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Fußball aus aller Welt Tauscht Dortmund Lewandowski gegen Gomez?
Sportbuzzer Fußball Fußball aus aller Welt Tauscht Dortmund Lewandowski gegen Gomez?
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11:15 26.04.2013
Von Stefan Knopf
Auf dem Weg nach Dortmund? Bayern-Stürmer Mario Gomez. Quelle: dpa
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Dortmund

Unterstellen wir der Stadionregie einfach keine böse Absicht. Auf dem Rasen des Stadions wärmten sich die Fußballer von Borussia Dortmund gerade mit Laufübungen auf, den Zuschauern auf der Tribüne wurde warm ums Herz durch ein paar eingespielte rührselige BVB-Lieder.

Aus den Lautsprechern hieß es „echte Liebe kommt aus dem Herzen, echte Liebe kann man nicht kaufen“, als Mario Götze riesengroß auf der Videowand eingeblendet wurde. Der bevorstehende Wechsel des 20-Jährigen zum Bundesliga-Konkurrenten Bayern München, der am Tag vor dem Halbfinal-Hinspiel in der ChampionsLeague gegen Real Madrid bekannt geworden war, hatte in Dortmund für mehr Aufregung gesorgt, als wenn Angela Merkel mit sofortiger Wirkung auf ihre Ämter als Bundeskanzlerin und CDU-Bundesvorsitzende verzichtet hätte. Es war eine spannende Frage, wie Götze von den Dortmunder Fans behandelt werden würde.

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Der Rausch über den 4:1-Sieg gegen Real übertünchte in dieser Nacht vieles. Pfiffe blieben weitgehend aus; etwas schüchtern erschien Götze nach Spielschluss zum Feiern vor der Südtribüne, den Plätzen der treuesten BVB-Fans. Doch kaum war die Nacht vorüber in Dortmund, kündigte sich schon die nächste Unruhe an: Auch Robert Lewandowski, so ließen seine Berater via Medien ausrichten, werde Borussia Dortmund noch in diesem Jahr verlassen. Auch in diesem Fall sollen die Bayern eine Rolle spielen.

Der BVB wird gerade unfreiwillig einem gewagten Experiment ausgesetzt: Wie viel Unruhe verträgt ein Fußballverein in der entscheidenden Phase einer Saison?

Im Fall Götze war es dem BVB gelungen, innerhalb von 24 Stunden einen Orkan zu beruhigen. Der 20-Jährige war im Internet ganzen Schimpftiraden ausgesetzt, „Verräter“ und „Judas“ waren noch Ausdrücke der freundlicheren Art. Dass die Emotionen zumindest in dieser Hinsicht im Stadion keine Rolle spielten, war Trainer Jürgen Klopp auf der anschließenden Pressekonferenz sogar ein Extralob für die Fans wert. „Das hat heute alles in den Schatten gestellt“, sagte er. „Ohne diese Atmosphäre wäre dieses Spiel nicht möglich gewesen. Das ist gleichzusetzen mit der Leistung der Mannschaft in der 2. Halbzeit.“

Nun also zieht der nächste Sturm herauf. Götze und Lewandowski zu ersetzen würde die Borussia vor ein nur schwer zu lösendes Problem stellen. Nicht nur, weil der Pole Real mit seinen vier Treffern in der 8., 50., 55. und 67. Spielminute (Foulelfmeter) am Mittwoch quasi im Alleingang abschoss und damit die Tür zum Finale im Wembley-Stadion am 25. Mai weit aufstieß. Der BVB hat keinen zweiten Stürmer von internationaler Klasse in seinem Kader. Erst neun Spielern sind bislang vier Tore in einem Champions-League-Spiel gelungen, nur einer war noch besser: Lionel Messi hat beim 7:1 des FC Barcelona gegen Bayer Leverkusen im Jahr 2012 sogar fünfmal getroffen. „Anders als Mario hat Robert keine Ausstiegsklausel im Vertrag“, sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, der den Polen nicht gehen lassen will - ob er einen Profi aber gegen dessen Willen halten kann, sei einmal dahingestellt. Nicht ganz abwegig wäre beispielsweise eine Art Tauschgeschäft mit Nationalstürmer Mario Gomez, der sich nach Recherchen der Oberhessischen Presse am Donnerstag zu einem Medizincheck im Knappschaftskrankenhaus Dortmund aufgehalten haben soll.

So bleibt dem BVB vor dem Rückspiel am kommenden Dienstag in Madrid nur die Hoffnung, dass bei aller Aufregung im Umfeld zumindest die Spieler die Ruhe behalten. Götze war das am Mittwochabend glänzend gelungen, „er hat ein unfassbar gutes Spiel gemacht“, sagte Klopp.

Eine Wiederholung im Bernabéu-Stadion wäre hilfreich, um erstmals nach16 Jahren wieder das Finale in der europäischen „Königsklasse“ zu erreichen. Denn noch, so warnte Klopp, sei nichts erreicht: „Das Problem ist ein bisschen, dass erst zwei Viertel des Spiels gespielt sind.“