Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Fußball aus aller Welt Die Machtverteilung bei den Bundesligisten
Sportbuzzer Fußball Fußball aus aller Welt Die Machtverteilung bei den Bundesligisten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:13 08.01.2010
Von Heiko Rehberg
Traumpaarin Bremen: Manager Klaus Allofs und Trainer Thomas Schaaf. Quelle: lni (Archiv)
Anzeige

Bei Hannover 96 ist Klubchef Martin Kind seit 1997 der Mann mit der größten Macht. Als der Hörgeräteunternehmer den Verein übernahm, war 96 kurz davor, wirtschaftlich ein Fall für den Konkursrichter zu werden, sportlich waren die „Roten“ ein Drittligist. Ohne Kind wäre 96 nicht wieder auf die Beine gekommen, gäbe es keine schmucke AWD-Arena und keine 1. Liga in Hannover. 96 hat mittlerweile eine andere Struktur, an Kinds Rolle hat sich seit damals de facto nichts geändert: Alle Entscheidungen gehen über seinen Tisch.

In Aufstellungs- und Taktikfragen hat sich Kind früher wie heute nie eingemischt, die sportliche Macht hat er mal mehr auf den Trainer (zum Beispiel bei Ralf Rangnick), dann mal mehr auf den Sportdirektor (wie jetzt bei Jörg Schmadtke) verteilt. Klub-Insider berichten, dass sich Kind zuletzt so stark zurückgehalten habe wie lange nicht. Schmadtke, über dessen Arbeitsweise Kind sich nur lobend äußert, hat deshalb einen größeren Spielraum als seine Vorgänger, was nicht allen im Klub behagt. Trainer Andreas Bergmann hat in dieser Konstellation die schwächste Position, auch im Vergleich zum Einfluss seiner Trainer-Vorgänger.

Anzeige

Wie aber ist die Machtkonstellation in anderen Klubs? Welchen Einfluss haben Trainer und Sportdirektor bei den 17 Erstligakonkurrenten von 96? Ein Überblick.

VfL Wolfsburg: Armin Veh ist wie sein Vorgänger Felix Magath Trainer und Manager in Personalunion, hat aber deutlich weniger Einfluss. Mit Geschäftsführer Dieter Hoeneß gibt es einen neuen starken Mann im Klub. Auch für ihn gilt aber: Ohne die VW-Bosse läuft beim VfL nicht nur kein Auto vom Band.

Bayern München: Kein Verein hat eine derart geballte Fußballkompetenz in der Führungsetage wie der Rekordmeister mit Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß und Franz Beckenbauer. Der „Kaiser“ hat mit dem Tagesgeschäft zwar nichts mehr zu tun, noch immer aber gilt: Sein Wort in „Bild“ oder bei diversen TV-Sendern hat Gewicht; grollt Beckenbauer, geht das auch an den Spielern nicht spurlos vorüber. Der neue, noch recht blasse Manager Christian Nerlinger muss seine Rolle erst finden. Louis van Gaal ist ein autoritärer Trainertyp, der sich nicht gern reinreden lässt, aber schnell lernen musste, dass dies Hoeneß und Rummenigge nicht besonders beeindruckt.

VfB Stuttgart: Bei den Schwaben hatte Manager Horst Heldt ähnlich viel Macht wie Schmadtke in Hannover, diese ist durch den Trainertausch von Christian Gross für Markus Babbel aber stark geschrumpft. Präsident Erwin Staudt und der Aufsichtsratsvorsitzende Dieter Hundt sind als ehemalige Wirtschaftsgrößen keine Funktionäre, die sich mit einer leisen Nebenrolle begnügen.

Hertha BSC: Präsident Werner Gegenbauer hat als Gegenspieler von Dieter Hoeneß bundesweit für Furore gesorgt und den Machtkampf gewonnen. Doch ohne Hoeneß ist bei Hertha ein Machtvakuum entstanden: Hoeneß’ Nachfolger Michael Preetz hat bisher die Erwartungen nicht erfüllt und wird in den Medien teilweise verspottet, Trainer Friedhelm Funkel fehlen für eine starke Rolle die entscheidenden Argumente – Punkte.

