Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Fußball vor Ort Auch in Göttingen: Fußballschiedsrichter verzweifelt gesucht
Sportbuzzer Fußball Fußball vor Ort Auch in Göttingen: Fußballschiedsrichter verzweifelt gesucht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:22 24.04.2019
„Das Interesse wird geringer“: Reinhard Plüschke (r.) leitet in seiner Eigenschaft als Schiedsrichter ein Frauenspiel. Quelle: Schneemann
Göttingen

In Deutschland gibt es immer weniger Fußballschiedsrichter. Dabei sind die Vereine verpflichtet, Unparteiische zu stellen – wenn nicht, müssen sie Strafzahlungen in Kauf nehmen. Wir haben uns der Situation in Göttingen angenommen.

Wie ist die aktuelle Situation?

Viele Amateurvereine haben deshalb den Schiedsrichternotstand ausgerufen. Zwar sind in Deutschland Ausbildungslehrgänge gut besucht, sodass mehr als 6500 Nachwuchsreferees in der vergangenen Saison erstmals ein Spiel geleitet haben. Doch springen viele nach kurzer Zeit wieder ab. Die Folge: Für rund 150 000 Fußballteams in Deutschland gibt es 57 000 aktive Schiedsrichter. Das sind fast 30 Prozent weniger als vor zehn Jahren. Die Gründe: stressiger Job, dadurch zu wenig Zeit für die Familie, vor allem aber auch mangelnder Respekt auf dem Platz.

Welche Ideen werden praktiziert?

Im Hamburger Fußballverband gibt es ein sogenanntes Obleutesystem: Jeder Klub stellt einen Verantwortlichen, der sich um Schiedsrichterfragen kümmert. Im Optimalfall werden Anfänger von Paten betreute, von denen sie zu den ersten Einsätzen begleitet werden. Die Erfahrung zeigt: Wo das Patensystem gut läuft, sind die Zahlen stabil.

In Leipzig schließt ein Verein mit den Unparteiischen Verträge ab – erfüllt der Schiri seinen Teil, erhält er ein Ausstattungsbudget und am Saisonende einen Bonus von 50 Euro. Muss der Verein Strafe zahlen, weil ein Referee ein Spiel versäumt hat, wird das abgezogen – eine Vereinbarung, die Verbindlichkeit und Respekt schafft .

Zahlen bitte: Wie sieht es im Kreis Göttingen-Osterode aus?

Mit 234 aktiven Schiedsrichtern sieht es noch relativ gut aus, allerdings klagen die Ansetzer über zahlreiche Rückgaben. Wie Reinhard Plüschke, stellvertretender Vorsitzender des NFV-Kreises Göttingen Osterode berichtet, gab es in der laufenden Serie 5553 Ansetzungen bei 2214 Rückgaben. „Das Interesse wird geringer. Das ist ein Spiegelbild aus den Vereinen, worüber auch die Trainer klagen. Die Verantwortung ist einfach nicht mehr vorhanden“, so Plüschke.

Über fehlende Schiedsrichter klagen einige Vereine: Allein zwölf haben keinen Referee für die laufende Saison gemeldet. Insgesamt fehlen 72 Schiedsrichter fehlen im Vergleich zu den Mannschaftsmeldungen. Für eine Anerkennung als Schiedsrichter sind 14 Ansetzungen, vier Lehrabende und die 30 Regelfragen notwendig. Zahlreiche Vereine müssen empfindliche Strafen zahlen, die teilweise mehr als 1000 Euro betragen. Die Strafen richten sich nach den gemeldeten Mannschaften und der Spielklasse der ersten Damen und Herrenmannschaft. Auf Kreisebene zahlen die Vereine pro fehlendem Schiedsrichter 150 Euro, im Bezirk bei 225 Euro und in der Oberliga sogar 300 Euro. Allerdings gibt auch Vereine, wie der RSV 05 oder die SG Bergdörfer, die mehr Schiedsrichter haben, als benötigt.

