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Fußball aus aller Welt An jedem verdammten Sonntag
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00:15 14.08.2013
Ein Sonntagsritual –  nach der Bundesliga starten auch die unteren Klassen in die Fußballsaison. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Borussia Hannover II – TSV Limmer

12.57 Uhr: Noch sind die Spieler in der Kabine. Schwalben fliegen derweil sehr tief über den Rasen am Großen Kolonnenweg, als wollten sie die Qualität des Grüns begutachten. Neben dem Platz stehen insgesamt fünf Werbebanden, die in den vergangenen Jahrzehnten an Patina gewonnen haben. Nur die Werbebotschaft, die ist nicht mehr auf allen erkennbar. Von der nahen Vahrenwalder Straße dringt Verkehrsrauschen herüber. Und das Gebäude des Finanzamt-Nord, farblich irgendwo zwischen Hansaplast und alter Leberwurst, sieht auch von hinten arg hässlich aus.

13.02 Uhr: Es geht los. Auf der Bank von Borussia klatschen sich Ersatzspieler und Betreuer ab. „Komm, wir sind alle dabei“, ruft der Trainer. Dann raucht er noch eine Zigarette. Ein Borussia-Begleiter findet das nicht gut, Rauchen auf dem Platz. Der Trainer geht hinter die Metallumrandung des Platzes und raucht weiter.

13.08 Uhr: Ein Pfiff. Der Schiedsrichter ermahnt den Kapitän der Borussia nach einem Foul. Als der meckert, zeigt der Schiedsrichter die Gelbe Karte. Sein neongelbes Trikot schmerzt in den Augen, insgesamt wirkt der Unparteiische wie eine Mischung aus Kanarienvogel und Opernsänger. Stilistisch sind seine Handzeichen über Kreisklassen-Niveau.

13.12 Uhr: Der erste Treffer für Limmer. Die sieben oder acht TSV-Fans jubeln. Die Borussia-Begleiter sind kollektiv von der Bank in der kleinen Holzhütte aufgesprungen. „Abseits“, erklingt es im Chor. Doch die rechte Hand des Neon-Mannes zeigt zum Mittelkreis. „Kopf hoch, Borussia“, ruft jetzt ein Betreuer des Heimteams. Schnelles Umschalten ist auch außerhalb des Platzes wichtig.

13.17 Uhr: Diskussionen unter den Zuschauern, 30 mögen es insgesamt sein. „Hainholz II ist gestern nicht angetreten“, sagt einer. „Mhh“, sagt ein anderer. Die Konsequenzen scheinen noch unklar. Aber die vielen Mücken, damit hätten ja alle Teams in der Nähe des Mittellandkanals zu kämpfen. „Wer läuft, wird nicht gestochen“, sagt ein Zuschauer.

13.48 Uhr: Halbzeitpause am Großen Kolonnenweg. Neben dem Holzkohlegrill steht das Kuchenbüfett. „Alles selbst gebacken“, sagt ein freundlicher junger Mann. Er empfiehlt den Käsekuchen. „Den haben die Jusos gestiftet, kostet nur 50 Cent“, sagt er, und zeigt auf den nahen Wahlkampfstand der SPD-Kandidatin Kerstin Tack. Ein paar ganz junge Jusos sprinten vom Stand zur Wurstbude. „Gute(n) Tack“ steht auf ihren roten T-Shirts. Für den nächsten Fußballwahlkampf lässt sich da bestimmt noch was mit Tiki-Ta(c)ka machen.

OSV HannoverTSV Pattensen

15 Uhr: Landesliga. Es geht pünktlich los im Oststadtstadion in Bothfeld. Etwa 100 Zuschauer, zumeist ältere Männer, haben sich auf der Holztribüne versammelt, auf roten Plastikschalensitzen. Aber dass die Hütte brennt, wie man im Fußball sagt, wollen sie beim OSV nicht. Vor drei Jahren wurde die Tribüne durch einen Brand schwer beschädigt.

15.12 Uhr: Ein orangefarbener Helikopter fliegt über die Sportanlage. Ein Zuschauer auf der Gegentribüne ruft: „Hub, Hub, Hubschraubereinsatz!“ Doch der Helikopter fliegt weiter.

15.23 Uhr: Timo Mertesacker, der jüngere Bruder von Per in Diensten der Pattenser, spielt einen Ball in die Mitte. Der Adressat kommt zu spät und foult einen OSV-Spieler. „Ey!“, schallt es unter dem Dach der Holztribüne. „Karte“, schreit ein Fan. Der Schiedsrichter belässt es bei einer Ermahnung.

