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Fußball aus aller Welt Ex-96-Star Addo muss beim HSV ran
Sportbuzzer Fußball Fußball aus aller Welt Ex-96-Star Addo muss beim HSV ran
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14:33 17.09.2013
Der frühere 96-Profi Otto Addo (rechts) und Rodolfo Cardoso leiten jetzt das Training bei den krisengeschüttelten Hanseaten. Addo ist seit 2010 Jugendtrainer der Hamburger. Quelle: zur Nieden
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Hamburg

Cardoso ist derzeit Cheftrainer der zweiten HSV-Mannschaft und hatte das Profi-Team bereits nach der Entlassung von Michael Oenning im Herbst 2011 als Interimscoach betreut. Addo arbeitet als Trainer der A-Junioren - er spielte von 1996 bis 1999 bei Hannover 96.

Einen Nachfolger für Fink wolle der Verein "relativ zeitnah" verpflichten. Noch sei offen, ob der neue Cheftrainer schon am Samstag beim Nord-Derby gegen Werder Bremen auf der Bank sitzen werde, sagte Kreuzer. "Wir müssen mal schauen, was der Markt momentan so hergibt. Wir haben natürlich so einige Namen im Kopf", erklärte der Sportchef. Über Spekulationen zu einer Verpflichtung von Markus Babbel könne er jedoch "nur schmunzeln", fügte Kreuzer hinzu. Die Entscheidung zur Trennung von Fink sei am späten Montagabend im HSV-Vorstand "eindeutig einstimmig" gefallen, sagte Präsident Carl Jarchow. "Es war nicht von langer Hand geplant." Der Beschluss sei "allen Beteiligten sehr schwer gefallen", versicherte Jarchow. "Uns geht es einzig und allein um die Zukunft des Vereins", fügte der Vereinschef hinzu.

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Nach dem Rauswurf von Trainer Thorsten Fink hat am Dienstagmorgen zunächst sein Assistent Roger Stilz die Geschäfte auf dem Übungsplatz des Hamburger SV übernommen. Fink ließ es sich allerdings nicht nehmen, vorher noch einmal in der Kabine zur Mannschaft zu sprechen. Um 10.08 Uhr war der am späten Montagabend von der Trennung informierte Coach des Fußball-Bundesligisten an der Geschäftsstelle des HSV vorgefahren. Wegen seiner Abschiedsrede musste der Trainingsstart verschoben werden.

Exakt 700 Tage war Fink im Amt. Nach fünf Spielen der neuen Saison ist Schluss. Der Vorstand sah nach nur einem Sieg und dem 2:6-Debakel bei Borussia Dortmund keine andere Möglichkeit. "Ich bin stolz, hier gewesen zu sein, die zwei Jahre. Ich habe einen tollen Verein trainiert", sagte Fink dem Radiosender NDR 90,3. "Jetzt ist es noch früh genug, dass man die Ziele erreicht - auch noch mit einem anderen Trainer." Der andere könnte der frühere Hoffenheim-Coach Markus Babbel oder Franco Foda, ehemaliger Trainer des 1. FC Kaiserslautern sein. Mit Foda hat Kreuzer einst beim österreichischen Erstligisten Sturm Graz zusammengearbeitet.

