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Fußball aus aller Welt 2000 Fans feiern "U17-Junioren" in Hannover
Sportbuzzer Fußball Fußball aus aller Welt 2000 Fans feiern "U17-Junioren" in Hannover
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06:15 20.09.2012
Von Manuel Becker
Niederlage vor toller Kulisse: Auch Niklas Teichgräber (l.) von Hannover 96 kann das 1:2 der „U 17“-Nationalmannschaft gegen Israel nicht verhindern. Ditfurth (3)
Niederlage vor toller Kulisse: Auch Niklas Teichgräber (l.) von Hannover 96 kann das 1:2 der „U 17“-Nationalmannschaft gegen Israel nicht verhindern. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Eigentlich besteht für sie kein Grund zur Aufregung: Den Platz kennen die 24 E- und F-Junioren des OSV Hannover. Im Oststadtstadion tragen sie ihre Heimspiele aus. Aber es geht eben nicht mit dem Ball auf den Platz, sondern an der Hand von Nationalspielern. Die deutsche „U17“-Elf empfing im letzten Spiel des Vier-Nationen-Turniers Israel. „Ich kenne keinen von denen“, sagt der achtjährige Bastian, der schon weiß, dass er mit einem israelischen Nationalspieler einlaufen wird. „Ich mag die“, sagt er. Auch die anderen jungen OSV-Spieler, die noch schnell mit DFB-Maskottchen Paule ein Gruppenbild machen, wissen genau, ob sie mit deutschem oder israelischem Nationalspieler oder dem Schiedsrichter an der Hand einlaufen werden. „Einen der Spieler kenne ich“, sagt der siebenjährige Adem mit listigem Blick. Als seine Mitspieler staunend die Augen aufreißen sagt er schelmisch : „Manuel Neuer.“ Aber der spielt natürlich nicht.

Ein paar Meter neben den stolzen Einlaufkindern steht ein Ordner mit bedenklicher Miene. „So lang wie die Schlange jetzt ist, kriegen wir die nie alle pünktlich rein“, sagt er. Hunderte Schüler haben sich auf den Weg zum Stadion nach Bothfeld gemacht. „Das ist das erste Spiel einer deutschen Nationalmannschaft hier bei uns“, sagt OSV-Sportchef Wolfgang Kirchner und staunt: „Wahnsinn, was hier los ist. Die Nationalhymne bei uns zu hören, da bekomme ich Gänsehaut.“

Gut 2000 Zuschauer, überwiegend Schüler, sitzen, stehen und toben auf der Holztribüne des Oststadtstadions, auf der Popcorn verkauft wird. Dabei habe man vor einer Woche erst 150 Karten verkauft, sagt Kirchner. Aber Vereinspräsidentin Bianka Heublein habe tagelang am Telefon verbracht und bei den Schulen für das Spiel geworben. „Das war so kurz nach den Sommerferien nicht so einfach“, sagt Heublein.

Als die Partie angepfiffen ist und Stürmer Timo Werner die erste Chance ausgelassen hat, schallt es von der Tribüne: Hunderte Kinder rufen laut „Deutschland!“ und schwenken Fahnen. Der stellvertretende Vereinsvorsitzende Erich Riemer sitzt mit dem ehemaligen 96-Spieler Dieter Schatzschneider im VIP-Bereich. So viele Zuschauer gibt es nicht so oft im Osten Hannovers, wo der Landesligist OSV vor 100 bis 200 Zuschauern spielt. Damals war das anders. Als der Verein in den siebziger und Anfang der achtziger Jahre in der 2. Liga gegen Werder Bremen, Schalke 04 und Hannover 96 spielte, „waren hier auch 9000 Zuschauer“, sagt Riemer. Er hatte den jungen Schatzschneider damals vom HSC Hannover zum OSV geholt - für ein Moped, wie es hieß. „Aber das stimmt nicht ganz“, stellt Schatzschneider klar. „Das habe ich mir beim Einkaufswagenschieben bei Real selbst verdient.“ „Ich habe dann nur mal den Tank aufgefüllt“, sagt Riemer. Fünf Jahre spielte Schatzschneider beim OSV, zu dem er immer wieder gerne zurückkehrt. „Als ich dann zu 96 gewechselt bin, hat der OSV uns im Niedersachsen-Stadion mit 1:0 geschlagen“, erinnert sich Schatzschneider.

Im Oststadtstadion sieht es in der 1.Halbzeit so aus, als könnte Deutschland die Israelis bezwingen, aber die jungen Nationalspieler nutzen ihre Chancen nicht. Rojin und Sara stört das nicht groß. Eigentlich wollten die beiden Mädchen von der Ada-Lessing- und der Lotte-Kestner-Schule ja Deutschland die Daumen drücken. „Aber die israelischen Jungs sehen so gut aus“, sagt Rojin. „Voll hübsch“, schwärmt Sara. Praktisch, dass Alexander Olschanetzki mit einigen Mitgliedern von Makkabi Hannover ein paar Israel-Fahnen mehr mitgenommen hat und an die Mädels-Gruppe verteilen konnte. „Die haben mich auch nach den Spielernamen gefragt“, sagt Olschanetzki, „aber das sind ja noch keine großen Fußballer, da kenne ich nicht so viele.“

In der 2. Halbzeit läuft es nicht gut fürs deutsche Team, bei dem nun auch die beiden 96er Tim Dierßen und Niklas Teichgräber mitspielen. Israel geht mit 2:0 in Führung. Zwar kann Dierßen Stürmer Julian Brandt zehn Minuten vor Schluss noch das 1:2 auflegen, aber am Ende gewinnt Israel. Deutschland beendet das Turnier hinter den Niederlanden, Israel und Sieger Italien auf dem 4.Rang. Trainer Stefan Böger ist entsprechend sauer: „Im letzten Spiel vor der EM-Qualifikation ist das zu wenig.“ Auch die beiden Hannoveraner sind enttäuscht. „Es ist toll, hier in der Heimat vor den Kumpels und Mitspielern und dieser Kulisse zu spielen, aber wir können mehr“, sagt ein sichtlich geknickter Niklas Teichgräber.

Für Emma und Antonia von der Grundschule Gartenheimstraße ist es trotzdem ein tolles Spiel. „Das macht Spaß“, sagen die beiden Neunjährigen, die Deutschland mit lauten Rufen und Fahne angefeuert haben. Da war der Ausgang des Spiels für sie gar nicht so wichtig.