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Fußball aus aller Welt Plauderei aus der Pillendose
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00:15 25.08.2013
Von Stefan Knopf
„Die waren überall, die Viecher“: Schatzschneider spricht über Pillen im Bus. Quelle: dpa
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Hannover

Manchmal, erinnert sich Dieter Schatzschneider mit fröhlicher Stimme, manchmal flogen sie sogar durch den Bus. „Die waren überall, die Viecher.“ Launig plaudert er vor sich hin, als erzähle er von einer Klassenfahrt, bei der Flachmänner und Fluppen schon mal durch die Sitzreihen sausen.

Schatzschneider war mal ein sehr erfolgreicher Fußballprofi in der 2. Liga bei Hannover 96, ungefähr 30 Jahre ist das her; später war er dann nicht mehr ganz so erfolgreich beim Hamburger SV und bei Schalke 04 in der 1. Liga. Andere aus seiner Generation sind inzwischen Trainer oder Manager im Profigeschäft, Schatzschneider sitzt bei Fußballspielen von 96 auf der Tribüne neben Hannovers Klubchef Martin Kind und bezeichnet sich als „Berater des Präsidenten“. Der Mann, der immer dicht dran ist an denen, über die geredet wird. Jetzt redet Schatzschneider. Über Fahrten im Mannschaftsbus zu seiner aktiven Zeit. Über Pillen, die damals durch den Bus flogen. Aufputschmittel. Dopingmittel. „Ich kann das nur bestätigen, dass früher gedopt wurde“, sagt er.

Schatzschneider spricht von Captagon, der Fußball-Modedroge der späten siebziger und achtziger Jahre. Sie macht keine schnelleren Beine, aber sie verspricht, dass die Beine länger schnell bleiben. Was Schatzschneider da als Plauderei aus der Pillendose verkauft, ist nicht neu: Auch Trainer Peter Neururer hat schon vor einigen Jahren über massiven Captagon-Missbrauch im deutschen Profifußball berichtet. Ähnlich wie Schatzschneider nannte er keine Namen. Und als Paul Breitner vor wenigen Tagen einräumte, dass Doping im Fußball ein Thema gewesen sei, nannte er gleichfalls keine Details.

„Wenn er mich vorher gefragt hätte, ob er sich dazu äußern sollte, hätte ich ihm geraten, den Mund zu halten“, sagt 96-Klubchef Kind über Schatzschneider. Der frühere Nationalspieler Klaus Allofs giftet: „Ich bleibe lieber bei der Wahrheit, und die lautet: Es wurde nicht gedopt.“ Doping im Fußball, das war lange Zeit ein Tabuthema. Die Verantwortlichen hatten es sich bequem mit der These eingerichtet, dass Doping im Fußball ja sowieso nichts bringe. Warum es sinnlos sein soll, wenn eine Mannschaft länger laufen kann als eine andere, wenn doch die entscheidenden Tore meist in der Schlussphase fallen, dafür allerdings gibt es bis heute keine schlüssige Erklärung.

Erst allmählich kommen die dunklen Geschichten ans Tageslicht. Zuletzt war in der Studie über Dopingpraktiken in der „alten“ Bundesrepublik die WM-Elf von 1966 in die Nähe von Doping gerückt worden, nun wieder die Captagon-Debatte. Die Vorwürfe allerdings bleiben vage: Wer etwas weiß, hat meistens nur etwas bei anderen gesehen. Und ein öffentlicher Sturm der Entrüstung, der in anderen Sportarten längst eingesetzt hätte, bleibt bislang aus. Die Fußballfans holen ihre Idole nicht so gerne vom Sockel, wie es zum Beispiel im Radsport geschehen ist.
Schatzschneider selbst beteuert übrigens, nicht gedopt zu haben. Warum? „Für mein Spiel, habe ich entschieden, lohnt sich das nicht. Da ich nicht gelaufen bin, habe ich das Zeug nie genommen.“

Stefan Knopf

DFB führt Blutkontrollen ein

Der Reflex ist immer derselbe: Wann immer im Fußball das Gespräch auf das Thema Doping kommt, wird abgestritten und geleugnet. Aufklärung fordern die wenigsten. Als der frühere Nationaltorwart Toni Schumacher Ende der achtziger Jahre in seinem Buch „Anpfiff“ über Dopingpraktiken in der Bundesliga schrieb, flog er als Konsequenz aus der Nationalmannschaft. Es gibt kein Thema, mit dem sich Vereine und Verband so schwertun – dabei ist es längst erwiesen, dass auch im Fußball gedopt wird.

Immerhin: Endlich hat nun auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) eine Vereinbarung mit der Nationalen Antidoping-Agentur (NADA) getroffen, um Blutkontrollen bei den Fußballprofis zu ermöglichen. Mediziner und Athleten aus anderen Sportarten können über diese „Light“-Version aber nur milde lächeln: 500 Trainingskontrollen will die NADA bei den 36 Vereinen in der 1. und 2. Liga durchführen, bei 15 Prozent der Kontrollen soll den Spielern Blut abgezapft werden. Umgerechnet bedeutet das: Jeder deutsche Profiverein muss mit weniger als zwei Blutkontrollen pro Jahr rechnen. Zum Vergleich: Bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Moskau wurden rund 1900 Bluttests durchgeführt. Von einem Blutpass, wie er beispielsweise bei Radprofis längst die Regel ist, keine Rede.

Die deutschen Fußballer leben also weiter in einer Kontroll-Komfortzone, so sehen das die Kritiker der Vereinbarung. „Das ist alles eine große Farce. Es wird überhaupt nichts dabei rauskommen. Wenn das das Ergebnis der langen Verhandlungen zwischen DFB und NADA sein soll, kann ich wirklich nur lachen“, lästerte der Anti-Doping-Experte Fritz Sörgel. Und sogar vom Weltverband FIFA, nicht gerade ein Vorreiter in Sachen Anti-Doping-Kampf, gab es nachdenkliche Töne. „Wenn man das macht, dann sollte man es richtig machen“, sagte der FIFA-Chefmediziner Jiri Dvorak. „Optimal wäre es, wenn vor dem Beginn der Saison alle Spieler der Bundesliga getestet würden. Dann hätte man eine Basis, könnte weitere Kontrollen in der Saison folgen lassen und die Ergebnisse vergleichen.“

von Gerd Schild und Stefan Knopf

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