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Fußball aus aller Welt Ein Debakel zerstört den Traum
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00:23 02.05.2014
Von Christian Purbs
Spieler von Madrid bejubeln das 0:1, darunter Angel di Maria (l.-r.), Gareth Bale und Xabi Alonso. Quelle: Tobias Hase
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München

Es gibt diese Spiele, in denen nichts klappt, in denen nichts so läuft, wie man sich das vorgestellt hat. So einen Abend erwischte der FC Bayern München gestern ausgerechnet im Halbfinal-Rückspiel der Champions League gegen Real Madrid. Dass die Bayern gegen Real ausscheiden können, damit war zu rechnen. Nicht jedoch damit, dass die Münchner ein solches Debakel erlebten. Mit 0:4 gingen die Bayern unter und mit ihnen der Traum von der Titelverteidigung.

Eine Viertelstunde vor dem Anpfiff holte sich Philipp Lahm seine Jungs noch einmal zusammen. Die Bayern-Spieler bildeten in der Nähe der Mittellinie einen Kreis, und der Kapitän stimmte sein Team eine gute Minute lang auf das große Spiel und die große Aufgabe ein. Eine verschworene Gemeinschaft, so die Botschaft, wollten sie sein, um das große Ziel zu erreichen, zum dritten Mal in Folge im Finale der „Königsklasse“ zu stehen. Um die Chance zu haben, ihren Titel zu verteidigen. Es wäre eine gute Idee gewesen, wenn Lahm noch eine Minute drangehängt und über die Zuordnung bei Standardsituationen geredet hätte.

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Über den möglichen Spielverlauf nach der 0:1-Niederlage der Bayern im Hinspiel war vor dem Spiel viel spekuliert worden, doch das, was da in der 1. Halbzeit passierte, damit hatte nun wirklich keiner gerechnet. Nach 15 Minuten brauchten die Münchener ein kleines Wunder. Fünf Minuten später musste es schon ein großes Wunder sein, um den Einzug ins Finale noch zu schaffen. Nach 34 Minuten waren die Bayern erledigt. Gedemütigt. Vorgeführt. Endgültig geschlagen. Historisches wollten die Münchener mit der Titelverteidigung erreichen. Auf dem Weg dahin erlebten sie jedoch eine historische Pleite. Mit 0:4 hatte der FC Bayern in der Champions League noch nie im eigenen Stadion zurückgelegen.

Zwei Standardsituationen waren es, die den Meister hoffnungslos zurückwarfen. Nach der ersten Ecke für Real köpfte Sergio Ramos den Ball unbedrängt zum 1:0 für Madrid ins Tor (15. Minute). Und auch beim Freistoß von Angel di Maria hatte keiner aus der schläfrigen Bayern-Abwehr Ramos auf dem Plan, sodass der Innenverteidiger wieder per Kopf das 2:0 erzielen konnte. Beim dritten Real-Tor wurden die Gastgeber ausgekontert. Karim Benzema passte zu Gareth Bale, der dem mitgelaufenen Cristiano Ronaldo seinen 15 Treffer in der laufenden Champions-League-Saison auflegte (34.).

Und die Bayern, die sich so viel für dieses Spiel vorgenommen hatten? Sie waren erst völlig von der Rolle und gerieten mit jedem Gegentor immer tiefer in einen Schockzustand. Keiner erreichte auch nur annähernd Normalform, alle wirkten genau wie die 68 000 Zuschauer in der Allianz Arena fassungslos. Wie schon im Hinspiel waren die Offensivaktionen viel zu statisch, ohne Zug zum Tor und deshalb kein Problem für die Real-Abwehr. Was die Münchener da anboten, war eine erschreckend exakte Kopie der Hilflosigkeit aus dem Hinspiel.

Sie fanden wieder kein Mittel gegen eine Real-Mannschaft, die völlig verdient im Finale von Lissabon steht. Mit ihrem perfekten Konterfußball aus einer starken Defensive heraus hatte Madrid genau die richtige Taktik gewählt, um den Titelverteidiger aus dem Wettbewerb zu werfen. Und zwar im hohen Bogen. Zumal Cristiano Ronaldo kurz vor Schluss mit einem frechen Freistoß unter der Mauer hindurch sogar noch das 0:4 erzielte.
Es war ein Abend zum Vergessen für den FC Bayern. Doch das wird nicht so einfach sein. Dieses Debakel wird Spuren hinterlassen.

Christian Purbs 28.04.2014
27.04.2014