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Fußball vor Ort Peter Dieckmann: Seit 25 Jahren Schiedsrichter für die SVG Göttingen
Sportbuzzer Fußball Fußball vor Ort Peter Dieckmann: Seit 25 Jahren Schiedsrichter für die SVG Göttingen
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19:14 19.07.2013
In Aktion: Peter Dieckmann auf dem Rosdorfer Sportplatz.
In Aktion: Peter Dieckmann auf dem Rosdorfer Sportplatz. Quelle: Pförtner
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Göttingen

Deshalb ist der 63-jährige Fußball-Schiedsrichter geworden. Mittlerweile sorgt der SVGer seit 25 Jahren für Gerechtigkeit auf den Sportplätzen.

Zwar pfeift Dieckmann seit drei Jahren aus Altersgründen nicht mehr Spiele der Kreisliga. Partien der 1. Kreisklasse leitet er jedoch nach wie vor und kennt dabei das Regelwerk aus dem Effeff. Einmal pro Jahr nimmt er am obligatorischen Test teil, bei dem 30 Regelfragen zu beantworten sind. Die körperliche Leistungsfähigkeit wird per Cooper-Test überprüft.

Als 20-Jähriger spielte der „waschechte Göttingen“, als der er sich bezeichnet, zunächst Großfeldhandball bei der SVG. Als Fußballer zeichnete er sich als Verteidiger aus.

Dann, im Alter von 38 Jahren, folgte am 10. Februar 1988 der Schiedsrichter-Lehrgang, zu dem er vom SVG-Kameraden Manni Ahlborn überredet wurde. Aus Spaß am Job des Unparteiischen habe er bereits vorher Spiele der dritten Mannschaft gepfiffen, verrät er.

Grenzposten gehörten quasi zu den Zuschauern

Für den Bezirk war er allerdings etwas alt, verzichtete darauf und nahm hier lediglich die Aufgaben eines Assistenten wahr. Dafür gehörte er 1990 zu den ersten und einzigen Austausch-Schiedsrichtern mit Thüringen. „Das war schlimm, es wollte keiner hin“, berichtet er. Feindseligkeit sei ihm entgegengeschlagen. „Wir ziehen die Mauer wieder hoch“, sei gegrölt worden.

Die schönen Erlebnisse überwiegen jedoch. Erinnerungen etwa an den alten Platz in Walkenried in der Nähe der innerdeutschen Grenze. Der ehemalige SVG-Manager Joachim Lüdecke pfiff, Dieckmann war an der Linie. „Wenn du richtig hinter den Ball gehauen hast, war der drüben“, erzählt er – vorbeigeflogen an zwei Wachtürmen. Die Grenzposten gehörten quasi zu den Zuschauern der Spiele.

Damals war Dieckmann bereits unter dem Spitznamen „Gemüsefuß“ bekannt: Der gelernte Elektriker war in seiner Heimat, der Göttinger Südstadt, 23 Jahre lang Marktleiter eines kleinen Lebensmittelhandels. Heute beherbergt das Geschäft eine Weinhandlung. Dieckmann arbeitete später als Hausmeister.

Noch nicht eine rote Karte gezeigt

22 Jahre lang war der Schiedsrichter verheiratet, ein Sohn und eine Tochter haben ihn zum fünffachen Großvater gemacht. An den Schiedsrichter-Ruhestand denkt der 63-Jährige jedoch noch lange nicht. „Ich mache so lange weiter, wie ich kerngesund bin“, sagt er. Denn Dieckmann hat eine Mission zu erfüllen.

Ihm werde am ehesten zugetraut, vermeintliche Problemteams wie Türkgücü zu pfeifen. „Ich habe noch nicht eine rote Karte zeigen müssen. Die akzeptieren jeden Pfiff von mir.“ Der Trick sei, vorurteilslos an die Sache heranzugehen. „Wer einmal den Mund aufmacht, erhält Gelb – so geht das nicht. Es eskaliert erst dann, wenn die sich ungerecht behandelt fühlen.“

Dem Nachwuchs, der es heute wegen zunehmender Beleidigungen durch Zuschauer nicht einfach habe, wünscht er ein dickes Fell. Das hatte er auch, und deshalb sagt er nach 25 Jahren an der Pfeife: „Wenn es mir nicht so viel Spaß gemacht hätte, wäre ich nicht so lange dabei geblieben.“

Von Eduard Warda