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Fußball aus aller Welt Geht’s raus und gewinnt’s
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06:15 21.05.2012
Von Christian Purbs
„Es gibt keinen besseren Tag als den 19. Mai“: Bastian Schweinsteiger will mit dem FC Bayern eine neue Ära einläuten. Quelle: dpa
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München

„Geht’s raus und spielt’s Fußball.“ Wenn das mal immer so einfach wäre. Nur nicht zu viel denken an das, was am Sonnabend in 90, vielleicht auch 120 Minuten passieren, was alles schiefgehen und verloren gehen kann. Das ist sicherlich nicht der schlechteste Ratschlag für die Spieler des FC Bayern München. Franz Beckenbauer hat es mit dieser Parole als Teamchef 1990 immerhin zum WM-Titel gebracht. Auch für die Bayern geht es am Sonnabend beim Endspiel der Fußball-Champions-League in München (20.45 Uhr) gegen den FC Chelsea um einen großen Titel - und um die Zukunft einer Mannschaft, die die Qualität hat, zu einer „goldenen Generation“ zu werden.

Wenn da nur nicht dieses vermaledeite Pokalfinale gewesen wäre. Bevor sich die Münchener ganz auf ihren Traum vom fünften Erfolg in der „Königsklasse“ beim „Finale dahoam“ konzentrieren konnten, verpassten ihnen die Dortmunder Borussen ein Trauma, das die Bayern-Profis nicht so schnell aus ihren Köpfen bekommen werden. Abhaken und volle Konzentration auf den FC Chelsea, hieß es im Münchener Lager schon kurz nach dem Abpfiff am vergangenen Sonnabend. Keine gute Idee. Denn so ein Desaster bietet auch eine Chance, aus den Fehlern zu lernen und sie in Zukunft zu vermeiden. Und zu lernen gab es für das Team von Trainer Jupp Heynckes in Berlin eine Menge - gerade für das Spiel gegen den FC Chelsea.

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Die Schwierigkeiten in der Abwehr wird Heynckes bis heute Abend nicht beheben können. Im Gegenteil, durch den Ausfall der gesperrten Defensivspieler Holger Badstuber, David Alaba und Luiz Gustavo wird die ohnehin wackelige Abwehr noch instabiler. An die Aufgabe, der Mannschaft endlich eine gute und harmonisierende Defensive zu verpassen, muss sich Heynckes nach dem Finale mit Blick auf die neue Saison machen. Aber auch der FC Chelsea wird in München nicht mit seiner Bestbesetzung antreten können. Die Engländer müssen auf die gesperrten John Terry, Ramires, Raul Meireles und Branislav Ivanovic verzichten.

Viel wichtiger für die Bayern wird es sein, dass Heynckes gegen den Sechsten der Premier League einen Plan B in petto hat. Sich auf die eigene Stärke zu verlassen, schön und gut. Doch was, wenn das leicht auszurechnende Offensivspiel über die mit Franck Ribéry und Arjen Robben besetzten Außen keinen Erfolg bringt? Wenn der Weltklasse-Stürmer Didier Drogba die Engländer in Führung schießt? Wissen die Bayern, was sie dann besser machen müssen als der FC Barcelona, der zweimal so kläglich an Chelsea scheiterte? Die besseren Spieler hat der FC Bayern in seinem Team. Gewinnen wird das Finale jedoch die bessere Mannschaft. Die mit dem Masterplan für eine Heldentat.

Elf Jahre nach dem letzten Triumph in der Champions League beim Finalsieg in Mailand gegen den FC Valencia kann das Bayern-Team am Sonnabendabend den ersten Schritt auf dem Weg in eine erfolgreiche Zukunft machen. Kein Topspieler der Münchener ist älter als 29 Jahre, mit Bastian Schweinsteiger, Ribery, Robben und Philipp Lahm führen erfahrene Weltstars eine junge Mannschaft, die die Qualität hat, auch in den nächsten drei, vier Jahren mit guten Chancen um die Krone in der „Königsklasse“ mitzuspielen.

Dass sich die Gelegenheit für den ersten Titel in diesem Jahr ergibt, ist ein Geschenk. Die Bayern dürfen sich beim Auspacken nur nicht verheddern. „Wenn man eine goldene Generation werden will, gehört ein internationaler Titel dazu“, sagte Lahm, der schon lange auf einen solchen Erfolg wartet. Vor zwei Jahren im Endspiel gegen Inter Mailand ging er ebenso leer aus wie bei den Welt- und Europameisterschaften mit der deutschen Nationalelf. Eine schwarze Serie, die der Bayern-Kapitän nur allzu gerne heute Abend beenden würde: „Wenn man im Finale steht, will man den Pokal hochheben. Und schön ist es natürlich, wenn man ihn als Erstes hochheben darf.“

Gut möglich, dass für die Bayern in diesem Finale mehr auf dem Spiel steht als nur ein großer Titel. Es kann der Auftakt sein zu einer ruhmreichen Ära oder aber weitere Zweifel säen, die sich noch tiefer im Hirn einbrennen werden als die Pokalpleite gegen Dortmund. „Wenn du das Finale in deinem Wohnzimmer hast, willst du es natürlich erreichen und gewinnen. Es gibt keinen besseren Tag als den 19. Mai“, sagte Schweinsteiger. Dann „geht’s raus und spielt’s Fußball“. Und gewinnt’s.