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Fußball vor Ort Rasenplätze der Region durch große Trockenheit in Mitleidenschaft gezogen
Sportbuzzer Fußball Fußball vor Ort Rasenplätze der Region durch große Trockenheit in Mitleidenschaft gezogen
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18:47 25.07.2013
Vergleichsweise guter Zustand: Rasen des Göttinger Jahnstadions mit Platzwart Martin Burkert.
Vergleichsweise guter Zustand: Rasen des Göttinger Jahnstadions mit Platzwart Martin Burkert. Quelle: Vetter
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Göttingen

Es sind Arbeiten, die von der Instandhaltung der Gebäude bis zur Pflege der Rasenflächen reichen. Vor allem die Sportplätze füllen einen Großteil von Burkerts Arbeitszeit aus.

Bei den momentanen Spitzentemperaturen von bis zu 35 Grad habe der Jahn-Sportpark den Vorteil, so Burkert, über eine Pumpe zu verfügen, die das Wasser mit „8,5 bar direkt aus der Leine holt“. So kommt der von der Sonne geplagte Rasen zweimal in der Woche in den Genuss von Wasser. Zwischen 18 und 20 Liter prasseln dann auf jeden Quadratmeter nieder. Für den 7276 Quadratmeter großen A-Platz des Sportparks summieren sich so rund 1,5 Millionen Liter Wasser pro Woche. Doch dabei bleibt es nicht: An drei Tagen der Woche, Montag, Mittwoch und Freitag, wird der vom 1. SC 05 frequentierte Platz gemäht.

Platzwarte mit altbewährten Methoden

Allerdings hat nicht jeder Verein der Region das Glück, seine Stätten so nah an einem fließenden Gewässer gebaut zu haben. Zudem müssen diese Sportplätze ohne die professionellen Dienstleistungen der GoeSF auskommen. Oftmals haben vor allem die kleinen Sportvereine aus der Umgebung Probleme. Hier müssen dann Platzwarte mit altbewährten Methoden wie Wasserschläuchen versuchen, dem extremen Wetter zu trotzen. Plätze sehen zum Teil trotzdem aus „wie Steppe“, so Burkert.

Wassermangel ist im Moment auf allen Fußballplätzen der Republik ein Problem. Bernd Hövener, Gartenbauingenieur bei der Münsteraner Firma Compo, stellt klar, dass die benötigte Wassermenge je nach Bodenbeschaffenheit variiert. Hövener war 2006 verantwortlicher Greenkeeper des Trainingslagers der mexikanischen Fußball-Nationalmannschaft in Göttingen. Der Experte rät, sandige Böden, wie es sie in Norddeutschland gibt, täglich mit weitaus größeren Mengen zu wässern als etwa südniedersächsische Lehmböden.

Höhe des Schneidwerks variieren

Beim Mähen ist zu beachten, die Höhe des Schneidwerks zu variieren, so dass „der Boden beschattet bleibt und nicht so schnell austrocknet“. Folgt man Höveners Ausführungen, können Rasenflächen   trotz der sengenden Hitze durchaus vor Austrocknung bewahrt werden. In dieser Hinsicht gelte vor allem der Wahlspruch: „Hilfe zur Selbsthilfe.“ Außerdem sei „auf eine kalianteilige Düngung zu achten“, erläutert Hövener. Eine solche Düngung reguliere die Verdunstung. „So können Pflanzen die Hitze besser vertragen. Eine gut ernährte Pflanze verträgt Hitze besser als eine schlecht ernährte.“

Es sei immer wichtig, niemals in der prallen Mittagssonne den Rasen zu wässern, das bestätigen sowohl Burkert als auch Hövener. Die Blätter drohten, zu verbrennen, unterstreicht der Münsteraner. Für einen effektiven Kühleffekt wie für den Menschen bei einer kalten Dusche sorge hingegen kurzzeitiges Besprengen: Das Wasser verdunste schnell, und die Pflanze werde gekühlt.

Rasenflächen irreparabel verbrennen

Doch nicht immer lässt sich der Gluthitze trotzen. Wegen der hohen Kosten für Wasser würden einige Rasenflächen nicht ausreichend bewässert werden und so irreparabel verbrennen. Geschieht dies bei begonnenem Spielbetrieb, so wird dem Boden zusätzlicher Schaden zugefügt. Viele kleine Vereine haben mit kaum bespielbaren und dazu unansehnlichen Plätzen zu kämpfen. Wilfried Herborg, Kassenwart der SG Niedernjesa, bezeichnet den Platz der Gemeinde als eine „Wüste“. Trotz Sandung und Lochung steht der nahende Saisonbeginn in den Sternen.

„Die Verletzungsgefahr ist einfach zu hoch.“ Ein Ausweichen auf den benachbarten Reinhäuser Sportplatz scheint kaum möglich, da dort die Mannschaften des TSV Bremke/Ischenrode trainieren. „Das ist ja auch eine andere Gemeinde.“ Im Gespräch hört man Wiborg die Resignation an. Hövener schätzt die Kosten einer professionellen Erneuerung auf rund 4000 Euro. Niedernjesa kann momentan nur auf viel Regen hoffen.

Von Sven Jenssen