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Fußball vor Ort Yusuf Beyazit aus Marzhausen verteidigt Tageblatt-Torjäger-Pokal
Sportbuzzer Fußball Fußball vor Ort Yusuf Beyazit aus Marzhausen verteidigt Tageblatt-Torjäger-Pokal
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23:41 31.07.2015
Yusuf Beyazit fühlt sich auf dem Fußballplatz wohler als auf Bellas Rücken. Sohn Lian mag beides.
Yusuf Beyazit fühlt sich auf dem Fußballplatz wohler als auf Bellas Rücken. Sohn Lian mag beides. Quelle: Heller
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Marzhausen

28 Tore später sitzt der 36-Jährige mit flauem Bauchgefühl auf dem Rücken der Hannoveraner-Stute Bella, auf der er sonst höchst selten aufsitzt. „Um das Foto kommst du nicht herum“, hatte seine diebisch-lächelnde Frau Vera der wandelnden Tormaschine des Fußball-Bezirksligisten SG Lenglern befohlen.

 
Auf dem sprichwörtlichen hohen Ross sitzt der sympathische und geerdete Beyazit deshalb keineswegs. „Einen Pokal holst du nie alleine“, betont er. So sei es eine Selbstverständlichkeit, dass die Trophäe sich zur im Vorjahr gewonnenen ins Vereinsheim der SG Lenglern gesellt: „Mit schönen Grüßen an die Rentner, die freuen sich.“ Außerdem weiß der Marzhäuser ob der Vielzahl der während seiner Karriere gewonnenen Cups ohnehin nicht wohin mit dem Staubfänger. „Vielleicht solltet ihr anstatt eines Pokals einen Präsentkorb oder Gutschein für Sportläden ausloben“, schlägt Beyazit vor. „Oder einen Wellnessgutschein für alte Leute wie Yusuf“, ergänzt seine Frau.

 
Das Alter ist dem im türkisch-kurdischen Elazig geborenen Laufwunder, dem die Werder-Bremen-Legende Dieter Eilts einst das Sprunggelenk brach, allerdings nicht im Entferntesten anzumerken. Lediglich am Anfang der Vorsaison schien es so, als habe er seine Torgefahr eingebüßt. „Da lief es bei mir und der Mannschaft nicht, aber ich habe mir keinen Kopf gemacht, sondern bin unbekümmert geblieben“, erinnert sich der Vater des dreijährigen Wirbelwinds Lian. Dann kam das Spiel gegen den SV Südharz Walkenried. 1:0 gewonnen. Torschütze: Yusuf Beyazit. „Da haben wir die Kurve gekriegt“, erklärt der Matchwinner, dessen Name fortan wieder verlässlich Montag für Montag hinter dem Schlagwort „Tore“ in der Zeitung auftauchte. Einzig der 40-jährige Sparta-Methusalem Rico Weiß, Beyazits Freund und früherer Teamkamerad, hielt in der Torjägerliste Schritt, musste sich letztlich aber auch geschlagen geben. Resultat: Beyazit ist der erste Fußballer, dem es gelungen ist, den Tageblatt-Torjäger-Pokal zu verteidigen.

 
Den Trophäen-Hattrick will der Familienmensch nicht garantieren. Im Gegenteil: „Ich habe es geschafft, den Pokal als Erster zu verteidigen. Jetzt würde es mich sehr freuen, wenn auch mal ein junger Spieler ihn gewinnt“, versichert Beyazit. Dabei hofft er speziell auf Youngster Marcel Heimbüchel, dem er als neuer Spielertrainer in Lenglern künftig alle Tricks und Kniffe, die einen Goalgetter ausmachen, beibringen kann. Die Coaching-Aufgabe geht der Routinier mit großem Elan an. „Ich investiere viel Zeit in die Vorbereitung, informiere mich über moderne Aufwärmprogramme und neue Spielformen. Das macht viel Spaß, zumal bei uns eine regelrechte Aufbruchsstimmung herrscht“, sagt Beyazit, der sich an der Spielweise von Pep Guardiola und den Emotionen von Jürgen Klopp orientiert. Viel könne er von seinem ehemaligen Trainer Kalle Dybowski mitnehmen: „Der hat dir vor jedem Spiel den Eindruck vermittelt, dass du unbesiegbar bist.“ Mit 15 bis 20 Toren und einer Platzierung zwischen Rang fünf und zehn sei er zum Saisonende zufrieden, sagt der Stürmer. „In erster Linie will ich als Trainer dazulernen.“

 
Nicht gelernt zu haben, scheint er hingegen, was großspurige Ankündigungen betrifft. Bevor es zum Kicken mit Lian geht, verkündet Beyazit: „Nächstes Jahr machen wir das Pokal-Foto dann in unserer nagelneuen Sauna.“