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Fußball aus aller Welt Das große Zittern
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00:15 26.05.2015
Von Norbert Fettback
Transparent im Test: Daniel Garofalo zeigt sein Banner in Zambana – heute hängt es in der Westkurve der 96-Arena. Quelle: Privat
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„Ich habe keine Lust auf 2. Liga“

2000 Kilometer für 96 gefahren: Daniel Garofalo. Foto: Michael Wallmüller

Zweitausend Kilometer. Tausend hin, tausend zurück. Für ein einziges Fußballspiel. Am Freitagabend ist Daniel Garofalo in Hannover angekommen. Zusammen mit seinen Freunden Andrea und Amos. In Trient in Südtirol haben sie sich gestern Morgen ins Auto gesetzt zur Fahrt nach Deutschland. Im Kofferraum ein fünf Meter langes Transparent. „96 Supporters Italia“ ist darauf zu lesen. Es wird am Sonnabendnachmittag auf der Westtribüne der HDI-Arena zu sehen sein. Hier nimmt das Trio Platz, um die Mannschaft aus Hannover im entscheidenden Saisonspiel zu unterstützen. „Ich würde es nicht aushalten, nicht dabei zu sein“, sagt Garofalo. „96 ist für mich wie ein Virus. Von Jahr zu Jahr wird es schlimmer.“

Er ist von Kindesbeinen an infiziert; gegen die „Roten“ haben bei ihm Juventus Turin oder der AC Mailand keine Chance. Garofalo, der 1975 in Großburgwedel zur Welt und über seinen Vater Roberto schon als kleiner Junge zu seiner großen Liebe 96 kam, fährt immer wieder los in Richtung Norden. Nicht um Urlaub zu machen, sondern um bei seiner Mannschaft zu sein. Gerade jetzt. „96 ist in Not. Ich habe keine Lust auf 2. Liga. Das wäre grausam“, sagt er. „In einem solchen Moment muss ein echter Fans dabei sein.“

Auch vorigen Sonnabend war das der Fall. Da ist der 40-Jährige mit seiner Freundin von Trient nach Augsburg gefahren, wo 96 endlich mal wieder gewann. „Wenn Camilla mitkommt, haben wir fast noch nie verloren“, sagt Garofalo. In Bochum vor fünf Jahren war sie auch dabei. Bei dem Spiel, in dem 96 mit einem 3:0 beim Saisonfinale die Rettung schaffte.

Nun der nächste Anlauf. Wieder geht es um alles. Diesmal fehlt Camilla; an ihrer Stelle wollen Andrea und Amos die 96-Fahne hoch halten. Beide haben 96 auch schon gegen den SC Freiburg erlebt – noch nie aber in einem Spiel wie diesem, in dem eine Niederlage so viel kaputtmachen kann. Das strahlt aus bis nach Norditalien. „Die Situation von 96 geht mir sehe nahe“, sagt Garofalo. „Ich kann an nichts anderes mehr denken.“
In Südtirol versucht er sich seit Jahren schon als 96-Botschafter. Bei ihm zu Hause treffen sich Fußballfans, um die „Roten“ live im Fernsehen zu sehen, er bringt Fanartikel unters Volk und organisiert sogar Fahrten zu Spielen in Deutschland. Garofalo nennt das „meine Mission“, der er nachgehe. „Leider hilft die sportliche Lage zurzeit nicht, um die Leute für 96 zu begeistern.“

Doch zum Finale 2015 habe 96 ja ein Heimspiel, das macht ihm Hoffnung. „Die Zuschauer werden entscheidend mithelfen“, meint er. Das Trio aus Trient auf der Westtribüne, zu erkennen am fünf Meter langen Transparent, sowieso.

Norbert Fettback

Ein guter Tag für Legenden

Christian und Sohn Maximilian Hiemer gehen heute gemeinsam ins Stadion. Foto: privat

Tja, wenn man den Fanschal so ins Foto (siehe oben) hält, dann könnte man da „Ende“ lesen. Muss man darin jetzt ein böses Omen erkennen? Nein, nein, wird schon. „Mein Tipp: Es gibt ein Remis. Ich denke, dass wir drin bleiben in der 1. Liga“, sagt Christian Hiemer, Fan und sehr regelmäßiger Stadionbesucher seit 1981. Die Partie am heutigen Sonnabend sieht er trotzdem mit „gemischten Gefühlen. Die Vorfreude ist mit Angst durchsetzt.“

Dass es ein besonderes Spiel ist, lässt sich bei den Hiemers daran ablesen, dass die Familie fast komplett in die Arena geht. Nur die Tochter ist nicht dabei, keine Lust, aber Sohn Maximilian, 9, und Ehefrau Cornelia kommen mit. Sie hatte zuletzt nicht mehr hinschauen wollen, wenn der Gatte die Auswärtspartien der „Roten“ daheim im Fernsehen verfolgte. Die Anspannung – zu groß. „Wenn’s nicht läuft, dann kann ich mich nicht bremsen und lasse schon mal eine sehr pessimistische Bemerkung fallen“, räumt der 44-Jährige ein.

