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Fußball aus aller Welt Welchen Weg schlägt 96 in der Bundesliga ein?
Sportbuzzer Fußball Fußball aus aller Welt Welchen Weg schlägt 96 in der Bundesliga ein?
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00:23 02.08.2015
Von Jörg Grußendorf
Foto: Eine Frage der Richtung: Die Profis von Hannover 96 sind zwar guten Mutes, geben den Beobachtern aber bisher manches Rätsel auf.
Eine Frage der Richtung: Die Profis von Hannover 96 sind zwar guten Mutes, geben den Beobachtern aber bisher manches Rätsel auf. Quelle: Petrow
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Hannover

Das Wetter im Salzburger Land zeigte sich Donnerstagmorgen bei der letzten Trainingseinheit der „Roten“  noch einmal von seiner besten Seite. Die Sonne schien, erst später zogen Wolken auf. Irgendwie war diese Wetterlage vergleichbar mit der Situation des Clubs. Die Stimmung innerhalb des Teams ist gut, der Leistungsstand der Mannschaft zwei Wochen vor dem Bundesligastart hinterlässt jedoch Fragezeichen.

Insbesondere in den Tests lief es nicht nach Wunsch, räumte Trainer Michael Frontzeck ein. Man habe aber das Programm nicht auf diese Spiele gerichtet, sondern mehr Wert aufs Training gelegt. „Die Einheiten waren sehr gut und intensiv. Wir haben das gemacht, was wir umsetzen wollten. Wichtig ist, dass wir im Pokalspiel gegen Hessen Kassel am Sonntag in einer Woche oder zum Bundesligastart gegen Darmstadt 98 topfit sind“, sagte Frontzeck. „Für uns bleibt bis dahin noch einiges zu tun.“ Die folgende Bilanz zeigt, wo es im Detail noch hakt oder schon gut läuft.

Der Trainer

Michael Frontzeck ist ein besonnener Mann mit einer geradezu stoischen Ruhe. Seine Ansprachen sind selten, aber deutlich. Bei der täglichen Trainingsarbeit verhält er sich ganz anders als sein Vorgänger Tayfun Korkut. Während der auf dem Platz nahezu omnipräsent war, jedes Detail ausführlich ansprach, gefällt sich Frontzeck in der Rolle des Zuschauers. Er steht schon mal am Mittelkreis oder mit dem Rücken an die Bande gelehnt und beobachtet das Geschehen aus der Entfernung. Während das Trainerteam bei Korkut hauptsächlich für die Erwärmung und Ähnliches zuständig war, sind etwa Jan-Moritz Lichte oder Christoph Dabrowski echte Assistenten für den 51-Jährigen. Er lässt sie machen, greift aber, wenn es nötig ist, auch entschieden ein. Er vertraut ihnen sichtlich.

Der Nachwuchs

Niklas Teichgräber (19), Waldemar Anton (19, Bild, links), Sebastian Ernst (20), Noah-Joel Sarenren-Bazee (18) und Valmir Sulejmani (19) waren im Trainingslager dabei, mehr aber auch nicht. Für die Bundesliga reicht es (noch) nicht. Lediglich Anton machte in Ansätzen auf sich aufmerksam. Ernst, der so herrlich mit dem Ball umgehen kann, scheint Probleme damit zu haben, dass man ihm mit Allan Saint-Maximin schon wieder ein Nachwuchsass aus der Fremde vor die Nase setzen wird. Trainer Michael Frontzeck hat sich ein klares Bild von den Talenten gemacht und Sulejmani, Sarenren-Bazee, Teichgräber und Ernst gestern mitgeteilt, dass sie vorerst in den Kader der Zweiten zurückversetzt werden. „Wir müssen eine überschaubare Gruppe schaffen“, sagte Frontzeck, dem anzumerken war, dass er mit der Leistung der vier nicht zufrieden war. „Als junger Spieler musst du die etablierten unter Druck setzen“, sagte der Coach – diesen Eindruck scheint er nicht gehabt zu haben. Die Tür nach oben sei aber für sie nicht zu, betonte Frontzeck. Anton wurde im Gegensatz zu den anderen für seinen Einsatz belohnt und bleibt im Kader der Ersten. „Waldemar hat sich sehr gut präsentiert“, sagte der Trainer.

Taktik und Testspiele

Trainer Michael Frontzeck hat sich festgelegt: Er setzt auf ein schnelles Umschaltspiel – Balleroberung, ab nach vorn, Torabschluss. „Ballbesitz ist etwas für große Clubs wie den FC Bayern, nicht für uns“, sagte er. Das hört sich leicht an, die Umsetzung gestaltet sich jedoch erheblich schwieriger. 96 hat in den Tagen von Saalfelden daran gearbeitet; im Training sah es mitunter schon ganz ordentlich aus. In den Tests dagegen war kaum noch etwas davon zu erkennen.

