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Sotschi 2014 6000 Zuschauer feiern Stefan Lösler bei der Para-Snowboard-Premiere
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18:46 14.03.2014
Von Mark Bambey
Sturz knapp 100 Meter vor dem Ziel:  Stefan Lösler landet in seinem dritten Lauf im Fangzaun, setzt das Rennen aber fort... Quelle: Kuckuck
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Krasnaja Poljana

Nach der Paralympics-Premiere der jungen Sportart hat das Internationale Paralympische Komitee nun die Gewissheit: Die Winter-Paralympics sind um eine spektakuläre und publikumswirksame Sportart reicher. Und der Deutsche Stefan Lösler bekam in Rosa Khutor den frenetischsten Applaus.

Es passiert Lösler im dritten Lauf knapp 100 Meter vor der Ziellinie: 6000 Augenpaare sind auf ihn gerichtet, als er bei einem Sprung die Kontrolle verliert und in den Fangzaun katapultiert wird. Das erschreckte Seufzen aus 6000 Kehlen schlägt jedoch schnell in euphorischen Applaus um, als sich der 29-jährige Oberschenkelamputierte den Hang hinauf zurück auf die Piste quält und das Rennen beendet.

Ob durch Regieanweisung oder Zufall tönt aus den Boxen die Rockversion von „The Eye of the Tiger“, dem Filmmusik-Klassiker aus Rocky III. „Aufgabe ist keine Option“, sagt Lösler später und betont: „Die Paralympics sind etwas ganz Besonderes, eine super schöne, tolle Veranstaltung.“

Dass er mit den Top-Platzierungen nichts zu tun haben wird, war Lösler, der 22. wurde, aufgrund seiner schweren Behinderung und des fehlenden Klassifizierungssystems lange vor dem Wettkampf bewusst. In ihrer eigenen Liga jagten drei Boarder aus den USA den technisch anspruchsvollen Kurs mit seinen „Berms“ genannten Steilkurven und als „Roller“ oder „Wutang“ bezeichneten Sprungelementen hinunter.

Enormer Altersunterschied

Evan Strong war am Ende der stärkste und gewann in 1:43,61 Minuten vor Michael Shea (1:44,18) und Keith Gabel (1:47,10). Außergewöhnlich war auch der enorme Altersunterschied im 33-köpfigen Männer-Feld: So ist der jüngste Teilnehmer Ben Tudhope aus Australien im Dezember gerade erst 14 Jahre alt geworden. Der älteste Snowboarder war mit 48 Jahren der Österreicher Georg Schwab.

Trotz der großen sportlichen Konkurrenz war der Umgang untereinander ausgesprochen fair. Lösler sprach sogar von „unserer kleinen Familie.“ Das imponierte auch Karl Quade: „Snowboarder pflegen ja gerne ihr Image, unangepasst und eher wild zu sein. Bei den Paralympics hat sich hier eine Gruppe präsentiert, die sehr sympathisch ist, weil sie sich sehr viel untereinander hilft.“

Angetan vom Para-Snowboard-Cross sagte der Chef de Mission: „Die Sportart tut dem Paralympics-Programm gut, denn sie ist enorm attraktiv für junge Sportler und Zuschauer.“ Gemeinsam mit den Athleten feierten die Zuschauer auf der Tribüne eine riesige Party.

Für die passende Musik sorgte ein DJ, der rockige Beats und sattes Gitarren-Riffs aus den Boxen tönen ließ. Die bisweilen waghalsigen Sprünge der unangepassten Athleten wurden so unter anderem durch Alternative- oder Punk-Rock-Hymnen von Bands wie „The Offspring“ oder den „Foo Fighters“ untermalt.

Spiele in Südkorea ein Ziel

Dass bereits 2018 eine weitere neue Sportart bei den Winter-Paralympics Premiere feiern wird, schließt Quade aus. Es gebe allerdings immer wieder Bestrebungen, den doch recht überschaubaren Sportarten-Kanon auszubauen.

„Aktuell gab es die Initiative, 2018 in Pyeongchang Bobfahren ins Programm aufzunehmen. Der internationale Bobverband bekommt es allerdings nicht hin, bis dahin internationale Wettkampfserien zu installieren. Deswegen wird das nichts“, sagte Quade.

Für Lösler sind die Spiele in Südkorea auch ein Ziel. Vielleicht findet bis dahin auch die Variante Parallel-Slalom Einzug ins Programm. „Es gibt zwar noch keine Wettkämpfe, aber das würde mir mit meinem Race-Board sehr entgegenkommen“, sagt der Elektrotechnik-Student. Und dann wird er vermutlich auch nicht mehr der einzige deutsche Starter sein.

„Bis dahin gibt es eine Nationalmannschaft, es haben sich schon fünf Interessierte bei mir gemeldet“, sagt Lösler. Für die Entwicklung der jungen Sportart hat der ehrgeizige Athlet einen innigen Wunsch: „Ich hoffe, dass es bis dahin ein Klassifizierungssystem gibt, damit die Vergleichbarkeit der Athleten fairer ist.“