Pessimismus heute im Stadion? Verboten! Und der „Ende“-Schal? Kann man aufklären: Da steht natürlich „Legende“. Man muss halt das große Ganze im Blick haben als 96-Fan.

wie

Prost, auf „Jimmy Brillant“!

Jörg Reinert guckt im Lokal Timber. Foto: von Ditfurth

Diese Saison gibt Jörg Reinert Rätsel auf. Gut gespielt, so findet der 96-Fan, haben die „Roten“ zu Anfang, noch unter Trainer Tayfun Korkut. Aber dann: „Die letzten Spiel der Saison waren schon eine große Enttäuschung. Da fehlte den Spielern einfach der Mumm. Viele Chancen, keine Tore, so etwas wird bestraft“, sagt Reinert.

Klingt nach Fußballer-Sprech. Ist es auch. Reinert: „Ich habe als Jugendlicher selbst bei Hannover 96 gespielt. Wir waren mal norddeutscher Meister.“ Er kann auch Anekdoten erzählen aus der Zeit. Gegen den späteren 96- und FC-Bayern-Profi Frank Hartmann hat er mal in der Jugend gespielt, als der noch beim TSV Havelse kickte. „8:1 für uns, ich habe fünf Tore gemacht“, sagt Reinert. Wenn so einer heute zum Spiel was sagt, dann hört man gern zu am Stammtisch des Lokals Timber am Lavesplatz. Dort schaut Reinert regelmäßig Fußball. Nur ein Spiel hat er in der Saison verpasst. Da war er auf einer Kreuzfahrt – keine Bundesliga an Bord.
Und wie geht das Spiel heute aus? 4:2 für 96, sagt Reinert. Die „Roten“ bleiben drin. Und wem verdanken sie das? Lars Stindl. Und ein bisschen auch Jimmy Briand. Der jetzt plötzlich gut spielt. Vielleicht, so ist zu hören, nennen sie ihn „Jimmy Brillant“, wenn sie heute auf den Klassenerhalt anstoßen – „mit einem „0,2-er Gilde. Da bin ich Lokalpatriot.“

Abstiegskampf im Schweinestall

Die Möllers bei der Fußballshow vor dem Fernsehgerät. Foto: Schaarschmidt

Wenn man ein bisschen auf die Sahne hauen will, kann man sagen, dass mit dem Aufstieg von Hannover 96 im Jahr 2002 mehr als nur eine Ära begann: Neben der vom Erstligisten 96 auch die vom Gucktreff bei Familie Möller in Laatzen. Jedes Wochenende sammeln sie sich bei ihnen, in einem umgebauten Schweinestall im Garten, Angehörige dreier Generationen. Nachbarn, Freunde – 96-Fans eben. „Seither ist es nie ausgefallen“, sagt Hausherr Michael Möller. Und wenn er, Ehefrau Nina und Tochter Carlotta mal nicht da sind, dann bekommt eben ein anderer den Schlüssel. Geguckt wird immer. Manchmal kommen mehr als 20, manchmal nur drei. Es kommt aufs Wetter an.

Dabei hängt der Grad der Begeisterung nicht davon ab, wie gut 96 spielt. „Na ja, gemeckert wird immer, egal, wie sie spielen“, sagt Möller. Tatsächlich sei die Stimmung im Schweinestall in jener Saison am besten gewesen, als die Not am größten war. „In der Saison 2009/2010 war hier immer viel los“, sagt der 37-Jährige.

Der gute Geist bei all dem ist Möllers Schwiegermutter Jutta Schasse. Gemeinsam mit einer Freundin bekocht sie die Baggage Woche für Woche – dabei interessiert sie sich gar nicht für Fußball. „Nicht alle, die kommen, kommen wegen des Spiels“, sagt Michael Möller. „Für viele geht es mehr darum, ihre Bekannten zu treffen – und die Kinder spielen miteinander.“

Finanzfragen werden in Laatzen ebenfalls pragmatisch geklärt: Die Männer, und nur die, zahlen in einen Topf ein, aus dem das Essen und die Miete fürs Bezahlfernsehen finanziert wird – und neulich auch mal ein neuer Fernseher.

So veranstalten die Möllers, wenn man so will, Woche für Woche eine mittelgroße Party. So wird das auch heute sein, wenn 96 gegen Freiburg ums Überleben spielt. Und nächstes Jahr wieder. Mit Erstligafußball.

fx

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