Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Fußball aus aller Welt Nationalspieler Per Mertesacker spricht über seine Trauer um Robert Enke
Sportbuzzer Fußball Fußball aus aller Welt Nationalspieler Per Mertesacker spricht über seine Trauer um Robert Enke
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:24 19.11.2009
Hatten viel miteinander zu tun: Per Mertesacker (links) und Robert Enke. Quelle: Ulrich zur Nieden
Anzeige

Herr Mertesacker, das Spiel gegen die Elfenbeinküste war sicherlich kein leichtes für Sie.

Mertesacker: Ich bin froh, dass es einen relativ guten Ausgang für uns genommen hat. Bis zu dem unglücklichen Gegentor zum 1:1, das uns einen kleinen Knacks verpasst hat, war es sehr ordentlich. Wir haben uns in diesem Spiel ein Stück weit befreien können von der vergangenen Woche.

Konnten Sie sich überhaupt auf Fußball konzentrieren?

Mertesacker: Als vor dem Anpfiff der Film mit den Abschiedsszenen von Robert gezeigt wurden, hat man uns extra einen Bildschirm da unten hingestellt. Da hinzuschauen war unmöglich für mich. Da kommt dann wieder einiges hoch.

Wie sind Sie und die Nationalelf in den vergangenen Tagen mit der Tragödie umgegangen?

Mertesacker: Ich denke, wir sind allgemein gut damit umgegangen. Wir haben uns erst ein bisschen zurückgezogen und uns dann bei der Trauerfeier stark präsentiert. Wir haben in dieser Woche sehr viel darüber gelernt, wie man mit so einem Thema umgehen muss, obwohl es sehr, sehr schwer ist. Wir haben alle eine gewisse Zeit gebraucht, bei der Familie zu Hause oder mit den Freundinnen. Es war eine neue Erfahrung, aber man hat im Spiel gegen die Elfenbeinküste gesehen, dass wir uns trotz alledem etwas befreien konnten. Das können wir aus diesem Spiel für uns rausziehen.

Was hat Ihnen bei der Bewältigung der Trauer geholfen?

Mertesacker: Ich hatte Angst vor der Trauerfeier, vor dieser Massenveranstaltung. Aber da habe ich Leute getroffen, mit denen ich mal etwas zu tun hatte und die ich jahrelang nicht mehr gesehen habe. Das war sehr emotional. Jeder hilft einem, nicht nur bei der Nationalmannschaft, auch die Familie, Freunde und 96-Angehörige. Es gibt eine große Anzahl von Leuten, die für einen da sind. Wir haben dann alle gemeinsam getrauert – und das ist ja auch ein gutes Zeichen.

DFB-Präsident Theo Zwanziger hat angekündigt, dass sich etwas ändern soll. Wollen Sie sich da ebenfalls engagieren?

Mertesacker: Man muss jetzt erst einmal die Erfahrungen verarbeiten, die man mit so einem tragischen Fall gemacht hat und sich fragen, warum keiner etwas davon mitbekommen hat. Ich denke, das ist das entscheidende Thema, mit dem man sich noch befassen muss.

96-Spieler Hanno Balitsch hat gesagt, dass er von Enkes Krankheit wusste. Hatten Sie auch schon früher eine Ahnung?

Mertesacker: Nein. Wenn man so oft miteinander zu tun gehabt hat, dann fragt man sich, wo es Anzeichen gab, in denen man etwas hätte merken können. Aber jeder hat mal einen schlechten Tag, jeder ist mal schlecht drauf. Aus meiner Sicht war es unmöglich, etwas zu erkennen. Ich muss jetzt lernen, damit umzugehen. Ich schaue jetzt positiv nach vorne.

Gibt es etwas, was Sie für sich persönlich als Lehre aus dieser großen Tragödie ziehen?

Mertesacker: Ich bin froh, dass ich gut mit dem ganzen Rummel zurechtkomme. Ich bin langsam in das Geschäft hineingewachsen, mir wurde am Anfang nicht großartig geholfen. Damit fertig zu werden, gelingt mir ganz gut. Deshalb bin ich froh, dass ich auf einem gesunden Weg bin.

aufgezeichnet von Christian Purbs

Im internationalen Fußball gibt es wahrscheinlich einen neuen Wettskandal - mit Drahtziehern in Deutschland.

19.11.2009

Beim ersten Länderspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nach dem Tod von Robert Enke ist alles ein bisschen leiser als sonst.

Christian Purbs 18.11.2009

DFB-Chef Theo Zwanziger hat am Mittwoch angeregt, eine Stiftung mit dem Namen des verstorbenen Torhüters Robert Enke ins Leben zu rufen. Dadurch könne das Thema Depressionen enttabuisiert werden.

18.11.2009