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Fußball aus aller Welt Fußball-Idol Helmut Haller gestorben
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22:53 11.10.2012
1966: Helmut Haller reißt nach seinem WM-Gruppenspiel gegen die Schweiz jubelnd die Arme hoch. Quelle: dpa
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Augsburg

Fußball-Deutschland trauert um Helmut Haller. Der Vize-Weltmeister von 1966 ist am Donnerstag im Alter von 73 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben. Für Uwe Seeler war der Augsburger nicht nur ein „unheimlich talentierter Fußballer“, sondern auch ein Spaßvogel und eine Frohnatur. Franz Beckenbauer adelte seinen ehemaligen Mitspieler und Teamkollegen im legendären WM-Finale von Wembley. „Die Nachricht vom Tod von Helmut Haller stimmt mich sehr traurig! Er war definitiv einer der besten Mitspieler, die ich je hatte!“, twitterte der „Kaiser“ am Donnerstagabend.
Helmut Haller gehörte zu den überragenden Persönlichkeiten des deutschen Fußballs. Unvergessen sind seine großartigen Leistungen - speziell bei der Weltmeisterschaft 1966“, würdigte Wolfgang Niersbach, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), das Lebenswerk Hallers. „Sein Tod macht uns sehr traurig.“
Auch bei seinem Augsburger Heimatclub herrschte Betroffenheit. „Helmut Haller war einer der größten Fußballhelden der Nachkriegsgeschichte und hat den Augsburger Fußball und Generationen von Fußballern geprägt“, hob Peter Bircks, Aufsichtsratsvorsitzender des FCA, hervor. „Wir sind in Gedanken bei seiner Familie.“
Bereits vor einigen Jahren fürchteten Familie und Fans nach einem Herzinfarkt um Hallers Leben. Doch er überstand diese schwierige Zeit, und selbst danach schnürte er für gute Zwecke ab und an die Fußballschuhe. „Es ist ein schönes Gefühl, wenn man das, was einem der Fußball gebracht hat, ein wenig zurückzahlen kann“, sagte er.

Zuletzt hatte er sich dann aber weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Dabei stand er in regelmäßigem Kontakt zu Seeler, wie dieser berichtete. „Ich hatte geglaubt, dass es nicht ganz so schlimm ist“, sagte der Hamburger der dpa. „Ich wusste, dass es ihm in letzter Zeit nicht mehr ganz so gut ging, insofern war ich vielleicht doch ein bisschen vorbereitet.“

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Fußball ist mein Leben!“ Helmut Haller nannte sich selbst schon immer einen Fußballverrückten. Als kleiner Junge erzielte der Augsburger zwischen zerbombten Häusern die ersten Tore, auch als Senior konnte er seinen Sport nicht loslassen. Dazwischen feierte er eine Karriere, in der er in den Sechzigern und Siebzigern zu einem Aushängeschild des deutschen Fußballs wurde. Er gewann drei italienische Meisterschaften und war Protagonist im denkwürdigen Finale der Weltmeisterschaft 1966. Dabei erzielte er auf dem Rasen von Wembley das 1:0 bei der Niederlage gegen England.

In 33 Länderspielen (13 Treffer) war er von 1958 bis 1970 Mitglied im DFB-Team. Als junger Spieler hieß Haller „Hemad“ („Hemd“), später riefen die Fans in Italien einen der ersten Fußball-Legionäre „Il Biondo“ („Blondschopf“). Erst Augsburg, dann die Serie A in Italien - das sind die zwei Stationen, die den Weg des Mittelfeldspielers prägten. In Bayern stieg er als schmächtiger Hänfling bereits als 19-Jähriger zum Nationalspieler auf, zwischen 1962 und 1973 reifte er in Bologna und bei Juventus Turin zum gestandenen Weltklassespieler.

Haller war ein Fan-Liebling. In seinem Geburtsort Augsburg gilt er, der 1973 noch einmal zurückkehrte und einige Jahre später als 40-Jähriger einen Schlussstrich unter seine Karriere zog, vielen als Legende und Idol. Erst vor einer Woche war in Ex-Handballer Erhard Wunderlich eine weitere Augsburger Sportlerikone gestorben.

In das Abenteuer Italien hatte sich Haller 1962 gestürzt, um mit seinem Sport Geld zu verdienen. Nur zwei Jahre später gewann der feine Techniker die Meisterschaft - und holte als erster Deutscher in einer bedeutenden ausländischen Liga den Titel. Zwei weitere Titel folgten mit Juve für den „Augsburger Bub“, der nie in der 1963 gegründeten Bundesliga auflief - aber trotzdem unvergessen ist.

dpa