Hamburger SV: Vorstandschef Bernd Hoffmann ist der starke HSV-Mann, auch wenn ihm einige im Klub die Streitigkeiten mit dem ehemaligen Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer übel nehmen. Trainer Bruno Labbadia arbeitet seitdem ohne Manager und hat das alleinige sportliche Sagen. Uwe Seeler, ein Idol wie Franz Beckenbauer, spielt eine andere Rolle als der „Kaiser“ und ist eher – im positiven Sinne gemeint – eine Art Maskottchen.

Borussia Dortmund: Klare Rollenverteilung – Hans-Joachim Watzke kümmert sich um das Wirtschaftliche, Trainer Jürgen Klopp um alles andere; und Manager Michael Zorc ist auch noch da.

1899 Hoffenheim: Trainer Ralf Rangnick entscheidet alle sportlichen Fragen, Manager Jan Schindelmeiser harmoniert mit Rangnick hervorragend, ohne ein Jasager zu sein. Über allem steht Geldgeber Dietmar Hopp, der sich aber aus dem sportlichen Tagesgeschäft komplett raushält.

Schalke 04: Wo Felix Magath arbeitet, ist es relativ einfach: Da entscheidet Magath auch alles. Und für Schalke, wo in der Vergangenheit Vorstandsmitglieder wie Josef Schnusenberg nicht immer glücklich agierten, ist das vermutlich auch das Beste.

Bayer Leverkusen: Einem wie Jupp Heynckes, der einen Champions-League-Sieg mit Real Madrid in seiner Trainervita hat, redet niemand rein. Auch kein Rudi Völler, der als Sportchef als großer Sympathieträger vor allem ein Türöffner bei Sponsoren ist – und wegen seiner Profi-Erfahrung gleichzeitig ein wichtiger Ratgeber. Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser ist ein cleverer Stratege, auch wenn er mal völlig grundlos Dinge sagt, die nicht besonders clever sind wie zuletzt in Bezug auf Heynckes.

Werder Bremen: Trainer Thomas Schaaf und Manager und Geschäftsführer Klaus Allofs – das ist seit vielen Jahren das Traumpaar der Bundesliga. In Bremen funktioniert das scheinbar Unmögliche: das Zusammenspiel zweier starker Persönlichkeiten. Und noch ein anderes Kunststück klappt: Wenn sich Schaaf und Allofs mal nicht einig sind, erfährt es die Öffentlichkeit nicht.

1. FC Köln: Präsident Wolfgang Overath spielt, ausgestattet mit der Aura der FC-Legende, die Hauptrolle; auch Geschäftsführer Michael Meier als Manager hat eine starke Position. Zvonimir Soldo ist nicht unumstritten und als Traineranfänger ohne größere Macht.

Eintracht Frankfurt: Der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen ist klar die Nummer 1 und mit allen Wassern des Fußballgeschäfts gewaschen. Er scheut keine Konflikte mit Trainer Michael Skibbe und lässt diesen bei Transferwünschen auch schon mal elegant auflaufen.

VfL Bochum: Der Aufsichtsratsvorsitzende Werner Altegoer bestimmt seit zwei Jahrzehnten, wo es in Bochum langgeht. Manager Thomas Ernst und Trainer Heiko Herrlich müssen diese Rolle akzeptieren.

Borussia Mönchengladbach: Trainer Michael Frontzeck hat als ehemaliger Borussen-Profi eine Hausmacht. Präsident Rolf Königs hatte in der Vergangenheit wenig Glück mit seinen Personalentscheidungen, mit Frontzeck und Sportdirektor Max Eberl scheint es nun allerdings zu funktionieren.

SC Freiburg: Jahrelang war Volker Finke der Alleinbestimmer. Trainer Robin Dutt ist kein neuer Finke, hat aber das alleinige Sagen für die Mannschaft. Sportdirektor Dirk Dufner arbeitet unauffällig im Hintergrund.

Mainz 05: Manager Christian Heidel und Präsident Harald Strutz waren schon in der Klopp-Ära mit Einfluss. Daran hat sich unter Trainer Thomas Tuchel nichts geändert; Kompetenzüberschneidungen gab es damals wie heute nicht.

1. FC Nürnberg: Beim „Club“ herrscht durch den Trainerwechsel eine neue Konstellation: Sportdirektor Martin Bader und der neue Coach Dieter Hecking werden sich erst einspielen müssen. Michael A. Roth, bekannt für seine Trainerrauswürfe, ist nicht mehr Präsident; sein Nachfolger Franz Schäfer hat nicht einmal zehn Prozent von Roths Einfluss.