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Fußball aus aller Welt 96 blickt in den Abgrund
Sportbuzzer Fußball Fußball aus aller Welt 96 blickt in den Abgrund
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00:15 24.12.2015
Von Heiko Rehberg
Verdient Anerkennung dafür, dass er nicht an seinem Posten klebt: Michael Frontzeck. Quelle: dpa
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Es sollte doch alles besser werden. Der Fußball bei Hannover 96, das Management und die Erfolgslage ohnehin. Und nun? Willkommen in einer Neuauflage der Fußball-Chaostage an der Leine. Die Mannschaft steht dort, wo sie mit der schlechtesten Hinrundenbilanz seit dem Wiederaufstieg 2002 hingehört: auf einem Abstiegsplatz. Nach dem Rücktritt von Michael Frontzeck ist der Club zum zweiten Mal in diesem Jahr in höchster Not auf Trainersuche. Und die Verantwortlichen tasten sich mühsam durch den  selbst angerichteten Schlamassel. Nichts ist besser geworden.

Die „Roten“ haben damit in der Region sogar die unglaublichen Fußballfunktionäre Sepp Blatter und Michel Platini aus den Schlagzeilen gekickt. So grundlegend unterschiedlich die Themen in Fifa und Verein  sind, gibt es doch Gemeinsamkeiten: Es geht um Glaubwürdigkeit, Krisenmanagement, Transparenz im Fußball – und darum, wie eine Struktur in Verband oder Verein aussehen muss, damit sie trägt.

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Es wird nun viel spekuliert werden, ob der Fußballlehrer Frontzeck wirklich aus freien Stücken zurückgetreten ist. Wenn die 96-Verantwortlichen dem erfolglosen Trainer eine Brücke bauen wollten, die ihm hilft, das Gesicht zu wahren, dann wäre das ehrenwert. Doch mit einem wirren Hin und Her zwischen Jobgarantie vor dem Bayern-Spiel, Rumeierei danach und in „Ja, aber...“-Sätze gekleidete Vertrauensbekundungen hat 96 die Chance vertan, die nötige Trennung von Frontzeck sauber zu gestalten. Wie man Trainerwechsel managt, hat gerade einmal mehr der FC Bayern gezeigt, der ohne Begleitmusik die Verpflichtung des Weltklassemanns Carlo Ancelotti perfekt gemacht hat.

Alle Infos zu Frontzecks Rücktritt

Lesen Sie hier einen ausführlichen Bericht zum Rücktritt des Trainers am Montagmorgen.

Das Fußballunternehmen Hannover 96 hat im Oktober mit der Einstellung von Geschäftsführer Martin Bader einen Strukturwandel eingeleitet – bisher ohne Erfolg. Noch immer ist offen, ob nun Bader oder doch Eigner Martin Kind das operativen Geschäft führen. Wer gibt die Linie vor, wer ist in einer Krise wie jetzt bei der Trainerdebatte oder kürzlich bei den Randalen von Ultras in einem Regionalzug die Stimme des Vereins? Nach außen wirkt das Konstrukt anfällig, inkonsequent und nicht zu Ende gedacht.

Viele aktuelle Probleme sind hausgemacht. Niemals hätte Manager Dirk Dufner, der schon auf dem Absprung war, mit der Kaderplanung für die laufende Spielzeit beauftragt werden dürfen. Es war Kinds größter Fehler, noch folgenreicher als das Versäumnis, Manager Jörg Schmadtke nicht zu halten. Alles was 96 jetzt unternimmt, sind riskante und kostspielige Reparaturarbeiten im laufenden Betrieb. In vier Wochen müssen praktisch eine neue Mannschaft und ein neuer Trainer her. 96 balanciert so nahe wie noch lange nicht am Abgrund zur 2. Liga. Und der Trainermarkt gibt momentan nicht viel her. Die Gefahr, daneben zu greifen, ist groß. Vielleicht am allerwenigsten bei einem wie Thomas Schaaf.