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Burgturnier 2014 Burgturnier Hardenberg: Roger Yves Bost gewinnt Gothaer Trophy
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21:52 25.05.2014
Projektion oder Wirklichkeit? Das spektakuläre 3D-Videomapping gibt der Burgruine beinahe sekündlich ein neues Antlitz. Quelle: Pförtner
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Ganze zehn Paare muss der 48-jährige amtierende Europameister beim Versuch beobachten, seine 39,40 Sekunden auf der Siegerrunde zu knacken.

Nicht nur einmal muss er gewaltig um seine Führung bangen. Doch als die nach dem ersten Umlauf führenden Amazonen Jessica Mendoza (Großbritannien) und Lauren Hough (USA) 41,83 und 41,27 Sekunden benötigen, um die neun bis zu 1,45 Meter hohen Hindernisse zu überwinden, steht fest, dass sich „Bosty“ bei der Siegerehrung feiern lassen darf.

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Als Original wird der zweimalige Sieger des Nationenpreises von Aachen beschrieben. Einer, der durch seinen eigenwilligen Stil beim Reiten und Überwinden der Hindernisse bekannt geworden ist. Diesem Ruf wird der zweifache Vater unter Flutlicht eindrucksvoll gerecht.

Husarenritt

Nach einem fehlerfreien Sicherheitsritt und nur der elftbesten Zeit der 15 Finalteilnehmer im ersten Umlauf, zeigt Bost im Stechen im wahrsten Sinn einen Husarenritt. Auf dem zehnjährigen Schimmel Quaoukoura du Ty saust er in halsbrecherisch anmutendem Tempo durch den Parcours und nimmt die Wendungen derart eng, dass der Sand mehrere Meter aufgewirbelt wird. Das Publikum honoriert den wilden Ritt mit großem Jubel.

Doch beim fünftletzten Paar ist es um Bosts Führung praktisch schon geschehen. Der schnelle Schwede Henrik von Eckermann fliegt auf seiner Stute Toulouse durch den Kurs. Schon beim Anlauf auf die finale Hürde ist klar, dass die Zeit locker zur Führung reichen wird. Nur der Gothaer-Oxer steht den beiden noch im Weg.

Toulouse setzt zum Sprung an, hat sicher die Höhe, doch mit dem Huf seines Hinterlaufs stößt sie die oberste Stange herunter. Die Uhr stoppt bei 38,42 Sekunden. Doch die vier Strafpunkte bringen das Duo um den Sieg. Beim allerletzten Hindernis.

Lamüe um Lampe wird ausgeknipst

Als wäre die Dramatik im Parcours nicht schon ausreichend, erhöhen die Veranstalter den Spannungsbogen vor dem anstehenden Showprogramm tatsächlich noch einmal. Erst verstummen die Wollbrechtshäuser Blasmusikanten, dann wird Lampe um Lampe ausgeknipst.

Den Gesichtsausdrücken auf der prall gefüllten Reitfläche nach zu urteilen, freuen sich selbst die zuschauenden Senioren wie kleine Kinder auf das mit Pauken und Trompeten angekündigte 3D-Videomapping der Göttinger Firma „dluxe:media“. Dabei wird die Burgruine als Leinwand für eine spektakuläre und verblüffend realistische Lasershow genutzt.

Die beginnt mit einem Schock: Die eben noch bunt gefärbte Burgruine stürzt ein. Urplötzlich ist nichts mehr von ihr zu sehen. Es dauert aber nur Sekundenbruchteile, bis sie per Laser wieder aufgebaut wird und über dem Turnierplatz in den hellsten Farben erstrahlt.

Geschichte der Burg wird erzählt

Ihr Antlitz verändert sich sekündlich. Es wirkt, als bewegen sich die Steine vom Betrachter weg und wieder hin. Mit Videos von Kampf, Belagerung und Reitturnieren, die auf die Fassade projiziert werden, wird die Geschichte der Burg, untermalt mit pathetischer Musik, erzählt.

Der große Brand ist mit lodernden Flammen sogar derart realistisch dargestellt, dass es nicht verwundern würde, wenn besorgte Bürger aus Nörten die Feuerwehr alarmiert haben. Mitten im Inferno das stärkste Bild der Show: die signifikante Keiler-Silhouette, überdimensional eingebrannt auf die Ruinenfassade.

Beinahe noch einen obendrauf setzt das traditionelle Feuerwerk zum Abschluss. Die verantwortlichen Pyrotechniker präsentieren ihr komplettes Repertoire: wasserfällähnliche Funken, die von der Ruine hinab regnen, Pyro-Fontänen und ein riesiger Feuerregen, der erst knapp über den Köpfen der Zuschauer verglimmt.

Der Himmel stürzt ein

Dazu gibt es Knaller, die das Potenzial besitzen, Trommelfelle zum Zerbersten zu bringen und das Gefühl vermitteln, der Himmel stürze ein. Und welche Rakete kann schon von sich behaupten, dass ihre Druckwelle nach der Explosion noch gute 200 Meter unter ihr spürbar ist?

Fast schon selbstredend, dass die Otto-Bock-Trophy zu Beginn des Abends den Folgewettbewerben in Sachen Spannung in nichts nach steht. Mit der Winzigkeit von einer Hundertstelsekunde Vorsprung gewinnt Hartwig Rohde auf Castella das Zeitspringen. Der Wunsch, mit Wish ganz oben zu stehen, geht für die zweitplatzierte Jessica Springsteen hauchdünn nicht in Erfüllung. Beim staunenden Publikum bleibt hingegen kein Wunsch offen.

Von Rupert Fabig

Vom 22. bis 25. Mai findet wieder das jährliche Springreit-Turnier zu Füßen der Burgruine Hardenberg auf dem Gräflichen Landsitz statt.