Das war´s: Trainer Thorsten Fink beim Hamburger SV beurlaubt. Quelle: dpa

Mit Babbel soll nach dpa-Informationen bis zum Dienstagvormittag jedoch niemand vom HSV gesprochen haben. Kreuzer informierte den Coach am Montagabend über die Trennung. Wenige Stunden zuvor hatte er noch verkündet: "Das Thema Trainer stellt sich für mich Stand heute nicht." Der erst zu Saisonbeginn vom Karlsruher SC an die Elbe gewechselte Sportchef schränkte allerdings schon da ein: "Was weiß ich, was morgen ist?" Er musste dann nicht einmal bis zum nächsten Tag warten. Nachdem der Vorstand am Montag getagt und den Daumen gesenkt hatte, informierte Kreuzer seinen Freund über die Entscheidung. Fink wurde zum einen die triste sportliche Bilanz mit den meisten Gegentoren in der neuen Bundesliga-Saison (15) zum Verhängnis, zudem das Fehlen eines sportlichen Konzeptes. Immer wieder stürzte die Mannschaft empfindlich ab, immer wieder versuchte Fink mit anderen Spielsystemen einen Glückstreffer zu landen. Das 2:6 in Dortmund und die erneute Reise des 45 Jahre alten Trainers zu seiner Familie nach München, während die Mannschaft ohne ihren Coach trainieren musste, brachte das Fass zum Überlaufen. "Zugegebenermaßen ist das etwas unglücklich, die Entscheidung getroffen zu haben, zur Familie zu fliegen", kritisierte Kreuzer.

Otto Addo ist zurück

Mit Addos Namen verbinden sich in Hannover viele positive Erinnerungen. Der Mittelfeldspieler, von den 96-Fans auch wegen seines sympathischen Auftretens geschätzt, war ein Leistungsträger der Mannschaft, die 1998 die Rückkehr in die 2. Liga schaffte; insgesamt kam Addo auf 91 Einsätze (20 Tore) für die „Roten“. Im Jahr darauf wechselte er zu Borussia Dortmund, wo Addo bis 2005 insgesamt 75-mal in der 1. Liga spielte. Mit gerissenem Kreuzband schoss er 2003 gegen Austria Wien nach einem Solo das „Tor des Monats“. Es folgten zwei weniger erfolgreiche Jahre beim FSV Mainz 05 und die Rückkehr nach Hamburg, wo er seine aktive Karriere 2008 beim HSV ausklingen ließ.

Dem Klub hielt er auch danach die Treue: als Trainer im Nachwuchsbereich. Seit März dieses Jahres hat der 15-fache ghanaische Ex-Nationalspieler die A-Lizenz als Fußballlehrer. Alle drei Praktikumsabschnitte absolvierte er dabei übrigens bei Thorsten Fink. Er habe „einiges mitgenommen“, sagte der 38-Jährige darüber. Jetzt hat er die Chance, die Sache besser zu machen als sein Lehrmeister. Zumindest vorübergehend.

Von Norbert Fettback

In den Wochen zuvor hatte der HSV bereits eine demütigende 1:5-Heimniederlage gegen Hoffenheim hinnehmen müssen. Danach waren der inzwischen an Schalke ausgeliehene Abwehrspieler Dennis Aogo suspendiert worden, weil er an zwei trainingsfreien Tagen nach Mallorca geflogen war und damit kein Fingerspitzengefühl in der kritischen Situation hatte walten lassen. Kapitän Rafael van der Vaart übte Kritik am Zeitpunkt der Trennung. "Oha, vor dem heißen Nordderby gegen Werder. Ich verstehe den Zeitpunkt nicht so ganz", sagte der Niederländer der "Bild"-Zeitung (Dienstag). "Ich dachte, dass der Coach auch gegen Werder auf der Trainerbank sitzen würde." Er sei "total schockiert", meinte der Mittelfeldspieler. "Das hätte ich nie für möglich gehalten." Er habe Fink als "hart arbeitenden und stets hochmotivierten Coach" kennengelernt. "Er brannte immer", meinte van der Vaart.

Fink hatte den HSV im Oktober 2011 auf Platz 18 übernommen und vor dem Abstieg bewahrt. In der Folgesaison schrammte er mit dem Team nur um einen Rang an der Europa-League-Teilnahme vorbei. Erneut wurde für die aktuelle Spielzeit das europäische Geschäft als Ziel ausgegeben. Das ist nach dem blamablen Start derzeit kein Thema mehr.

dpa

Heiko Rehberg 19.09.2013
Stefan Knopf 15.09.2013