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Fußball vor Ort Oberliga: Trudelnder 1. SC Göttingen 05 unterliegt 1. FC Wunstorf
Sportbuzzer Fußball Fußball vor Ort Oberliga: Trudelnder 1. SC Göttingen 05 unterliegt 1. FC Wunstorf
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20:12 27.10.2013
Noch einer der besseren 05-Akteure: Mazlum Dogan (l.), der hier gefoult wird. Quelle: Theodoro da Silva
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Göttingen

Und als Vertretung von Stadionsprecher Hubi sitzt Christian Spohr am Mikrofon, der nach einem Platzverweis gesperrt ist. Unterstützung erfährt er von den anderen nicht einsatzfähigen 05-Akteuren – die Aktion, die spontan vom zurückgetretenen Geschäftsführer Jan Steiger organisiert wird, der auch noch den Spielbericht auf den Weg bringt, symbolisiert Zusammenhalt.

Doch selbst eine frühe Führung durch ein Eigentor hilft dem auf einem Abstiegsrang rangierenden Team nicht: 05 verliert am gestrigen Sonntag gegen den Aufsteiger 1. FC Wunstorf mit 2:5 und schlägt sich dabei auch ein bisschen selbst.

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Das erste Tor täuscht nämlich vor nur 224 zahlenden Zuschauern nicht darüber hinweg, dass der 05-Sturm noch immer eine Flaute ist. Beim 1:0 flankt der gestern engagiert und stark aufspielende Dogan von rechts in den Strafraum, wo Stürmer Grzegorz Podolczak den Ball zwar trifft, doch dabei den Torhüter anschießt. Erst der Abpraller wird von Verteidiger Stannehl unabsichtlich zur 05-Führung über die Linie gedrückt (4.).

Nach einer guten Viertelstunde hat Podolczak dann die Chance zum 2:0: Von Horst per Steilpass in Szene gesetzt, erläuft sich der Angreifer zwar den Ball, jedoch nur, um im Anschluss am Wunstorfer Keeper Beissner zu scheitern (16.).

Der nächste Nackenschlag

Von den Gästen ist zunächst bis auf einen überraschenden Außenrist-Versuch von Kabashi, der dabei die Latte trifft (14.), kaum etwas zu sehen. Umso ärgerlicher für Ehrlich ist, dass der Ausgleich durch einen Abwehrpatzer fällt. Lindner, gestern linker Außenverteidiger und recht unglücklich agierend, kann den Ball ins Toraus trudeln lassen, bekommt ihn aber an den Rücken. Saade, umringt von gleich drei 05ern, reagiert gedankenschnell, passt quer auf Behrendt, der nur noch zum 1:1 einzuschieben braucht (24.).

Kurz vor der Pause dann der nächste Nackenschlag: 05-Torwart Holzgrefe kann einen eigentlich harmlosen Kopfball-Aufsetzer von Behrendt nicht festhalten, und Schirrmacher lässt sich die Chance zum 2:1 für Wunstorf nicht entgehen (43.). Zwischen den Toren liegen zunehmend schwerfällige Angriffsbemühungen der 05er und ein vermeintliches Foul an Timocin im Strafraum – ein Elfmeter wäre ein Geschenk des Schiedsrichters gewesen (29.).

Trainer Hans-Jörg Ehrlich, letztes verbliebenes Vorstandsmitglied, sieht das nach dem Spiel anders und führt außerdem ein Foul an Podolczak an: „Für mich hat der Schiri das Spiel entschieden.“ Der Trainer schlägt aber auch die Hände vors Gesicht, als Podolczak einen Pass in den leeren Raum spielt (35.).

Holzgrefe mit einer Glanztat

Die zweite Hälfte beginnt wie die erste: Dogan geht auf rechts durch, flankt in die Mitte, und Podolczak erwischt den Ball nicht richtig, so dass er ins Seitenaus trudelt (53.). 05 versucht, das Spiel zu machen, Wunstorf spielt nun aber sehr geschickt, macht die Räume eng und setzt auf Konter.

Einen Schuss von Saade kann Holzgrefe mit einer Glanztat noch entschärfen (58.), dann aber ist er machtlos – weil erneut seine Vorderleute pennen: Einen Freistoß – hoch und weit in den 05-Strafraum geschlagen – nickt Schirrmacher bei nunmehr strömendem Regen zur Vorentscheidung ein (63.).

Ehrlich wechselt nun mit Washausen und Huck zwei nicht ganz fitte Spieler ein, die jedoch neuen Schwung bringen, aber keinen zählbaren Erfolg. So wird ein Gewaltschuss von Washausen vom Wunstorf-Keeper gerade noch so vor der Torlinie pariert (75.).

05 zerreißt sich in der Folge, bleibt aber glücklos: Der eingewechselte Alker versenkt zunächst aus zentraler Position einen von Horst verursachten Freistoß (88.) und dann einen Konter zum 5:1 (89.). Lediglich Ergebniskosmetik ist ein verwandelter Handelfmeter von Horst zum Endstand (90.)

Ein Karnevalsverein ist 05 noch nicht

Horst, der die Verunsicherung auch auf das junge Durchschnittsalter der Mannschaft zurückführt, ärgert sich: „Wir spielen die teilweise an die Wand und verlieren dann doch so eine Partie.“ Ehrlich verweist auf viele Ausfälle sowie die mangelhafte Chancenverwertung und gibt als Saisonziel den Klassenverbleib aus.

Auf die Frage, wie es in der nächsten Woche beim trudelnden Verein weitergeht, antwortet der Trainer: „Ich mache gerade alles allein und muss gucken, wie belastbar ich bin.“ Am heutigen Montag soll eine neue Einladung zur außerordentlichen Mitgliederversammlung mit dem zusätzlich aufgenommenen Tagesordnungspunkt Neuwahlen erstellt werden, dann müssen zwei Wochen vergehen bis zum Termin. „Der 11.11. wäre doch nicht schlecht“, sagt Ehrlich.

Ein Karnevalsverein ist 05 noch nicht. Aber ein angeschlagener Klub. Hoffnung macht der Zuspruch der Fans, die per Flugblatt zur Rettung des Klubs aufrufen und auch zehn Minuten nach dem Abpfiff noch Sprechchöre anstimmen. Mit einem „Danke, Jan“-Transparent haben sie sich zuvor von Ex-Geschäftsführer Steiger verabschiedet, der die Partie mit seiner Freundin von der Stehtribüne aus verfolgt.

Über dieser entsteht in der zweiten Hälfte ein Regenbogen, gerade als die finanziell angeschlagenen 05er Gegentore kassieren. „Vielleicht steht am Ende ja ein Goldtopf“, sagt ein 05-Spieler in der Sprecherkabine.

05: Holzgrefe – Timocin, Horst, Keseling, Lindner (71. Huck) – Hesse, Pampe – Dogan, Bruns, Moreno-Morales (63. Washausen) – G. Podolczak (70. Souleiman). – Tore: 1:0 Stannehl (4./ET), 1:1 Behrendt ( 24.), 1:2, 1:3 Schirrmacher (43., 63.), 1:4, 1:5 Alker (88., 89.), 2:5 Horst (90./HE).

Von Eduard Warda