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Göttinger Klubs und Veranstalter haben Konzepte in der Schublade

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17:33 27.08.2020
Basketball vor leeren Rängen – das hatte die Bundesliga im Juni. Für die kommende Saison wünschen sich die Klubs wieder Fans in den Hallen.
Basketball vor leeren Rängen – das hatte die Bundesliga im Juni. Für die kommende Saison wünschen sich die Klubs wieder Fans in den Hallen. Quelle: dpa
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Göttingen/Eichsfeld

Bund und Länder sind sich einig, dass Großveranstaltungen, bei denen eine Kontaktverfolgung und die Einhaltung von Hygieneregelungen nicht möglich ist, bis mindestens Ende Dezember 2020 nicht stattfinden sollen. Zum einheitlichen Umgang mit Zuschauern bei bundesweiten Sportveranstaltungen wird eine Arbeitsgruppe auf Ebene der Chefs der Staatskanzleien eingesetzt, die bis Ende Oktober einen Vorschlag vorlegen soll.

„Es ist überflüssig, jetzt schon zu entscheiden, wie in einigen Monaten zu handeln ist.“ Frank Meinertshagen, Geschäftsführer des Basketball-Bundesligisten, hatte am Donnerstag kein Verständnis für den Aktionismus, den die Politik in Sachen Zuschauer-Obergrenzen im Vorfeld des Treffens zwischen der Bundeskanzlerin und den Ministerpräsidenten der Länder betrieben hatte. „Wir haben jetzt August, werden unser erstes Heimspiel frühestens Mitte November spielen. Da kann noch viel passieren. Wir müssen die Entwicklung abwarten.“ Das Schlimmste, was den Veilchen passieren könne, sei allerdings, komplett auf Zuschauer bei den Heimspielen in der Sparkassen-Arena verzichten zu müssen.

Meinertshagen setzt auf regionale Lösungen

Der BG-Chef plädiert dafür, regionale Lösungen zu finden. „Ich hoffe, dass es darauf auch hinauslaufen wird. Man muss sich das Infektionsgeschehen vor Ort genau anschauen und dann entscheiden.“ Ein Plan, der Gültigkeit für alle BBL-Klubs habe, ließe sich seiner Meinung nach nicht realisieren.

Bislang geht Meinertshagen davon aus, dass – so wie es die Landesverordnung vorsieht – 500 Zuschauer in der Halle sein dürfen. „Das ist schmerzlich, aber immerhin etwas. Natürlich fehlt das Geld aus den Ticketeinnahmen.“ Dazu gehören auch die Erlöse aus dem Dauerkartenverkauf, der noch nicht angelaufen ist. „Wir können nicht guten Gewissens Dauerkarten verkaufen – vor dem Hintergrund, dass wir keine konkreten Zahlen haben, wie viele Fans tatsächlich zugelassen sind. Wenn wir am Ende komplett ohne Zuschauer spielen müssten, wäre das ein Desaster.“

Renneberg wird erst im November entscheiden

Was bedeutet die neue Maßgabe der Bundesregierung für den Sparkasse & VGH-Cup? „Wir bereiten das Turnier so vor, als wenn es stattfinden kann“, sagt Lutz Renneberg von der FEST GmbH, die Europas größtes Hallenturnier für A-Jugendmannschaften in der Göttinger Lokhalle ausrichtet. „Derzeit gehen wir davon aus, dass es eine Möglichkeit geben wird, die Veranstaltung durchzuführen“, so Renneberg. Natürlich müsse man dabei immer die aktuellen Entwicklungen wegen des Coronavirus berücksichtigen. Darauf basierend werde man Mitte November eine endgültige Entscheidung treffen. Vorher sei eine verlässliche Aussage nicht möglich.

Jahr für Jahr besuchen insgesamt rund 11000 Zuschauer den Sparkasse & VGH-Cup. An einem ausverkauften Spieltag pilgern etwa 2800 Fans in die Lokhalle. Wenn am Ende pro Tag nur 1000 Zuschauer in die Halle dürften, „würde das dem Turnier einiges nehmen“, sagt Renneberg. Aber grundsätzlich seien auch Szenarien vorstellbar, bei denen annähernd die volle Zuschauerzahl erreicht werden könnte. Zumal der Sparkasse & VGH-Cup erst im Januar 2021 stattfinde.

