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Fußball vor Ort „Der Amateurfußball muss sich anpassen“
Sportbuzzer Fußball Fußball vor Ort „Der Amateurfußball muss sich anpassen“
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16:52 14.06.2019
Rainer Koch, Vizepräsident des DFB, stellte sich den Fragen der Vereinsvertreter und gab einen Einblick in das Thema Amateurfußball. Quelle: Schneemann
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Bovenden

Zur 21. Veranstaltung der DiskussionsreiheFritz im Dialog“ hatte der Göttinger Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler (CDU) in das Bovender Zentrum für Gesundheitssport eingeladen. DFB-Vizepräsident Rainer Koch nahm unter anderen Stellung zu den Problemen im Amateurfußball.

Knapp 100 Gästen ließen sich die Podiumsdiskussion zum Thema Amateurfußball nicht entgehen. Seit 2012 hat der Bundestagsabgeordnete Güntzler 21-mal zu „Fritz im Dialog“ geladen. „Heute geht es um Fußball und um die Frage, wie es an der Basis aussieht“, leitete der CDU-Politiker ein und begrüßte den Vizepräsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Rainer Koch, der nach seinem Arbeitstag als Strafrichter in München direkt nach Bovenden anreiste. Zudem bedankte sich der Bundestagsabgeordnete beim Vorsitzenden des Bovender SV, Alexander Schneehain, für die Ausrichtung der Veranstaltung.

„Wenn man unangenehmen Fragen aus dem Weg gehen will, dann muss man lange reden“, witzelte Koch zu Beginn seines knapp 30-minütigen Impulsvortrages zur Lage im Amateurfußball. Den Fragen wich der Münchener allerdings nicht aus und präsentierte sich in der mehr als zweistündigen Diskussion sehr engagiert.

Neben dem DFB-Vize waren auch Schneehain, Kreisschiedsrichterobmann Christian Rahlfs und 05-Trainer Nils Leunig auf dem Podium vertreten. Ursprünglich war Reinhard Grindel zur Diskussionsveranstaltung eingeladen. Nach dessen Rückzug von der DFB-Spitze im April erklärte sich Koch, derzeit kommissarischer Präsident des Verbandes, bereit, nach Bovenden zu kommen. Unter den rund 100 Zuhörern befanden sich einige Vertreter und Funktionäre regionaler Fußballvereine sowie Vertreter der Lokalpolitik, dagegen aber kaum aktive Fußballer.

„Ich höre oft, der Amateurfußball sei tot. Diese Aussage ist natürlich falsch, wenn an den Wochenenden auf den Amateurplätzen weit mehr Menschen sind als in den Bundesligastadien“, so der DFB-Vize, der ein Beispiel aus Bayern skizzierte: Etwa 100000 Zuschauer besuchten an einem Wochenende bayerische Bundesligastadien – bei den Amateurspielen seien jedoch mehr als eine Million Zuschauer dabei.

Gleichzeitig sei der Amateurfußball aber „ständig gefordert, sich an die Veränderungen der Gesellschaft anzupassen“, betonte Koch. „Die Rezepte von gestern sind zwar sporthistorisch interessant, helfen aber heute nicht weiter“, so der 60-Jährige. Der Amateurfußball müsse sich am Lebensgefühl der jungen Generation orientieren, das vor allem durch Flexibilität geprägt sei. Alte Abläufe wie „Dienstag Training, Donnerstag Training, Samstag Spiel“ kämen da nicht mehr an.

Auch deshalb sollten die Vereine und der Verband den Sport stärker „eventisieren“, so Koch. Als Beispiel nannte er die Einführung von Playoff-Spielen in unteren Spielklassen. Zudem forderte er, „die Möglichkeiten der Digitalisierung zur Image-Pflege“ stärker zu nutzen. „Fußball ist der geilste Sport, leider ruhen sich zu viele aus“, so Koch, der auch auf die immer größer werdenden Angebote für Kinder und Jugendliche einging. „Es ist anders als früher. Alle werben um die gleichen Kinder“, betonte der Münchener.

Nach dem Impuls des DFB-Vize startete die Diskussionsrunde, und Schneehain begann gleich mit vier wichtigen Punkten aus Sicht seines Vereins: Unterstützung, Personal, Entlastung und Kunden. „Wir suchen immer wieder qualifizierte Trainer für unsere Jugendteams. Eine C-Lizenz mit 120 Unterrichtseinheiten ist aber für viele Eltern zeitlich nicht machbar“, so Schneehain, der zudem auf den immensen Verwaltungsaufwand einging: „Es ist unfassbar, was wir da für einen Aufwand betreiben müssen. Da wird leider auch nicht zwischen einem großen Unternehmen und einem Sportverein unterschieden“, monierte der BSV-Vorsitzende. Zudem beschäftigte sich Schneehain mit steigenden Aufwendungen, Gebühren und Strafen.

„Wir können eine Diskussion um jede Gebühr führen. Aber immer da, wo eine Gebühr gestrichen wird, müssen woanders Beträge angehoben werden, damit der Haushalt finanziert werden kann.“, unterstrich Koch. Der Etat der Landesverbände sei nur zu etwa 25 bis 30 Prozent von den Vereinen gedeckt. „Das ist teilweise nicht einfach mit dem Steuerrecht. Da wird künftig aber einiges angeschoben, unter anderem soll die Übungsleiterpauschale auf 3600 Euro im Jahr angehoben werden“, berichtete Güntzler.

Christian Rahlfs wies auf die Probleme im Schiedsrichterbereich hin. „Das Interesse ist heute eher an den PC als auf die Sportplätze zu gehen. Wir haben unsere Ausbildung schon angepasst und arbeiten mit weniger Präsenztagen und einer App“, sagt Rahlfs, der über die vorhandenen Ausbildungsmaterialien klagte. „Leider funktionieren die Dateien und Videos nicht auf jedem PC, daher mussten wir uns die Materialien selbst zusammenstellen.“ Die öffentliche Wahrnehmung der Schiedsrichter, auch in den Medien, kritisierte Rahlfs. „Wir werden zu wenig positiv dargestellt“, monierte der Obmann.

U19-Trainer Nils Leunig, der selbst A-Lizenzinhaber ist, thematisierte die Probleme im Jugendbereich in höherklassigen Ligen: „Der Trend geht dahin, dass viele nicht mehr leistungsorientiert spielen wollen, weil der Aufwand mit dreimal Training und einem zusätzlichen Spiel zu groß ist“, berichtete Leunig, der mit der A-Jugend in der höchsten Liga des Verbandes spielt. „Es ist extrem schwierig für uns geworden“, so der Trainer.

Nach einer ausgiebigen und intensiven Diskussion gab es noch diverse Fragen aus dem Publikum. Hier wurden die Themen Haushalt des DFB, Anstoßzeiten der Länderspiele, Kosten für Tickets und die Gebühren für Vereine angesprochen. Bei Bratwurst und Bier ging es in die „dritte Halbzeit“ (Güntzler), bei der Koch noch für diverse Fragen zur Verfügung stand.

„Ich war von der Offenheit von Dr. Koch sehr überrascht und nehme viele neue Infos mit. Viele Themen werden vom DFB bereits in Angriff genommen, und oftmals ist eher der Landesverband zuständig. Man merkt, dass der DFB und auch Dr. Koch sehr viel Augenmerk auf den Amateurfußball legen“, bilanzierte Güntzler.

Von Jan-Philipp Brömsen und Filip Donth

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