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Fußball aus aller Welt Eine Mannschaft mit goldener Zukunft
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00:19 17.07.2014
Von Heiko Rehberg
„Wir haben viele Spieler, die noch einiges bewegen können“: Finaltorschütze Mario Götze, André Schürrle und Jérôme Boateng (von links) – allesamt 25 Jahre und jünger – gehören zum Kern der künftigen Mannschaft. Quelle: dpa
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Rio de Janeiro

So weit gehen wie sein Vorgänger als Weltmeistertrainer wollte Joachim Löw nicht. Franz Beckenbauer hatte nach dem dritten WM-Gewinn vor 24 Jahren in Rom seinem Nachfolger Berti Vogts einen schweren Rucksack mit auf den Weg gegeben, als er der deutschen Fußball-Nationalmannschaft für Jahre die Unschlagbarkeit prophezeit hatte.

Löw hatte bei der Weltmeisterschaft in Brasilien bereits nach dem glanzvollen und bis in die Ewigkeit strahlenden 7:1 im Halbfinale gegen die Gastgeber gesagt, dass „sich niemand für unbesiegbar halten sollte“. Nach dem 1:0-Finalsieg nach Verlängerung gegen Argentinien wählte er beim Blick in die verheißungsvolle Zukunft die Worte vorsichtiger, schon auch deshalb, weil der Bundestrainer nach der WM mit großer Wahrscheinlichkeit weiterhin Joachim Löw heißen wird und sich niemand freiwillig den Rucksack schwerer packt, als er ohnehin schon ist. „Der Titel wird uns für die Zukunft einen Schub geben“, sagte Löw, „wir haben viele Spieler, die noch einiges bewegen können. Es hat ja kaum einer die 30 überschritten.“

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Man muss sich die Spieler, die gegen Argentinien zum Einsatz kamen, und ihr Alter nur einmal anschauen, um zu wissen: Diese Mannschaft hat das Zeug, eine Ära wie die Spanier zu gestalten bei der Europameisterschaft in zwei Jahren in Frankreich und mit ein wenig Blutauffrischung auch bei der nächsten WM in Russland.

Manuel Neuer 28 Jahre, Philipp Lahm 30, Per Mertesacker 29, Jérôme Boateng 25, Mats Hummels 25, Benedikt Höwedes 26, Toni Kroos 24, Bastian Schweinsteiger 29, Christoph Kramer 23, Thomas Müller 24, Mesut Özil 25, André Schürrle 23, Mario Götze 22 und Miroslav … Nein, das Alter lassen wir an dieser Stelle mal weg. Obwohl der Bundestrainer scherzhaft sagte, dass es dem ewigen Klose „zuzutrauen ist, dass er noch vier Jahre weiter spielt“ bis zur nächsten WM. Klose wäre dann 40 Jahre jung, in dem Alter hat der Kameruner Roger Mila bei Weltmeisterschaften gerade erst richtig losgelegt.

Löw selbst wich konkreten Nachfragen nach seiner Zukunft mit Hinweis auf seinen bis nach der EM 2016 gültigen Vertrag in Rio aus. Auf die Frage, ob es denn Zweifel gebe am Weitermachen, sagte er: „Ich muss erst einmal mit dem Präsidenten reden. Aber ich glaube nicht.“

Wolfgang Niersbach, eben jener Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), hat ohnehin keine Bedenken, dass Löw auf dem Höhepunkt seiner Trainerkarriere aufhören könnte. „Der Trainer bei der EM 2016 wird Joachim Löw heißen“, sagte Niersbach, der sich anders als sein Vorgänger Theo Zwanziger gut mit dem Bundestrainer versteht. Oliver Bierhoff, Nationalelfmanager und vielleicht der Mann, der am nächsten dran ist an dem seine Freiheit liebenden Löw, hat in Rio bereits angekündigt, weiterzumachen.

„Der Trainer hat es wirklich geschafft, die Mannschaft total hinter sich zu bekommen“, sagte Mittelfeldspieler Bastian Schweinsteiger, der mit Sami Khedira mehr Wortführer ist als Kapitän Philipp Lahm. Jetzt aufzuhören, das weiß Löw, würde ein Stück weit bedeuten, eine Mannschaft, die er gestaltet, geformt und verbessert hat und die mit ihm durch jedes Feuer gehen würde, im Stich zu lassen.

