison mit Ruoff, Veikalas, Carter und Eatherton. Dass Braunschweig Eatherton weiterverpflichtet bezeichnet der Niederländer als „sehr clever“. Dank der Finanzspritze von Dennis Schröder verfüge Braunschweig über viel Geld – und das bringe eben Kontinuität mit sich.

Für Selbstbewusstsein sorgt bei der BG das Hinspiel in Göttingen. Damals bedeutete der 86:60-Sieg gegen Jena den ersten Saisonerfolg für die Veilchen. Mit einem Sieg im Rückspiel will Göttingen den nächsten Schritt auf dem Weg zum Klassenerhalt machen. war

Von Eduard Warda

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