15.28 Uhr: Auf der Toilette ist es ruhiger. Die besteht aus einem rot bemalten Container. Davor drei rote Pflanzkübel, in einem verdorrte Pflanzenreste. Doch drinnen etwas Extravaganz: Der Spender gibt Lotusblütenseife.

15.34 Uhr: Unter dem Tribünendach geht es sachlicher zu. Hier wird die Bratwurst durch ein Metallhecksler zur Bratcurry. Auf Höhe der Mittellinie, in einem Glaskasten, der von weitem wie eine VIP-Loge erscheint, schenkt das OSV-Team Bier und Kaffee aus und verkauft Kuchen. Dort sitzen auch die Stadionsprecher. Sie haben wenig zu tun, Tore gab es bisher keine. Aber aus den großen Boxen kann man auf der Tribüne hören, wie die beiden das Spiel finden – das Mikro ist an, wenn auch leise. Eher langweilig bisher, so der Tenor.

15.46 Uhr: Halbzeitpfiff in Bothfeld. Ein umkämpftes Spiel. OSV-Trainer Hilger Wirtz will keinen Hurra-Fußball spielen lassen, sagte er vor dem Saisonstart. Der Plan ist aufgegangen. „Wir müssen erst mal den Schiri schlagen“, sagt ein älterer Fan der Pattenser, der bisher eher einsilbig Dinge wie „Schiri“, „Karte“ oder „Abseits“ gerufen hatte. Und dann: „2:1“. Nach etwas Schweigen klärt er auf, dass das Spiel so enden werde. Die Stadionsprecher geben derweil die Ergebnisse der 2. Liga durch und drehen dann die Musik auf. „Samba De Janeiro“, der Sommerhit von 1997, wummert aus den Boxen. Pattensen ist etwas stärker als der OSV, aber die Pattenser sind keine Brasilianer, wie der Fußball-Kaiser sagen würde. 

Eintracht Hannover – Werder Hannover

16.03 Uhr: Die Zuschauer des Kreisligisten BV Werder hatten jetzt eine Halbzeit lang Gelegenheit, sich die mehr als ein Dutzend neuen Spieler anzuschauen, die sich vor der Saison dem Team von Trainer Ali Kemal Kilic angeschlossen haben.
Kilic steht auf der Aschenbahn, die um den Platz führt. „Der Schiri pfeift, Ruhe“, ruft er, als eine Rudelbildung droht.

16.27 Uhr: „Krankenschwester“ ruft der Schiedsrichter, als ein Werder-Spieler am Boden liegen bleibt. Der Betreuer rennt mit einer blau-weißen Plastikbox auf den Platz. Darin ist die Allzweckwaffe der unteren Ligen: Eisspray. Das wird schon mal bei offenen Wunden benutzt. Der Werder-Spieler hat Glück, es geht weiter.

16.30 Uhr: Doppelwechsel bei der Eintracht. „Wir können bald eine Sekretärin einstellen“, sagt Trainer Rolf Homeyer. Homeyer, Sonnenbrille, Kinnbart, langes Haar und Lederslipper, kann man als „Typ“ bezeichnen. Irgendwann hat dann der Betreuer die Karten ausgefüllt, die man vor einem Wechsel dem Schiedsrichterassistenten an der Außenlinie geben muss. Der schaut pflichtgemäß auf die Sohle der Spieler. In der Nach-Uli-Borowka-Ära wirkt das etwas merkwürdig. Denn die ergonomischen Hartplastiksohlen der bunten Fußballschuhe lassen sich – im Gegensatz zu den früher gerne benutzten Schraubstollen aus Aluminium – nicht anspitzen.

16.33 Uhr: Treffer mit dem Hinterkopf für Eintracht. „Uwe-Seeler-Gedächtnis-Tor“, ruft ein Fan. Werder-Trainer Kilic ist bedient: „Wenn ich euch ’ne Leiter bringen soll, sagt Bescheid.“

16.50 Uhr: Das Spiel ist aus. Die Eintracht siegt, Werder verliert. „Mund abputzen“, sagt ein Fan. Am nächsten Sonntag geht der wöchentliche Wahnsinn wieder von vorne los.

Die Endergebnisse: Borussia II – TSV Limmer 0:4; OSV HannoverTSV Pattensen 1:1; SV Eintracht – BV Werder 6:0.

Von Gerd Schild

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