Beim Niedersächsischen Fußballverband gibt es 20 Euro Spesen für die Leitung eines Kreisligaspiels. Pro Kilometer An- und Abfahrt kommt eine Pauschale von 30 Cent dazu.

Beispiel A: Das ist das Erfolgsgeheimnis des RSV 05:

Laut Verbandsvorgabe muss der RSV Göttingen 05 fünf qualifizierte Schiedsrichter stellen. Der Klub übertrifft die Vorgabe noch um eineinhalb Referees (halbe Anerkennung beispielsweise durch zu wenige absolvierte Lehrabende), und insgesamt bietet der RSV 14 Unparteiische auf. „Unser letzter Schiri kam aus Hamburg zum Studium nach Göttingen und wollte für uns pfeifen. Ich werde dann immer angerufen und finde das natürlich super“, sagt Fußball-Abteilungsleiter Hans-Dieter Hinz, der selbst 49 Jahre lang die Pfeife im Mund hatte. „Früher sah es auch mal nicht so gut aus, und wir mussten Strafen zahlen. Schade ist jetzt, dass wir bei mehr Schiedsrichtern, als gefordert, nicht belohnt werden.“ Bis auf die Ausrüstung („Ich schicke sie immer zum Sportgeschäft“) und die Beitragsfreiheit gebe es seitens des RSV 05 keine Vergünstigung, berichtet der 76-Jährige.

Beispiel B: Die erfolglosen Versuche des JFV Eichsfeld:

Vier fehlende Schiedsrichter und eine Strafe in Höhe von 600 Euro in der vergangenen Saison – da sind die ernüchternden Zahlen beim Jugendförderverein: „Wir finden einfach keine Schiedsrichter und haben auch in der aktuellen Serie keinen gemeldet. Es wird immer zeitintensiver die Jugendlichen verlieren einfach schnell die Lust, insbesondere durch die Einflussnahme von Eltern und Zuschauern“, so Hermann Niesen vom JFV Eichsfeld. „Wir machen Werbung und bieten eine Komplettausstattung an, rennen bei dem Thema aber vor die Wand“, ergänzt Niesen, der die Strafen schon angemessen findet, man deshalb aber auch keine Schiedsrichter finde. „Es wird immer schwieriger.“

Der Kreisschiedsrichterausschuss bietet einen Anwärterlehrgang an – als Online-Lehrgang mit diversen Präsenzterminen zwischen dem 3. und 15. Mai (Prüfung). Interessenten können sich mit Name, Anschrift, Geburtsdatum und Verein bei Nadine Rahlfs anmelden (nadine_rahlfs@web.de). Ein Anmeldeformular liegt auf der Homepage des Kreises (nfv-goettingen-osterode.de/Download/Spielbetrieb Schiedsrichter) bereit.

Von Eduard Warda und Jan-Philipp Brömsen

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Vier Treffer im Fußball-Landesliga-Derby: Nicolas Krenzek von der SVG Göttingen hat erneut die Abstimmung zum Held der Woche gewonnen. Mit 195 Stimmen (37 Prozent) landete der 21-Jährige vor dem Breitenberger Angelo Deppe, der 143 Stimmen (27,1 Prozent) von den SPORTBUZZER-Usern erhielt.

24.04.2019

In der Fußball-Oberliga der Frauen gab es für den ESV Rot-Weiß Göttingen und FFC Renshausen keine Punkte am Ostersonnabend. Die Eisenbahnerinnen unterlagen dem Tabellenvierten MTV Barum mit 0:3. Mit demselben Ergebnis verlor der FFC beim SV Hastenbeck.

23.04.2019

Beim Fußball-Landesligisten SVG Göttingen läuft es nicht nur sportlich: Wie der Verein am Dienstagvormittag bekannt gab, haben bereits 15 Spieler des aktuellen Kaders für die kommende Saison 2019/2020 ihre Zusage gegeben. Die Sandweg-Elf arbeitet an der Zukunft – erfolgreich und mit Kontinuität.

23.04.2019