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Fußball aus aller Welt Hoeneß vor Gericht: Bayern-Bosse stehen zu Präsidenten
Sportbuzzer Fußball Fußball aus aller Welt Hoeneß vor Gericht: Bayern-Bosse stehen zu Präsidenten
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16:04 04.11.2013
Erster Verhandlungstag am 10. März 2014 anberaumt: Uli Hoeneß. Quelle: dpa
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München

Uli Hoeneß blies kurz die Backen auf - dann stellte er sich am Hotel „Golden Fish“ in Pilsen den wartenden Journalisten. Sichtlich angefasst musste er die Nachricht kommentieren, dass die Anklage gegen ihn wegen Steuerhinterziehung vom Landgericht München II „unverändert“ zugelassen worden sei.

„Ich bin überrascht, dass unsere Selbstanzeige von den Behörden bis heute nicht als wirksam erachtet wird. Wir werden in den nächsten Monaten bis zum Prozess im März alles tun, um das Gericht von unseren Argumenten zu überzeugen“, sagte der Präsident des deutschen Fußball-Rekordmeisters FC Bayern München am Montag nach der Ankunft in Tschechien.

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Unterstützung vom Bayern-Aufsichtsrat

Angesichts der brisanten Meldungen aus der Heimat trat das anstehende Champions-League-Spiel des Triplesiegers am Dienstag bei Viktoria Pilsen vorerst in den Hintergrund. Mittelfeldchef Bastian Schweinsteiger bemühte sich demonstrativ um Normalität: „Wir können uns ungestört auf das Spiel vorbereiten. Das hat nichts mit dem Fußball zu tun“, sagte er. „Wir tun ihm den größten Gefallen, wenn wir die Spiele gewinnen und Erfolg haben.“

Unterstützung erhielt Hoeneß erneut vom Bayern-Aufsichtsrat. Trotz des anstehenden Prozesses solle er Aufsichtsratschef bleiben, hieß es in einer Mitteilung. Das Gremium sei „einvernehmlich der Meinung, dass Uli Hoeneß das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden der FC Bayern München AG trotz der nun erfolgten Eröffnung des Hauptverfahrens weiter ausüben soll.“

„Das ist keine Überraschung“, sagte Hoeneß. „Aufsichtsrat, der Verwaltungsbeirat und die Fans haben mir von Anfang an den Rücken gestärkt. Das hat mir und meiner Familie natürlich in den letzten schwierigen Monaten natürlich extrem geholfen.“

Nachdem die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München II die Anklage gegen den 61-Jährigen zugelassen und für den kommenden März vier Verhandlungstage angesetzt hat, wird es für den Bayern-Patriarch noch ungemütlicher. Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich nach Bekanntwerden der Affäre im April „enttäuscht“ vom Bayern-Präsidenten gezeigt hatte, wollte sich zur neuen Entwicklung nicht äußern. „Das sind rechtsstaatliche Abläufe, die wir hier nicht mit Gefühlen zu kommentieren haben“, erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert kühl. „Der Rechtsstaat nimmt seinen Lauf.“

Hoeneß hatte gehofft, dass es keinen Prozess gibt

Dabei hatte Hoeneß, der die Affäre mit seiner Selbstanzeige im vergangenen Januar beim Finanzamt selbst ins Rollen gebracht hatte, wohl bis zuletzt gehofft, einem Prozess entkommen zu können. Noch Ende Juli hatte er sich mit Blick auf seine schwierige Steuer-Causa optimistisch gezeigt. „Ich bin zuversichtlich, dass es eine gute Lösung gibt.“ Er hatte bestimmt keinen Prozess gemeint.

Der Planung des Gerichts zufolge muss Hoeneß vom 10. März an auf der Anklagebank Platz nehmen. Bisher sind vier Verhandlungstermine angesetzt, auch die Vernehmung von vier Zeugen ist vorgesehen. Die Staatsanwaltschaft München II hatte Ende Juli Anklage gegen den Vereinschef erhoben.

Am vergangenen Donnerstag habe die zuständige Kammer per Beschluss die Anklage dann zur Hauptverhandlung zugelassen, teilte Gerichtssprecherin Andrea Titz mit. Details zum Anklagevorwurf könnten „aufgrund der besonderen Geheimhaltungspflichten in Steuerstrafverfahren“ bis zur Verlesung des Anklagesatzes in öffentlicher Sitzung nicht mitgeteilt werden.

Mit der Zulassung der Anklage erreicht die Steueraffäre einen neuen Höhepunkt. Im April waren die Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft wegen Steuerhinterziehung öffentlich geworden. Hoeneß hatte sich im Januar beim Finanzamt angezeigt - kurz nachdem ein deutsch-schweizerisches Abkommen über eine Altfalllösung für Steuerflüchtlinge gescheitert war.

Im Zuge der monatelangen Ermittlungen wurde auch das Haus des Bayern-Präsidenten am Tegernsee durchsucht. Gegen Hoeneß wurde sogar ein Haftbefehl erwirkt, gegen Kaution blieb der Vereinschef aber auf freiem Fuß. Nach Bekanntwerden der Affäre gab sich Hoeneß öffentlich reumütig. „Ich habe Riesenmist gebaut, aber ich bin kein schlechter Mensch“, sagte er einmal in einem Interview.