Am Tag nach dem größten Triumph seiner Karriere beschrieb Löw die WM in Brasilien als „Projekt, das wir vor zehn Jahren gestartet haben, beginnend mit Jürgen Klinsmann“. Löw war damals der taktische Kopf des Duos, nach der WM 2006 dann der alleinige Chef. „Als wir 2004 angefangen haben, lag der deutsche Fußball am Boden“, sagte Löw. „Wir wussten damals: Nur mit deutschen Tugenden werden wir keine Fortschritte machen.“

Erst Klinsmann und dann Löw haben die Strukturen rund um die Nationalelf verändert mit Radikalität und Kompromisslosigkeit, anfänglich kritisch beäugt von vielen im Verband. Unter Löw kehrte die Nationalmannschaft zu einem Spielstil zurück, der nach 1974 ausgestorben zu sein schien in Deutschland.

Der Verband nahm Nachwuchsförderung plötzlich ernst, viele Bundesligaklubs auch. Es spricht für Löw, dass er nicht vergaß, das zu erwähnen, auch nicht die Arbeit von Trainern wie Jürgen Klopp, Jupp Heynckes oder Pep Guardiola, die die meisten seiner Nationalspieler durch den Alltag begleiten oder das getan haben.

Löw ist jetzt ein Titeltrainer, aber er war in der Stunde des Triumphs demütig genug, um zu wissen, dass er so viele wunderbare Spieler zur Auswahl hatte und hat wie jahrzehntelang kein anderer Trainer. Seine Leistung mindert das keineswegs, denn große, herausragende Spieler hatten in Brasilien auch andere Nationen. Sie hatten aber keinen Baumeister, der wie Löw mit Menschlichkeit, Mut, Fachwissen und auch einer großen Portion Sturheit daraus eine harmonische, sympathische und fußballerisch hochveranlagte Mannschaft gemacht hat. Eine mit prächtiger Zukunft.

So geht es weiter
 für die Weltmeister

Sonderflug LH 2014 landet heute gegen 9 Uhr in Berlin. An Bord: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft, natürlich mit dem WM-Pokal im Gepäck. Vom Flughafen Tegel aus geht es in Bussen weiter zur Fanmeile am Brandenburger Tor. Laut Veranstalter soll die Mannschaft dort gegen 11 Uhr die Bühne betreten. Für Besucher werden die Eingänge bereits um 8 Uhr geöffnet. Wer die neuen Weltmeister hautnah erleben möchte, sollte also früh anreisen. Für alle anderen übertragen ARD und ZDF von 9 bis 12 Uhr in einer gemeinsamen Sendung. Und wir erklären, was Sie sonst noch über die Weltmeister wissen müssen:

Kann man die Weltmeistertrikots schon kaufen?
Ja und nein. Ausrüster Adidas hat am Montag bereits die ersten Trikots mit den vier Sternen angeboten, die die Mannschaft schon nach dem Finale übergezogen hatte – doch schon am frühen Vormittag waren alle Exemplare ausverkauft. Die Herstellung in China ist aber bereits im vollen Gange. In den kommenden Tagen, erklärte eine Konzernsprecherin am Montag, sollen genügend Weltmeistertrikots (Preis: 84,95 Euro) im Handel ausliegen.

Wie hoch ist eigentlich die Titelprämie für Jogis Jungs?
Die deutschen Spieler erhalten für den Titel jeweils 300.000 Euro – das ist ein Rekord! Nur zum Vergleich: Die Weltmeister von 1954 hatten 1250 Euro und ein Fernsehgerät erhalten, 1974 waren es bereits 30.000 Euro und ein Auto, 1990 dann 65. 000 Euro. Auch der DFB darf sich freuen: Für den vierten Titelgewinn gibt es vom Weltverband FIFA rund 25 Millionen Euro Preisgeld.

Wie lange haben die Weltmeister jetzt Urlaub?
Die meisten wohl knapp drei Wochen. Am 13. August findet der deutsche Supercup statt, in dem Dortmund und München aufeinandertreffen. Vom 15. bis 17. August geht es dann im DFB-Pokal los. Auch in England und Spanien startet die Saison wieder Mitte August.

Und was gibt es sonst noch?
Die Post druckt zum vierten WM-Titel eine Sonderbriefmarke („Deutschland Fußball Weltmeister 2014“). Die 60-Cent-Marke (Entwurf: Lutz Menze) wird in einer Auflage von fünf Millionen gedruckt und ist von Donnerstag an zu kaufen.

Patrick Hoffmann

Fußball aus aller Welt Weltmeister-Trainer Joachim Löw - Und was kommt jetzt?
14.07.2014