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Fußball vor Ort Der 1. SC Göttingen 05 hält an Trainer Najeh Braham fest
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18:44 29.09.2014
Er will gar nicht mehr hinsehen: Najeh Braham steckt mit dem 1. SC 05 in der Krise.
Er will gar nicht mehr hinsehen: Najeh Braham steckt mit dem 1. SC 05 in der Krise. Quelle: Pförtner
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Die Trainerfrage wird bei den Schwarz-Gelben allerdings noch nicht gestellt. Najeh Braham sitze weiter fest im Sattel und genieße sein Vertrauen, versichert 05-Präsident Jens Handkammer.

„Es gibt aktuell keine Auflagen und Fristen für Najeh. Nur müssten wir irgendwann mal wieder punkten“, sagt Handkammer. Am besten schon am Sonntag im Heimspiel gegen Lupo Martini Wolfsburg, denn das Ziel bis zur Winterpause laute 15 bis 20 Punkte.

Derzeit hat 05 fünf Zähler auf dem Konto. Die Autostädter kommen als Aufbaugegner jedoch nicht sonderlich gelegen. Zwar ist Lupo Martini als Elfter mit nur drei Punkten Vorsprung auf die Göttinger bislang unter seinen Möglichkeiten geblieben, im Niedersachsen-Pokal haben die Wolfsburger der Braham-Elf zu Saisonbeginn mit 5:0 aber deutlich die Grenzen aufgezeigt.

Kritik an der Defensive

Das ist auch Eintracht Northeim im Derby gelungen. Handkammer hat nach dem Spiel nicht mit Kritik an der Defensive gespart. Das relativiert er nun: „Zu einer sachlichen Kritik fehlt mir die sportliche Kompetenz. Allerdings stand unsere Abwehr aus meiner Sicht beim ersten Gegentor viel zu hoch. Das müssen sich die Jungs gefallen lassen.“

Viel mehr als über die Derbypleite habe er sich aber über das ärgerliche 1:1 in Überzahl gegen den TSV Ottersberg in der Woche zuvor geärgert, was er der Mannschaft bei einem gemeinsamen Essen auch mitgeteilt habe.

Trainer Braham lässt der führungsstarke Präsident bei seiner Schelte stets aus. Kritik an dessen Führungsstil verbiete sich. „Um mir darüber ein Urteil zu erlauben, müsste ich täglich beim Training sein“, erklärt Handkammer. Nach wie vor traue er es dem Tunesier zu, die Mannschaft sportlich weiterzuentwickeln.

Tanjic kommt wohl in der Winterpause

Allerdings habe Braham zuletzt vorschnell gehandelt, als er verkündete, der ehemalige Regionalliga-Torjäger Mirko Tanjic werde voraussichtlich in der Winterpause verpflichtet. „Es gab mit dem Spieler keine konkreten Gespräche“, so Handkammer. Priorität habe zunächst die Verpflichtung eines zweites Torhüters in der nächsten Transferperiode. Wichtig sei, dass bis dahin weiter Ruhe im Team Einzug halte.

Ungeklärt ist allerdings die Personalie Florian Steinhauer. Der Verteidiger könne aufgrund seiner beruflichen Belastung momentan nicht für 05 auflaufen, teilte der Verein mit. „Ich spiele so lange nicht, bis der Vorfall des Spiels in Spelle aus der Welt ist. Arbeitsbedingt würde ich nur eine Woche im Monat beim Training fehlen“, sagt hingegen Steinhauer gegenüber dem Tageblatt.

„Ich hatte in Spelle schlecht gespielt und bin zurecht ausgewechselt worden. Dann hat Najeh mir aber etwas gesagt, dass ein Trainer nicht zu seinem Spieler sagen sollte“, betont Steinhauer. Er fordert eine Entschuldigung des Trainers. Braham hatte vor dem Derby betont, das Problem sei ausgeräumt und Steinhauer „ein guter Junge“.

Kommentar

Viele Fragezeichen

Der Absturz auf den letzten Platz kommt nicht völlig überraschend. Dass der 1. SC 05 gegen den Abstieg spielen wird, war Verantwortlichen und Fans vor der Saison bewusst.

Trainer Najeh Braham ist zuzutrauen, dass er die Mannschaft wieder aufrütteln kann. Das ist ihm bereits in der vergangenen Serie gelungen, als sich 05 mit vier Siegen in Serie noch vor dem Abstieg rettete. Ob Braham dies erneut schafft, ist jedoch fraglich.

Es gibt Indizien dafür, dass es im Team rumort. Der Vorfall mit Florian Steinhauer und der vorzeitige Weggang von Jens Ringling im Sommer sind zwei Belege hierfür. Die Derbyniederlage ist hingegen kein belastbarer Indikator für ein zerrüttetes Verhältnis zwischen Elf und Coach.

Vor so vielen Fans spielt niemand absichtlich schlecht. Ob die Mannschaft ihr Leistungsniveau nicht abruft, und Braham noch der richtige Mann ist, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Stellen sich keine Erfolgserlebnisse ein, ist die Vereinsführung früher gezwungen, zu reagieren, als befürchtet.

Den Autor erreichen Sie per Mail an sport@goettinger-tageblatt.de

Fabig

Von Rupert Fabig