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Fußball vor Ort Hann. Mündener Schiedsrichter tritt nach Beleidigung zurück
Sportbuzzer Fußball Fußball vor Ort Hann. Mündener Schiedsrichter tritt nach Beleidigung zurück
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20:31 30.07.2014
Haben manchmal einen schweren Stand: Schiedsrichter des Fußballkreises Göttingen-Osterode. Quelle: Pförtner
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Göttingen

„Seit über 20 Jahren war ich im NFV-Kreis Göttingen aktiver Fußball-Schiedsrichter“, schreibt der Unparteiische in einem Brief ans Tageblatt. „Heute habe ich meine aktive Karriere beendet.“

„Geh’ doch dahin, wo du herkommst“, habe ein Spieler des SC Rosdorf zu ihm gesagt. Vorausgegangen war der Beleidigung offenbar eine rote Karte, weil der Spieler per Hand einen Treffer vereitelt hatte. Für die rote Karte gab es ein Spiel Sperre, für den darauf folgenden Spruch die Geldbuße. Besonders verletzt hat Yaylali, dass der betreffende Spieler ihn eine Woche später am Rande eines Fußballspiels höhnisch angelächelt hat.

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„Ich hätte mir von anderen Schiedsrichtern mehr Unterstützung gewünscht“, sagt der türkischstämmig 48-Jährige, der seit 1980 in Deutschland lebt und dessen drei Kinder studieren. „Die Frage ist doch: Was wird gemacht, wenn etwas ähnliches einem deutschen Schiedsrichter passiert?“

Rücktritt habe weh getan

60 Euro könnten das erlittene Unrecht nicht ausgleichen. „Eine Geldstrafe ist doch lachhaft. Der hätte eine Strafe von mindestens drei Wochen bekommen müssen, damit er weiß, wo es lang geht“, sagt Yaylali. Er sei das erste Mal in mehr als 20 Jahren als Referee rassistisch beleidigt worden. Der Rücktritt habe weh getan, „aber ich habe keine andere Möglichkeit gesehen“.

Christian Rahlfs, Vorsitzender des Kreisschiedsrichterausschusses, ärgert sich ein wenig über die Kritik seines Ex-Kollegen, zumal dieser sich auch auf der Jahreshauptversammlung der Unparteiischen lautstark Luft gemacht hat. „Ich wäre gern früher als zwei Tage vor der Versammlung informiert worden“, sagt Rahlfs.

Hätte Yaylali ihn gebeten, ihm beim Erstellen des Schiedsrichterberichtes behilflich zu sein, wäre die rassistische Note der Beleidigung vielleicht deutlicher herausgestellt worden. „Wenn erst mal der Verwaltungsbescheid ergangen ist, habe ich keine Chance mehr.“

So sei der Spruch „Geh’ doch dahin, wo du herkommst“ lediglich als Beleidigung sanktioniert worden. Rahlfs: „Man muss das klar in den Bericht schreiben. Die entscheidende Frage ist ja, ob es sich um eine rassistische Äußerung handelt. Es kann ja auch heißen: Fahr’ wieder zurück nach Münden.“

„Aber ich werde das noch mal überprüfen“

Rahlfs könne verstehen, dass Yaylali sauer ist, aber dieser hätte auch anders reagieren müssen. „Es ärgert mich, weil die Schiedsrichter Bescheid wissen, dass sie mich in solchen Fällen sofort einbinden sollen.“

Klaus Henkel, Vorsitzender der Kreisspielausschusses, war in der fraglichen Zeit in Urlaub. Der Verwaltungsbescheid wurde von seinem Kollegen Manfred Förster erstellt. „Es ist eigentlich nicht Sache des Schiedsrichters, zu kontrollieren, ob ein Spieler aufgrund des Schiedsrichterberichtes in ausreichendem Maße bestraft worden ist“, stellt Henkel klar.

Der Ausschuss habe schließlich keinerlei Motivation, irgendeine Partei zu bevorteilen. Auch halte er es „nicht für super angebracht, sich gegenseitig auszuspielen“. Nun seien in dieser Sache zwar die Möglichkeiten ausgeschöpft, und er ist sich sicher, dass sein Kollege alles richtig gemacht hat. „Aber ich werde das noch mal überprüfen.“

Von Eduard Warda