Keine Verbindungen zum FC Bayern

Hoeneß war am Montag mit dem Team von Trainer Pep Guardiola zum Königsklassen-Spiel in Pilsen aufgebrochen. Dort gab er sich nach den „letzten schwierigen Monaten“ erneut kämpferisch. „Wir müssen uns jetzt mit dieser Situation auseinandersetzen und uns auf den Prozess vorbereiten.“ Verbindungen seines Steuerfalls zum FC Bayern hatte der Vereinspräsident übrigens stets kategorisch ausgeschlossen. Sein Schweizer Konto sei „ganz allein Uli Hoeneß“ gewesen, beteuerte er.

Franz Beckenbauer warnte vor einer gesellschaftlichen Ächtung von Steuersünder Hoeneß. „Ich denke, wir sollten niemanden verurteilen, der mal einen Fehler gemacht hat. Selbst die katholische Kirche gewährt eine zweite Chance“, sagte der Bayern-Ehrenpräsident. In dem Prozess sieht Beckenbauer für Hoeneß aber auch die Chance, „alles offenzulegen und zu beweisen, es war wirklich ein Fehler“.

Die Chronologie der Steuer-Affäre:

2001 bis 2006: Hoeneß spekuliert im großen Stil an der Börse mittels eines Kontos in der Schweiz. Der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus habe ihn mit Millionen unterstützt. «Es war immer klar, das war ein Konto zum Zocken, für nichts anderes», sagte Hoeneß im Mai 2013 der „Zeit“. Nach anfänglichen Gewinnen habe er aber hohe Verluste gemacht und seine Aktivitäten an der Börse zurückgefahren.

Oktober 2010: Deutschland und die Schweiz unterzeichnen ein neues Doppelbesteuerungsabkommen und vereinbaren Verhandlungen zur Legalisierung von nicht versteuerten deutschen Geldern auf Schweizer Bankkonten.

April 2012: Beide Länder unterzeichnen ein Zusatzprotokoll. Geldanlagen von Bundesbürgern in der Schweiz aus den vergangenen zehn Jahren sollen danach von 2013 an pauschal mit 21 bis 41 Prozent besteuert werden - nicht wie zunächst vereinbart mit 19 bis 34 Prozent. Das Schweizer Parlament billigt das Abkommen im Mai, der Bundestag stimmt im Oktober zu.

November 2012: Die von SPD und Grünen regierten Bundesländer lassen das Abkommen im Bundesrat scheitern.

Dezember 2012: Auch im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat kommt keine Einigung zustande.
Januar 2013: Hoeneß zeigt sich beim Finanzamt selbst an, die Staatsanwaltschaft München leitet ein Ermittlungsverfahren ein. Er hatte vergeblich auf das kurz zuvor gescheiterte Steuerabkommen gesetzt.
20. März: Hoeneß bekommt in seinem Haus am Tegernsee Besuch von den Ermittlern. Gegen ihn liegt ein Haftbefehl vor, der aber außer Vollzug gesetzt wird - angeblich gegen Zahlung einer hohen Kaution.
20. April: Das Nachrichtenmagazin „Focus“ macht den Fall öffentlich und berichtet unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft und Hoeneß selbst.
21. April: Hoeneß schließt einen Rücktritt als Bayern-Präsident aus. In der Folge häuft sich die Kritik, auch Kanzlerin Angela Merkelrückt von Hoeneß ab. Geschlossen bleiben die Reihen beim FC Bayern.
23. April: Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet über den Haftbefehl und die Millionen-Kaution. Hoeneß besucht das Halbfinal-Hinspiel seines FC Bayern in der Champions League gegen den FC Barcelona und freut sich im Stadion über das 4:0.
1. Mai: Hoeneß gibt via „Zeit“ voller Reue Einblick in sein Seelenleben. Verbindungen seines Schweizer Kontos zum Rekordmeister schließt der Bayern-Präsident aber aus.
6. Mai: 8:0 - Hoeneß bleibt Vorsitzender des Bayern-Aufsichtsrats. Vorerst: „Der Aufsichtsrat wird die Angelegenheit weiterhin beobachten und sich bei Vorliegen neuer Erkenntnisse mit dem Thema befassen“, heißt es in der offiziellen Erklärung.
11. Mai: Die 23. Meisterschaft darf gefeiert werden, und Hoeneß fährt beim Autokorso zum Marienplatz mit. Doch trotz aller Gesten und warmer Worte wirkt Hoeneß inmitten der Feiergesellschaft betrübt.
25. Mai: Selbst im Moment des großen Triumphes steht Hoeneß unter dem Eindruck der Steueraffäre. Fast schüchtern greift er nach dem 2:1 im Finale gegen Borussia Dortmund nach dem Champions-League-Pokal.
1. Juni: Das Triple ist perfekt: Nach Meisterschaft und Champions League holen die Münchner auch den DFB-Pokal.
24. Juni: Hoeneß stellt den neuen Trainer Pep Guardiola mit in München vor. Danach hält er sich öffentlich weiter zurück.
24. Juli: Uli Hoeneß rechnet in seiner Steuerangelegenheit mit einer baldigen Entscheidung. „Ich bin zuversichtlich, dass es eine gute Lösung gibt. Ich denke, in den nächsten zwei, drei Monaten wird es eine Entscheidung geben“, sagt er am Rande des Testspiels gegen den FC Barcelona.
30. Juli: Die Staatsanwaltschaft München erhebt Anklage gegen Uli Hoeneß wegen Steuerhinterziehung. Die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München muss nun über die Zulassung der Anklage und die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen den Präsidenten des FC Bayern München entscheiden.
4. November: Die Pressestelle des Oberlandesgerichts gibt bekannt, dass die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München II die Anklage gegen Uli Hoeneß «unverändert» zugelassen hat. Der erste Verhandlungstermin wird für den 10. März anberaumt.

dpa

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