96 agierte gegen Hull City (0:0) und Caykur Rizespor (0:2) sehr zerfahren und überhastet. „Wir müssen uns jetzt die Frische holen“, sagte Frontzeck  nach dem Rizespor-Test, „dann wird am Sonnabend gegen den AFC Sunderland vieles besser.“ Besonders augenfällig ist die mangelnde Torgefahr, insbesondere aus dem Spiel heraus.

Die Stammelf

Bis auf eine oder zwei Ausnahmen scheint Trainer Michael Frontzeck seine erste Elf fest im Kopf zu haben – das zeigt die nebenstehende Grafik. Das größte Fragezeichen steht im zentralen Mittelfeld hinter der Spitze. Dort spielt derzeit Kenan Karaman, der 21-Jährige gilt allerdings eher als Platzhalter. Hiroshi Kiyotake, eigentlich als Stammkraft auserkoren, fällt wegen eines Mittelfußbruchs länger aus. Eine weitere Option wäre Allan Saint-Maximin, die Ausleihe des 18-Jährigen vom AS Monaco soll in der nächsten Woche perfekt gemacht werden. Unentschieden steht das Duell um den Stürmerplatz zwischen Mevlüt Erdinc und Charlison Benschop, Artur Sobiech ist derzeit dritte Wahl. Noch am ehesten auf dem Sprung in die erste Elf sind Felipe in der Innenverteidigung (er kommt im DFB-Pokal für den gesperrten Marcelo zum Einsatz) und Leon Andreasen im defensiven Mittelfeld.

Die Neuzugänge

Felix Klaus (22 Jahre) und Uffe Bech (22) dürften auf den Außenbahnen gesetzt sein, ebenso Oliver Sorg (25) als Außenverteidiger. Charlison Benschop (25) und Mevlüt Erdinc (28) müssen um den einzigen Platz im Sturmzentrum kämpfen. Philipp Tschauner (29) hat keine Chance gegen Nationaltorwart Ron-Robert Zieler. Großartig gezeigt hat sich allerdings keiner der Neuen im Trainingslager. Für Sorg kam erschwerend hinzu, dass er aufgrund eines Muskelfaserrisses lediglich in der gestrigen, also in der letzten Einheit, das komplette Training mit der Mannschaft absolvieren konnte.

Weitere Infos...

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Sieger und Verlierer

Nach einem Trainingslager spricht man gern von Gewinnern oder Verlierern. Dabei kann man es sich ganz einfach machen: Die Stammspieler sind eindeutig die Gewinner. Es sind nämlich nur wenige Ersatz- oder Ergänzungsspieler, die den nötigen Druck auf die erste Elf ausüben. Leon Andreasen macht in jeder Einheit deutlich, dass er in die Stammmannschaft will. Felipe hat ein dickes Lob vom Trainer bekommen und ist damit dicht an die erste Elf gerückt. Aber sonst? Über Edgar Prib, zuletzt immer wieder als linker Verteidiger eingesetzt, hat der Trainer klar gesagt, dass er ihn auf dieser Position nur als absolute Notlösung sieht. Prib ist immerhin eine gute Alternative für die linke Außenbahn.

Die Führungsspieler

Die Wahl des Kapitäns und des Mannschaftsrates sagt sehr viel über die Struktur dieser Mannschaft aus. Christian Schulz (Bild), Ron-Robert Zieler, Leon Andreasen und Manuel Schmiedebach haben das Sagen im Team, wobei Andreasen keinen Stammplatz hat und Kapitän Schulz sehr verletzungsanfällig ist. Dahinter klafft eine Lücke, auch, weil 96 hauptsächlich auf junge und talentierte Neuzugänge gesetzt hat. Auch Allan Saint-Maximin, der das Team in der nächsten Woche noch komplettieren wird, ist erst 18 Jahre alt. „Wir haben eine total entwicklungsfähige Mannschaft“, sagte Sportdirektor Dirk Dufner. Die Verpflichtung eines gestandenen Bundesligaprofis ist nicht mehr geplant. Hoffentlich passt die aktuelle Mischung aus Alt und Jung.

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Die Profis von Hannover 96 absolvierten vor ihrer Abreise eine eher lockere Übungseinheit. Anschließend stand für vier junge Talente ein Gespräch beim Trainer an. Niklas Teichgräber, Sebastian Ernst, Noah-Joel Sarenren-Bazee und Valmir Sulejmani müssen in die zweite Mannschaft - Waldemar Anton bleibt im Profikader.

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Der Brasilianer Felipe hat sich bei 96-Trainer Michael Frontzeck in den Vordergrund gespielt - und sitzt damit den designierten Stammspielern Christian Schulz und Marcelo im Nacken. André Hoffmann hingegen braucht wohl noch etwas Geduld. „Er ist acht, neun Monate weg gewesen und braucht noch eine Weile“, sagte Frontzeck.

Jörg Grußendorf 30.07.2015
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