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Fußball aus aller Welt „Das Leben bietet viel mehr als Fußball“
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08:58 12.03.2013
Ex-Nationalspieler Michael Ballack steht nach einer Pressekonferenz über sein Abschiedsspiel in der Red Bull Arena (Zentralstadion) in Leipzig.
Ex-Nationalspieler Michael Ballack steht nach einer Pressekonferenz über sein Abschiedsspiel in der Red Bull Arena (Zentralstadion) in Leipzig. Quelle: dpa
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Leipzig

Herr Ballack, sitzen Sie jetzt jeden Abend am Schreibtisch und grübeln: Wen lade ich ein, wen nicht?

Ich gehe die Vereine durch, in denen ich gespielt habe, die Auswahlmannschaften natürlich auch. Da kommt schon einiges zusammen an Spielern. Und ich hoffe, dass ich dabei niemanden vergesse.

Nach welchen Kriterien laden Sie ein?

Es geht natürlich um Sympathie und um die Spieler, die ich einfach gut gefunden habe und denen ich auch freundschaftlich verbunden war. Weil sie herausragende Fußballer waren und einen hervorragenden Charakter hatten oder sich durch beides auszeichnen. Dass ich mit ihnen in einer Mannschaft gespielt habe, ist keine Bedingung. Es kann auch ein Gegenspieler sein.

Also könnte auch eine Einladung an Lionel Messi gehen?

Es ist letztlich immer eine Frage, ob der Spieler auch zu dem Termin kommen kann. Ich bin einer, der lieber etwas verkündet, wenn auch alles klar ist.

Setzen Sie sich ans Telefon und rufen an oder verschicken Sie Mails?

Ich rufe an, das ist persönlicher. Und mit den Jungs muss man schon sprechen. Alle haben einen vollen Terminkalender, und mein Spiel ist für sie ja keine Pflichtveranstaltung. Am Ende werde ich vielleicht 40 Namen auf meiner Liste haben und dann sehen, wer kommen kann. Jetzt beginnt die schwierige Arbeit. Ein paar Tage vor dem Spiel wird mir dann der Schweiß auf der Stirn stehen, wenn ich hoffe, dass alles klappt.

Hat José Mourinho gleich zugesagt?

Ich hatte ihn angerufen, aber er ging nicht ran. Er war gerade mit Real Madrid in Manchester. Dann habe ich eine SMS geschickt, und die positive Antwort kam prompt. Er erledigt alles immer sehr schnell.

Haben Sie auch eine Schwarze Liste? Gibt es Spieler, die Sie keinesfalls einladen?

Es ist doch ganz normal, dass es im Lauf der vielen Jahren Spieler gibt, zu denen man keine Beziehung hat. Zum Beispiel wurde ich heute nach Kevin-Prince Boateng gefragt. Ich kenne ihn nicht und habe nie mit ihm gespielt.

Haben Sie Joachim Löw eingeladen?

Noch nicht, das wird jetzt passieren.

Haben Sie in Bezug auf Ihr Abschiedsspiel schon eine Reaktion vom DFB erhalten?

Ich hatte kürzlich unseren Präsidenten Wolfgang Niersbach getroffen. Er wird natürlich auch eine Einladung bekommen. Ich hoffe, dass er kommen kann.

Wie eng ist Ihre Beziehung zu den aktuellen Nationalspielern?

Bastian Scheinsteiger treffe ich hin und wieder. Mit Per Mertesacker bin ich auch in Kontakt. Man muss bedenken, dass schon fast eine neue Generation nachgerückt ist. Da ist es normal, wenn es nicht mehr ganz so eng ist.

Wie war es für Sie, wenn Sie an Abschiedsspielen bei Kollegen teilgenommen haben?

Das war bei Lothar Matthäus und Andreas Brehme der Fall. Auch bei Bernd Schneider und Oliver Kahn. Es hat immer viel Spaß gemacht, weil man dann den einen oder anderen trifft, den man lange nicht gesehen hat.

Was werden Sie nach dem 5. Juni in Angriff nehmen?

Da werde ich erst mal kräftig durchatmen. So ein Abschiedsspiel ist schon etwas Besonderes. Das macht man schließlich nur einmal. Und wenn man es dann selbst mit organisiert, ist man erheblich aufgeregter als in einem normalen Spiel, wo man „nur“ unten stehen und gute Leistung bringen muss. Mit dem Spiel am 5. Juni will ich ja auch alle anderen zufriedenstellen, vor allem die Zuschauer und meine Gäste.

Wird man Sie in irgendeiner Form weiter im Fußball erleben?

Da bin ich offen. Ich wurde oft gefragt, ob ich nach dem Fußball nicht in ein Loch fallen würde. Dabei bietet das Leben viel mehr als Fußball. Ich habe so viele Interessen, da kommt keine Langeweile auf. Ich habe während meiner Zeit beim FC Chelsea die Kunst entdeckt und schaue mir zum Beispiel sehr gerne Ausstellungen an, einfach um Schönes zu sehen. Da fliege ich auch schon mal spontan relativ weit weg.

Was haben Sie sich zuletzt angesehen?

Das war nicht so weit weg. Da war ich in Chemnitz in der Ausstellung von Neo Rauch. Einfach super.

Interview: Winfried Wächter

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