Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Fußball aus aller Welt Kloppo, die letzte
Sportbuzzer Fußball Fußball aus aller Welt Kloppo, die letzte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
09:53 28.04.2015
 Jürgen Klopp und die Bayern – eine Geschichte für sich. Heute kommt es zum vorerst letzten Showdown. Quelle: dpa
Anzeige
München

Er hat ihnen allen gegenübergestanden, sie alle bekämpft seit seinem Amtsantritt 2008 in Dortmund: Jürgen Klinsmann, Louis van Gaal, Jupp Heynckes und seit 2013 Pep Guardiola. Während Jürgen Klopp mit seinen sieben Jahren beim BVB eine Ära prägt, muss Bayern den Trainerpraktikanten Klinsmann verdauen, den egozentrischen van Gaal ertragen, ehe Heynckes den FC Bayern zum Triple 2013 führt: mit 2:1 im Champions-League-Finale – gegen Klopp.

Nun endet die schwarz-gelbe Klopp-Zeit im verflixten siebten Jahr. Der 47-Jährige hat seinen Rücktritt verkündet, Thomas Tuchel wird Nachfolger. Vorher heißt es im Pokal-Halbfinale heute (20.30 Uhr, ARD): der BVB-Pöhler-Klopp gegen die großen Übermacht-Bayern, Klappe, die letzte – oder besser gesagt: Kloppo, die letzte. 

Anzeige

Kloppo, du Popstar!“

Klopp hat sich in all den Jahren sehr über die Rivalität mit dem FC Bayern definiert. Weil es sein Antrieb ist, Unmögliches zu schaffen. Weil es seine Überzeugung ist, „nicht ewig, aber in diesem einen Spiel jeden Gegner der Welt schlagen zu können“. 2008 kommt er, damals noch mit Harry-Potter-Brille und längeren Haaren, zum BVB. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt verspricht er den Fans „Vollgasveranstaltungen“, anfangs verpasst er sogar die Europa League.

Doch Klopp führt die Mannschaft auf seine Art, mit emotionalem Powerfußball, nach oben. 2011 siegt er 3:1 in München, es ist der Grundstein zur ersten Meisterschaft. Der schwarz-gelbe Höhepunkt: das Double 2012, garniert mit dem triumphalen Pokalsieg über die Bayern in Berlin – 5:2. Gefeiert wird abends im Berliner E-Werk. Für Mannschaft, Verantwortliche und Trainer gibt es einen separaten Bereich. Doch Klopp steht direkt vor der Bühne und ist klitschnass geschwitzt. Er tanzt, singt, liegt Sponsoren in den Armen. Der Künstler „Baron von Borsig“, eine lokale Größe, hat zu diesem Zeitpunkt bereits ein Lied für den Trainer komponiert, das in Dortmund Kult ist. Es heißt: „Kloppo, du Popstar!“ Seine Spieler singen in der magischen Pokalnacht um 5 Uhr morgens einen anderen Klassiker: „Zieht den Bayern die Lederhosen aus.“

Oft haben die Bosse in München später zugegeben, dass besonders Klopp ihr stetiger Antrieb ist. Und Reizpunkt. Vor allem für Sportvorstand Matthias Sammer, mit dem er sich 2013 Nase an Nase an der Seitenlinie gegenübersteht und wieder und wieder verbal duelliert. „Wenn ich Matthias Sammer wäre“, hat Klopp mal gesagt, „dann würde ich jeden Morgen, bevor ich zum Bayern-Trainingsgelände fahre, Gott danken, dass irgendwer auf die Idee kam, mich hier dazuzuholen.“ Kurze Atempause. „Ich glaube nicht, dass Bayern München einen Punkt weniger hätte, wenn Matthias Sammer nicht da wäre.“

Klopp – und die Bayern: Das ist schon eine Geschichte für sich. 

Ein einzigartiger Kilometerdeal

Was kaum noch einer weiß: Alles beginnt an einem warmen Septembertag 2009. Dortmund geht gegen die Bayern zu Hause mit 1:5 unter, und Klopp bekommt die Krise, genauer gesagt seine erste als Dortmund-Trainer: fünf Spiele, nur ein Sieg, Platz 14. Die ganze Nacht kann er nicht schlafen, am Tag darauf beschließt er, mit seiner Mannschaft ins Trainingslager in die Klosterpforte Marienfeld (welcher Verein war eigentlich noch nicht da?) zu fahren. Klopp macht mit seinem Team hinter den hohen Klostermauern einen einzigartigen Kilometerdeal: In jedem Spiel müssen alle zusammen mehr als 118 Kilometer rennen, dann gibt es am Ende der Saison freie Tage extra. Auf ein Plakat kritzelt er Verhaltensregeln, die noch heute am Trainingsgelände hängen. 

Klopps Ideen zünden, seine Bubis rennen plötzlich in jedem Spiel wie die Duracellhasen. Sie stürmen die Liga – und werden im Jahr darauf deutscher Meister. „Er war immer der Spiritus Rector der großen Erfolge der Dortmunder“, sagt Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. 2008 will ihn Bayerns damaliger Manager Uli Hoeneß sogar verpflichten, doch Rummenigge kommt ihm mit Klinsmann zuvor. Was wäre bloß aus Bayern und Dortmund geworden, wenn ...
Heute kommt es zum vorerst letzten Duell zwischen Klopp und den Bayern. „Es war sehr schön für mich und eine Ehre, gegen seine Mannschaften zu kämpfen“, sagt Münchens Trainer Pep Guardiola, „er ist ein super Typ. Wir haben großen Respekt voreinander. Ich denke, er wird bald einen großen Verein trainieren und dann werden wir wieder gegeneinander kämpfen.“ Nicht ausgeschlossen, dass Klopp sein Weg sogar mal nach München führt – zu jenem Klub, mit dem er sich so erbitterte Duelle geliefert hat. 

Doch vorher fragen sich alle: Kann Klopp die Bayern noch mal ärgern? „Es geht für uns um alles, das ist für uns ein Finale. Da gibt es kein Drumherumreden. Wenn wir den Pokal gewinnen wollen, müssen wir die Bayern schlagen“, sagt er. Ein anderes Thema liegt Klopp noch am Herzen. „Man hat mir gesagt, dass in Dortmund die Gerüchte umgehen, ich würde den Klub verlassen, weil ich zu Hause rausgeflogen bin und ein Verhältnis mit einer Spielerfrau habe. Puh! Ich liebe Ulla nach wie vor von ganzem Herzen. Sie hat mich nicht rausgeworfen.“ Rauswerfen will Klopp sie heute. Aber nicht seine Ulla. Sondern die Bayern.

Von Marco Fenske und Patrick Strasser

Norbert Fettback 28.04.2015
Norbert Fettback 30.04.2015
Carsten Schmidt 30.04.2015
Anzeige