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Fußball aus aller Welt Auf deutsche Fans warten Sternstunden in Wembley
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10:37 03.05.2013
Von Heiko Rehberg
Am 25. Mai wird im Wembley-Stadion das Finale zwischen dem FC. Bayern München und Borussia Dortmund ausgetragen. Quelle: dpa
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Hannover

„Das Spiel am 25. Mai im Londoner Wembley-Stadion wird als eine Sternstunde in die Fußball-Geschichtsbücher eingehen“, prophezeite gestern Wolfgang Niersbach, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes.  Das ist ganz schön dick aufgetragen. Aber falsch ist es nicht. Und wenn man sich anschaut, wie bereits in diesen Tagen, drei Wochen vor dem Anpfiff, leidenschaftlich über diese Partie diskutiert wird, dann bekommt man eine Ahnung von dem Zauber, der von diesem  25. Mai ausgeht.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum großen Spiel:

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Ist das Champions-League-Finale im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen?

Für viele Fußballfans ist das die wichtigste Frage überhaupt, denn zum Beispiel Dortmunds grandioses Halbfinal-Rückspiel in Madrid wurde am vergangenen Dienstag nur vom Bezahlsender Sky übertragen. Für den 25. Mai muss sich niemand Sorgen machen: Das Spiel aus dem Wembley-Stadion wird live im ZDF zu sehen sein, das sich bereits jetzt auf eine TV-Quote auf WM-Final-Niveau freuen darf. Bayerns Halbfinalsieg in Barcelona war Mittwoch die bislang erfolgreichste Sendung im Jahr 2013 mit 15,91 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 46,2 Prozent. Im Finale werden es vermutlich noch einmal zehn Millionen mehr Fernsehzuschauer. Selbst vor und nach dem Spiel in Barcelona ließen sich 9,79 Millionen Interessierte nicht von Oliver Kahn, dem langweiligsten Experten aller Zeiten, abschrecken und schauten zu.

Ist die Bundesliga jetzt die beste Fußball-Liga der Welt?

Das kommt auf den Blickwinkel an. Wer in dieser Woche die Spiele der Bayern und der Borussen in Barcelona und in Madrid verfolgt hat, wird für ein kräftiges „Ja“ plädieren. Wer am vergangenen Bundesliga-Spieltag bei der Partie von Greuther Fürth gegen Hannover 96 dabei war, wird kaum glauben können, dass auch das 1. Liga gewesen sein soll. Münchener und Dortmunder sind dem Rest der Liga in dieser Saison weit entrückt, beide spielen im Grunde in einer eigenen Liga. Bayer Leverkusen führt die Tabelle der anderen 16 Klubs an, dahinter eint den Vierten und den 14. die fehlende Konstanz. Dass in der Europa League kein deutscher Klub mehr im Halbfinale dabei war, spricht nicht für die Klasse der Vereine hinter den großen zwei.

Der spanische Fußball hat die vergangenen Jahre bei den Nationalmannschaften und auf Klubebene dominiert. Steht eine Wachablösung bevor, oder ist sie vielleicht sogar schon im Gange?

„Das Champions-League-Finale Bayern gegen Dortmund läutet ein Jahrzehnt deutscher Vorherrschaft im europäischen Fußball ein“, sagt Emmanuel Hembert, bei „A. T. Kearney“, einer international tätigen Unternehmensberatung, Experte für das Geschäftsfeld Fußball: „Manch einer mag das deutsch-deutsche Finale zwar für eine einmalige Angelegenheit halten. Doch der Blick auf die jüngere Performance deutscher Fußballklubs legt nahe, dass es Auftakt eines neuen Trends ist, der einige Jahre anhalten wird.“ Eine Studie über die „Nachhaltigkeit europäischer Fußball-Ligen“ war vor drei Jahren zu dem Ergebnis gekommen, „dass die Bundesliga als einzige Liga über ein wirtschaftlich nachhaltiges Geschäftsmodell verfügt. Nach dem wirtschaftlichen kam nun der Erfolg auf dem Spielfeld“, sagt Hembert.