Personalisierte Tickets sind Usus

Eine Lösung könnte zum Beispiel sein, wenn denn das Infektionsgeschehen in Göttingen und der Umgebung geringfügig ist, nur Menschen aus der Region in die Lokhalle zu lassen, erklärt Renneberg. Ausgenommen davon wären nur die teilnehmenden Vereine, weil diese teilweise auch aus anderen Teilen Deutschlands oder anderen Ländern anreisen. Mit einem speziellen Registrierungssystem, das man derzeit beim Vorbereitungsturnier Sparkasse Göttingen Cup teste, könne man zum Beispiel die Nachverfolgung problemlos bewerkstelligen. Und personalisierte Tickets seien ohnehin Usus beim Turnier für die A-Junioren. „Technisch sind wir dazu also absolut in der Lage“, so Renneberg.

Grundsätzlich müsse es aber auch darum gehen, das Risiko so weit zu minimieren, „dass die Leute ein gutes Gefühl haben und sagen: ’Da kann ich hingehen’“, sagt Renneberg. Schließlich seien viele Menschen verunsichert. Das müsse man bei der ganzen Planung mit abwägen. Und natürlich seien auch die Behörden mit eingebunden in die Pläne: „Mit dem Göttinger Gesundheitsamt befinden wir uns schon seit längerer Zeit im Austausch.“

GoeSF plant mit dem Jungen Theater

Die Göttinger Sport und Freizeit GmbH (GoeSF), unter deren Regie die Sparkassen-Arena steht, hat eine Großveranstaltung mit dem Jungen Theater in der Planung. Dafür soll die Höchstgrenze von 500 Zuschauern ausgeschöpft werden, wie GoeSF-Geschäftsführer Andreas Gruber berichtete. „Wir werden alle Anforderungen exakt umsetzen“, sieht er keine Probleme bei der Bestuhlung der Halle.

Auch der Northeimer HC steckt mitten in den Planungen für die neue Saison. Normalerweise fasst die Heimstätte des Handball-Drittligisten, die Northeimer Schuhwallhalle, rund 500 Zuschauer. Wenn man das Abstandsgebot von 1,50 Meter zu Grunde lege, würden etwa 150 Zuschauer ein Spiel verfolgen können, sagt der NHC-Vorsitzende Knut Freter. Und schon das ziehe starke finanzielle Einbußen nach sich.

Finanzielle Situation könnte sich verschärfen

„Wenn es jetzt so kommen sollte, dass wir bis Ende des Jahres ganz ohne Zuschauer spielen müssen, wird sich die finanzielle Situation natürlich noch einmal wesentlich verschärfen“, sagt Freter. Derzeit erarbeite der Klub jedenfalls ein spezielles Hygienekonzept, das von den genannten etwa 150 Zuschauern ausgehe. Dieses müsse man dann mit der Stadt und dem Landkreis Northeim abstimmen. „So planen wir jetzt erst mal, Änderungen vorbehalten“, sagt der Klub-Chef.

Aktuelle Beschlusslage in Niedersachsen

Zuschauer sind bei einer Sportveranstaltung grundsätzlich – nach den Regelungen der niedersächsischen Landesverordnung – zugelassen. Beträgt die Zahl mehr als 50 so sei zusätzlich sicherzustellen, dass die Zuschauer die Veranstaltung sitzend verfolgen. Abstandsgebote und Hygienevorgaben müssen eingehalten werden, die Kontaktdaten jedes Besuchers werden erfasst. Die Zahl der Zuschauer darf 500 Personen nicht übersteigen.

Ulrich Lottmann, Sprecher der Landkreisverwaltung, hat sich zu der Frage geäußert, ob Unterschiede bei den Hallen gemacht werden – sind doch die Kapazitäten oft recht unterschiedlich. Es gibt Zuschauerränge mit nur vier Sitzreihen, aber auch solche, die größere Kapazitäten haben – wie beispielsweise Rosdorf oder Duderstadt im Landkreis. „Die Frage ist pauschal nicht zu beantworten. Eine Beurteilung ist im Einzelfall, je nach Gegebenheiten jeder Halle, vorzunehmen. Es geht um bauliche Voraussetzungen, aber auch das aktuelle Infektionsgeschehen“, sagt Lottmann. „Das sehen wir uns sehr genau an und stimmen uns auch mit anderen Trägern von Sporthallen wie den Gemeinden ab. Das wird noch einige Tage in Anspruch nehmen, deshalb muss ich eine abschließende Antwort noch schuldig bleiben“, so der Verwaltungssprecher.

Von Kathrin Lienig und Andreas Fuhrmann