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Fußball vor Ort Helga Gahren aus Göttinger Fußball nicht wegzudenken
Sportbuzzer Fußball Fußball vor Ort Helga Gahren aus Göttinger Fußball nicht wegzudenken
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17:48 28.05.2013
Fußball ist ein Teil ihres Lebens: Helga Gahren mit einem 1984 von HSV-Spielern signierten Ball. Vorn ist das Autogramm von Uli Stein zu sehen.
Fußball ist ein Teil ihres Lebens: Helga Gahren mit einem 1984 von HSV-Spielern signierten Ball. Vorn ist das Autogramm von Uli Stein zu sehen. Quelle: Hinzmann
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Geismar

Heute ist die 74-Jährige, die in Cramme bei Wolfenbüttel das Licht der Welt erblickt hat, nicht mehr aus der südniedersächsischen Fußballszene wegzudenken – sie ist Mitglied des Kreisspielausschusses, seit 1998 Staffelleiterin der Frauen-Ligen des Kreises und hilft bei ihrem Verein RSV 05, wo sie nur kann.

Als Anerkennung hat die Stadt sie für besondere Verdienste um den Sport ausgezeichnet.

„Wo hast du denn gespielt“, werde sie öfter gefragt. Gahren, die heute in einer kleinen Wohnung in einem Mehrparteienhaus in Geismar wohnt, antwortet dann stets: „Ich habe nicht gespielt, ich bin da so reingewachsen.“

Tochter Angelika, die heute 53 Jahre alt ist und in der Nachbarschaft wohnt, sei 1972 „wie ein Junge gewesen.

Die ist dauernd hinter dem Ball hergelaufen.“ Das war beim RSV Geismar. „Dann verlor das Team gegen Sparta mit 0:21 oder 0:22, ich weiß gar nicht mehr, und Angelika fragte: Papa, kannst du uns trainieren?“

„Du kannst doch was machen“

Papa Wolfgang machte es, und weil damals immer auch eine Frau dabei sein musste, fing Mama als Betreuerin gleich mit an beim RSV. Auch Sohn Peter, heute 55 Jahre alt, spielte einige Zeit für Geismar. Ihre Kinder haben Gahren zur dreifachen Oma gemacht.

Als Betreuerin fungierte sie bis 2009, und noch heute ist die resolute Frau bei Heimspielen des RSV 05 an der Kasse tätig. Wer so zuverlässig ist, der kann auch Ausschussarbeit übernehmen, dachte sich Maria Klewe, Frauenausschuss-Vorsitzende des Bezirks Braunschweig.

„Du kannst doch was machen“, sei sie von Klewe aufgefordert worden. Gahren machte. Arbeitete seit 1982 im damaligen Frauenausschuss mit, der 2000 im Spielausschuss aufging, und übernahm erst eine und später dann zwei Staffeln.

„Am Anfang haben wir die Spielpläne handschriftlich vorgeschrieben und mit der Schreibmaschine gedruckt. Mein Keller ist immer noch halbvoll damit“, berichtet Gahren. Als auf Computer umgestellt wurde, fuhr sie zu EDV-Lehrgängen nach Wolfenbüttel.

Ein Herz für Tiere

„Ich hatte ja anfangs vom Computer keine Ahnung, aber ich bin dran geblieben, habe geübt, und schließlich ist es mir leicht gefallen.“ Heute füllt sie im Internet elektronische Spielberichte aus und ist froh, „dass man nicht mehr so viele Sachen aufheben muss“.

1998 kam die Spielausschuss-Arbeit im Kreis Göttingen dazu. „Mir hat das viel Spaß gemacht.“ Dabei war Gahren auch beruflich ziemlich eingespannt.

Ihr Ehemann Wolfgang war zunächst als Berufssoldat in Göttingen stationiert gewesen, trat dann aber in die Fußstapfen seiner Eltern und eröffnete eine Polsterei, in der auch alte Möbel aufgearbeitet wurden.

Helga machte mit. „Aus Liebhaberei“ und weil beide ein Herz für Tiere hatten, folgte das Gahrensche Zoo-Geschäft mit einer 250 Quadratmeter großen Verkaufsfläche in Osterode und einer Filiale in der Göttinger Reinhäuser Landstraße.

Ein Großhandel für Zierfische mit seltenen importierten Exemplaren. „Das hat sich so ergeben“, sagt Gahren, die auch gern einmal Sachen herunterspielt.

Kein Interesse mehr am Karnevalstreiben

24 Jahre lang führte das Ehepaar das Geschäft gemeinsam, bis Wolfgang 1997 starb. Danach machte Helga Gahren noch fünf Jahre allein weiter. Aber der Tod ihres Mannes war ein Schlag, Gahren wollte den Spielausschuss an den Nagel hängen.

„Das kommt gar nicht in Frage“, sei sie von ihren Kollegen gemaßregelt worden. Heute sagt sie: „Die Arbeit hat mir sehr darüber hinweggeholfen.“

Mit ihrem Ehemann war sie Karnevalistin bei der Göttinger Rheintreue. Wolfgang habe damals auf einer Sitzung mit Rita Süßmuth Bratkartoffeln gegessen, erzählt Gahren lachend. Heute aber habe sie kein Interesse mehr am Karnevalstreiben. Treu geblieben ist sie indes ihrem Lieblingsklub HSV.

„Den Horst Hrubesch mochte ich immer gern“, sagt sie. Gahren geht auch nach wie vor zur RSV-Gymnastik, zu ihrer „lustigen Truppe“. Oder sie kegelt einmal im Monat. „Wann kann man dich eigentlich mal zu Hause erreichen“, frage ihre Familie des öfteren im gespielten Zorn. 

„Wenn der erste Freund kommt, sind sie weg.“

Zwar hat Gahren bereits 2007 eine DFB-Verdienstnadel erhalten, von der jüngsten Auszeichnung durch die Stadt sei sie jedoch regelrecht überrascht worden. Viel habe sie dem langjährigen Göttinger Spielausschussvorsitzenden Alfred Bonenberger zu verdanken, der vor einiger Zeit aus Altersgründen zum Rücktritt gedrängt wurde.

„Wenn man den Vereinen geholfen hat und sie dankbar waren“, das waren für Gahren die schönsten Momente ihrer Funktionärslaufbahn. „Da hat man gemerkt: Du kriegst was zurück.“

Sorgen bereiten Gahren die Nachwuchsprobleme im Frauenfußball. „Am Anfang sind die Spielerinnen Feuer und Flamme, aber wenn der erste Freund kommt, sind sie weg.“ Bei den Funktionärinnen sieht es nicht besser aus.

Deshalb will Gahren im neuen Kreis Rosdorf-Osterode noch „eine Periode durchziehen“ – mindestens: Denn sie will ihre Nachfolge nach so vielen Jahren „auch in guten Händen wissen“.

Von Eduard Warda