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Fußball aus aller Welt Abseits oder nicht?
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21:42 26.08.2013
Von Christian Purbs
96-Stürmer Mame Diouf (Mitte) nutzt das passive Abseits und erzielt regelkonform ein Tor. Quelle: zur Nieden (Archiv)
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Hannover

Die Bayern haben gleich zum Auftakt der neuen Bundesligasaison profitiert, am vergangenen Freitag erzielte Borussia Dortmund so den entscheidenden Treffer gegen Bremen. Und auch beim Spiel von Hannover 96 und Schalke 04 spielte das passive Abseits eine große Rolle beim Ausgang der Partie. Klar Abseits! Oder doch nicht? Sicher ist bei der passiven Abseitsregel lediglich, dass sie immer wieder für Diskussionen sorgt und Woche für Woche von der Kreis- bis zur Bundesliga Verwirrung stiftet.

Ein Blick ins Regelwerk macht die Problematik deutlich. Die Regelung  „passives Abseits“ besagt, dass der Schiedsrichter das Spiel laufen lassen muss, wenn ein Spieler zwar im Abseits steht, aber weder direkt noch indirekt ins Spielgeschehen eingreift und nicht die Sicht des Torwart beeinträchtigt. Abgesehen von der Schwierigkeit für den Schiedsrichter zu beurteilen, ob ein Spieler in irgendeiner Form eingreift oder nicht, sorgt ein weiterer Zusatz immer wieder für Ärger und Unverständnis bei Fans und Spielern. Ein Spieler, der in einer Spielszene meilenweit passiv im Abseits steht kann wieder ins Geschehen eingreifen, wenn es sich um eine neue Spielsituation handelt.

Bewusstes Stehen im Abseits

Doch genau hier wird es spannend. Jede Wette, dass findige Trainer solche Situationen im Training längst üben lassen. Auf jeden Fall wäre es eine gute Idee, wenn etwa 96-Trainer Mirko Slomka beim Geheimtraining hinter verschlossenem Vorhang seinen Stürmern Mame Diouf und Artur Sobiech erklärt, dass sie zum Beispiel nach einem abgewehrten Eckball, wenn die gegnerische Abwehr rausrückt, ruhig im Abseits stehen bleiben sollen. Wird der Ball dann auf einen außen postierten Mitspieler und von da schnell wieder in die Mitte gespielt, haben die Stürmer einen unglaublichen Vorteil. Sie stehen in bester Position völlig frei und sind nicht mehr abseits, weil es sich ja um eine neue Spielsituation handelt.

Als taktisches Mittel eingesetzt, kann dieses bewusste Abseitsstehen sehr effektiv sein. Denn genau solche Szenen, die schließlich auch zu Toren führten, gab es an den ersten drei Bundesligaspieltagen in drei Begegnungen.

1. Spieltag, FC BayernMönchengladbach: 2:0 durch Mario Mandzukic: Beim Freistoß von Arjen Robben steht Mandzukic klar im Abseits. Da er jedoch nicht zum Ball geht und nur zuschaut, wie der vor ihm postierte Franck Ribery direkt aufs Tor schießt, ist er im passiven Abseits. Gladbachs Torwart Marc-Andre ter Stegen wehrt den Schuss von Ribery ab, wodurch eine neue Spielsituation entsteht. Der Ball landet genau vor den Füßen von Mandzukic, der aus fünf Metern keine Mühe hat, zum 2:0 für die Bayern zu treffen.

3. Spieltag, DortmundBremen, 1:0 durch Robert Lewandowski: Bei dem Pass auf Marco Reus auf die rechte Seite steht Lewandowski in der Strafraummitte fast zwei Meter im Abseits, allerdings nur passiv. Bei der Hereingabe von Reus wird der Pole wieder aktiv und schiebt drei Meter vor dem Tor locker und unbewacht zum Siegtreffer für den BVB ein.

3. Spieltag, Hannover 96Schalke 04: 2:0 durch Mame Diouf: Nach einem Eckball wird der Ball abgewehrt und landet bei Lars Stindl. Der 96-Mittelfeldspieler schießt von der Strafraumgrenze aufs Tor, sein Schuss wird jedoch abgefälscht und kommt zu Szabolcs Huszti, der kurz zuvor den Eckball ausgeführt hat. Beim Schuss von Stindl ist Diouf deutlich im Abseits, wäre der Ball aufs Tor gekommen, hätte der Schiedsrichter die Szene abgepfiffen. Doch der Ball landet bei Huszti, dessen Flanke der freistehende Diouf aus kurzer Distanz ins Tor köpft.

Glück hatten die „Roten“ in der 2. Halbzeit, denn auch die Schalker hätten aus der passiven Abseitsregel Kapital schlagen und einen Treffer erzielen müssen. Beim Lupfer über die 96-Defensive von Julian Draxler steht Schalkes Stürmer Adam Szalai einige Meter im Abseits. Allerdings im passiven, da er nicht zum Ball geht. Christian Clemens startet durch, schnappt sich den Ball und sorgt damit für eine neue Spielsituation, in der Szalai wieder mitmachen darf. Zum Glück für 96 gelingt dem Ungarn das Kunststück, aus zehn Metern neben das leere Tor zu schießen.

Viel Interpretationsspielraum

Das passive Abseits bietet in seiner momentanen Auslegung durch die Schiedsrichter viel Interpretationsspielraum, weil es dem Unparteiischen überlassen ist zu beurteilen, was eine neue Spielsituation ist. Für die Stürmer ergeben sich allerdings wunderbare Möglichkeiten, diese Regel für sich zu nutzen. Ein Angreifer, der das passive Abseits bewusst als taktische Variante einsetzt, wird seinem Gegenspieler im entscheidenden Moment immer einen Schritt voraus sein.

Gut möglich, dass die FIFA diese Regel-auslegung bald modifiziert, weil sie für so viel Verwirrung sorgt, dass sie eigentlich abseits jeglicher Vernunft ist. Doch bis dahin gilt: passiv, aktiv – und Tor.

Aufgrund des vorgezogenen 4.Spieltages in der Bundesliga, der mit der Partie FC Bayern München gegen den SC Freiburg am Dienstag, um 18.30 Uhr, beginnt, gilt in dieser Woche ein früherer Abgabetermin für das Bundesligatippspiel.

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