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Fußball aus aller Welt 96 stolpert zu Remis gegen den Tabellenletzten
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00:15 04.03.2015
Von Heiko Rehberg
Wie 96-Profi Miiko Albornoz ging es den meisten hannoverschen Fans gegen Stuttgart: Sie hätten am liebsten die Augen verschlossen. Quelle: Petrow
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Hannover

Unterhaltsam wurde es erst eine knappe Stunde nach dem Spiel. Hannover 96 und der VfB Stuttgart hatten sich zuvor in der Fußball-Bundesliga mit einem 1:1 überzeugend für die Auszeichnung „Das schlechteste Rückrundenspiel“ beworben, zum Lachen war keinem zumute. Nur Huub Stevens, der alte Trainer-Knurrhahn der Gäste, war zum Scherzen aufgelegt. Er bat, als die Sprache auf den letzten Platz seiner Mannschaft kam, einen Journalisten um dessen Brille, damit er die Tabelle besser lesen könne. Tayfun Korkut, der Trainer von 96, saß daneben und lachte nicht.

Im Vergleich zu Stevens und den Stuttgartern ist die hannoversche Lage rosig. Die „Roten“ haben acht Punkte mehr auf dem Konto als die Schwaben. Aber das ist momentan auch das Erfreulichste, was man über die „schwierige und nicht ungefährliche Situation“ (Sportdirektor Dirk Dufner) von Hannover 96 sagen kann. Denn die Frage, die sich 40.200 Zuschauer nach einer trostlosen Vorstellung stellten, hat ihre Berechtigung: Wen, wenn nicht die erschreckend schwachen Stuttgarter, will 96 eigentlich schlagen?

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Was beide Mannschaften vor allem in der ersten Halbzeit zeigten, war kein Bundesliganiveau. Noch in den Tagen zuvor hatten die 96-Profis versichert, dass sie ihre Lockerheit noch nicht verloren hätten, und mit dem Druck der größer werdenden Abstiegssorgen könnten sie auch umgehen. Man mochte das alles gern glauben, nach zehn Minuten gegen Stuttgart wusste man: Diese 96-Mannschaft ist nervös, ängstlich, mutlos; dass sie überhaupt zu zwei großen Torchancen durch Joselu kam (22. und 35. Minute, beide kläglich vergeben), hatte sie Stuttgarter Stümpereien zu verdanken.

Spielerisch war 96 in keiner Phase in der Lage, so etwas wie Torgefahr heraufzubeschwören. Lars Stindl - er sah in der 90. Minute die Gelb-Rote Karte - verhinderte mit dem Treffer zum 1:1 (70.) zwar größeres Unheil, aber hätten die Stuttgarter nach der Führung von Christian Gentner (52.) das mögliche 2:0 gemacht, wäre das nicht unverdient gewesen.

„Mittlerweile ist die Leichtigkeit weg, die wir anfangs hatten“, sagte Dufner. Und was Verteidiger Christian Schulz sagte, stimmte noch bedenklicher: „Es fehlt der unbedingte Wille, dort hinzugehen, wo es wehtut.“ Man darf das gar nicht zu sehr weiterdenken, denn wer im Abstiegskampf nicht bereit ist, schmerzhafte Wege zu gehen, den wird es garantiert erwischen.

Neu waren gegen Stuttgart die ersten lauten „Korkut raus“-Rufe. Dufner bemühte sich, das Thema kleinzuhalten. „Es gibt bei uns keine Trainerdiskussion“, sagte er. „Wenn Sie so wollen, ist das eine Arbeitsplatzgarantie.“ Aber nach nur einem Sieg in den vergangenen zwölf Spielen ist es normal, dass bei der Suche nach den Gründen für die Erfolglosigkeit auch der Trainer in den Blickpunkt rückt. Gegen Stuttgart sorgten erst Aufstellungskorrekturen nach einer Stunde dafür, dass es etwas besser wurde. Von Wechseln in der Pause scheint Korkut nicht viel zu halten, aber vielleicht wäre das genau das Zeichen gewesen, was die Elf braucht: Halt, so geht’s nicht weiter!

„Ein Punkt ist nicht genug, das wissen wir“, sagte Korkut, der mit Blick auf die Aussichten für die nächsten Spiele gegen Bayern München, Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund sagte: „Jedes Spiel muss erst gespielt werden.“ Davon abgesehen, dass das absolut zutreffend ist: Phrasen wie diese kommen im Abstiegskampf aus der Schublade mit den Durchhalteparolen. Es ist kein gutes Zeichen, wenn diese geöffnet werden muss.

01.03.2015
01.03.2015
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