Und was glauben die Fußballexperten?

Von einem neuen Machtverhältnis auf internationaler Bühne will Matthias Sammer, der Sportvorstand des FC Bayern, noch nicht sprechen. „Mit Wachablösung ein bisschen langsam“, sagte Sammer. Franz Beckenbauer, Deutschlands Fußballkaiser, spricht von einer „vorübergehenden Bestandsaufnahme. Die Spanier werden sich ärgern und aufrüsten.“ Die Spanier selbst sehen sich noch nicht entthront. Über eine Wachablösung zu diskutieren, sei nicht gerecht, findet „Barça“-Star Xavi: „Das muss man erst einmal über zwei, drei Jahre sehen.“ Bundestrainer Joachim Löw gibt sich noch diplomatisch-zurückhaltend. Er glaubt, dass die „Konstellation den gesamten deutschen Fußball, aber auch jeden einzelnen Spieler in seiner Entwicklung weiter voranbringt“.

Zwei deutsche Klubs im Finale:

Ist das wirklich ein Sportereignis von historischer Dimension?

In der Champions League und dem Vorgänger, dem Landesmeisterpokal, gab es noch kein deutsches Endspiel. Das einzig rein deutsche Finale in Europa gab es vor 33 Jahren im damaligen UEFA-Cup-Wettbewerb. Damals bekam es Borussia Mönchengladbach (Trainer war der heutige Bayern-Coach Jupp Heynckes) mit Eintracht Frankfurt zu tun. Das Hinspiel gewannen die Borussen zu Hause mit 3:2. Im Rückspiel siegten die Frankfurter mit 1:0 und holten damit den Cup. In der Champions League ist das Duell Bayern gegen BVB das vierte Endspiel zwischen zwei Teams aus demselben Land. In der Saison 1999/2000 bezwang Real Madrid den FC Valencia mit 3:0. 2002/2003 gewann der AC Mailand im Elfmeterschießen mit 3:2 gegen Juventus Turin.2007/2008 brauchte Manchester United gegen den FC Chelsea ebenfalls ein Elfmeterschießen (6:5) zum Finaltriumph.

Wie es der Zufall will, treffen Borussia Dortmund und Bayern München morgen in der Bundesliga aufeinander. Wird es eine Generalprobe für den 25. Mai?

Die Deutsche Presse-Agentur spricht sehr treffend von einem „Kuschelspiel mit interessanten Randaspekten“. „Samstag? Ich glaube, das hat nicht so viel mit dem Finale zu tun“, sagt Bayern-Profi Arjen Robben, „der Trainer wird wieder viel rotieren, und die werden auch viel rotieren.“ Bayern-Trainer Jupp Heynckes glaubt, dass „beide Teams das locker angehen werden“. Von einer Generalprobe könne man jedenfalls nicht sprechen. Und wenn Sammer, der größte Ehrgeizige des deutschen Fußballs, sagt, dass das Spiel im Signal-Iduna Park „erst mal bedingt wichtig“ sei, dann ist fast alles zur Bedeutung gesagt. Dortmunds Trainer Jürgen Klopp und Heynckes werden bessere B-Teams aufbieten, die wichtigsten Spieler schonen und taktisch nicht alle Karten auf den Tisch legen. Was gegen eine B-Elf der Bayern passieren kann, hat allerdings Hannover 96 vor Kurzem schmerzhaft erfahren bei der 1:6-Heimpleite.

Und was sagt die Kanzlerin?

„Ich freue mich. Denn eines ist sicher: Deutschland gewinnt“, schrieb Angela Merkel auf ihrer Facebook-Seite. Merkel ist ein großer Fußballfan. Ihr Lieblingsspieler ist Bayerns Bastian Schweinsteiger. Aber das würde sie offiziell natürlich nie bestätigen.

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