Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Fußball vor Ort RSV 05 geht in Berufung
Sportbuzzer Fußball Fußball vor Ort RSV 05 geht in Berufung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:38 06.02.2012
Manchmal versteht man die Welt nicht mehr: RSV-Torjäger Özkan Beyazit verschießt im Spiel gegen Rehden einen Foulelfmeter.
Manchmal versteht man die Welt nicht mehr: RSV-Torjäger Özkan Beyazit verschießt im Spiel gegen Rehden einen Foulelfmeter. Quelle: CR
Anzeige
Göttingen

Seit Sonntagabend, 4. Februar, liegt die Urteilsbegründung des Sportgerichts vor, und gestern Abend entschieden sich die Göttinger Beteiligten und Verantwortlichen in beiden Fällen vor dem Obersten Verbandssportgericht in Berufung zu gehen – im Fall Keseling wegen des Strafmaßes, im Fall Horst wird die Tat bestritten.

 In der Urteilsbegründung stellt der Verbandssportgerichtsvorsitzende Johannes Budde klar, dass Keselings Strafmaß auf dessen Äußerungen „Verpiss dich, du schwarzes Schwein. Du trittst wie ein Elefant. Aus welchem Zoo haben sie dich rausgelassen?“ zurückgeht. Diese Beleidigungen habe Keseling vor Gericht auch zugegeben, die Zoo-Äußerung sei von BV-Akteur Jonas Wrangler bezeugt worden, der sie um die 70. Minute gehört haben will.

 Christian Horst bestreitet hingegen, Assinuoko mit den Worten „Verpiss dich, du schwarzes Schwein, und fass mich nicht an. Aus welchem Zoo haben sie dich entlassen? In unserem Land hast du ja nichts zu suchen“, beleidigt zu haben. Er habe lediglich „Hau mal ab, du trittst wie ein Pferd“ gesagt. Horsts Vergehen, so das Gericht, werde dadurch belegt, dass Assinuoko frühzeitig seinen Mitspieler Rogier Krohne darauf aufmerksam machte. Krohne habe sie in der Verhandlung jedoch nicht eindeutig einem Gegenspieler zuordnen können.

 Außerdem sei Assinuoko beim Schiedsrichter vorstellig geworden und habe in der Pause zudem das Trainerteam informiert. Weil der Stürmer widerspruchsfrei geblieben sei, seien dessen Aussagen „schlüssig und glaubhaft“. Das Sportgericht sei deshalb überzeugt, „dass die Äußerungen von Seiten des Spielers Horst tatsächlich auch so gefallen sind“. Sätze wie „In unserem Land hast du ja nichts zu suchen“ seien rassistische Äußerungen und erfüllten den Tatbestand des diskriminierenden Verhaltens.

 Beide Spieler müssen nun jeweils 391,40 Euro an Geldstrafe und Verfahrenskosten zahlen. Auch für die Berufungsverhandlung müssen sie aufkommen. „Keseling hat die Tat eingeräumt, und er ist ein juristischer Ersttäter. Sein Strafmaß ist zu hoch“, sagte der Göttinger Anwalt Karl-Heinz Mügge gestern gegenüber dem Tageblatt. Das Gericht sei eine Erläuterung schuldig geblieben, nach welchen Kriterien sich die Höhe der Strafe richtet. „Wir wollen hier nichts relativieren. Die Tat ist nach vorangegangenen Provokationen vielleicht nachvollziehbar, aber nicht zu rechtfertigen.“

 Im Fall von Horst ziehe sich das Gericht auf die Behauptung zurück, Assinuoko habe keinen Grund gehabt zu lügen. Zugleich habe der Spieler aber bestritten, seine Gegenspieler als Nazis bezeichnet zu haben. Das wiederum hätten Zeugen, Spieler des RSV 05, bestätigt. „Er hat also eben nicht differenziert ausgesagt“, so Mügge.

 Allerdings beziffert der Anwalt die Erfolgschancen einer Berufung als eher schlecht. „Das Oberste Verbandssportgericht ist sicherlich objektiv, wird aber versuchen, erst mal das Urteil der unteren Instanz zu halten.“ Mügge kann sich „gut vorstellen, dass das Gericht die Protagonisten noch mal anhört“. RSV-Manager Jan Steiger unterstrich, man wolle nichts entschuldigen, es sei aber festzustellen, dass andere Sportgerichte in vergleichbaren Fällen anders sanktioniert haben.

 Steiger liegt nicht nur das Urteil im Magen, sondern auch die 0:1-Pleite gegen Rehden. „Das war ein richtungsweisendes Spiel“, sagte er gestern im Hinblick auf eine mögliche Regionalligaqualifikation. Nun werde es „verdammt schwer, noch Vierter oder Fünfter zu werden“. Dritter ist nach der Eröffnung der Insolvenzverfahren gegen Emden und Nordhorn in der bereinigten Tabelle – die Spiele von Emden und Nordhorn werden nicht mehr berücksichtigt – der SC Langenhagen. Auch die Hannoveraner müssen vorerst auf einen Spieler verzichten: Das Verbandssportgericht sah es als erwiesen an, dass SC-Akteur Caglayan Tunc den Schiedsrichter bei einem Hallenturnier Nazi-Schwein genannt hat und verhängte eine dreimonatige Sperre.

Von Eduard Warda

Mehr zum Thema

Mit dem Nachholspiel gegen den BSV SW Rehden startet Fußball-Oberligist RSV 05 am Sonntag, 5. Februar, um 14 Uhr im Jahnstadion ins neue Jahr. 

Michael Geisendorf 03.02.2012

Mit Bestürzung haben am gestrigen Donnerstag die Verantwortlichen und betroffenen Spieler des Fußball-Oberligisten RSV 05 auf das Urteil im Verfahren wegen diskriminierender Beleidigung reagiert.

02.02.2012

Das Verbandssportgericht des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) hat die beiden Innenverteidiger des Oberligisten RSV 05 Julian Keseling und Christian Horst für jeweils drei Monate gesperrt. Das Gericht sah es damit als erwiesen an, dass die beiden Spieler den Stürmer des BV Cloppenburg, Lincoln Assinuoku, diskriminierend beleidigt haben.

02.02.2012