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Sotschi 2014 Anna Schaffelhuber gewinnt im Riesenslalom ihre fünfte Goldmedaille
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20:35 16.03.2014
Von Mark Bambey
Medaillen im Fünferpack: Anna Schaffelhubers Traum von fünf Gold-Medaillen ist wahr geworden. Quelle: dpa
Krasnaja Poljana

Das „Küken“ von Vancouver 2010 ist zur idealen Botschafterin des Behindertensports gereift. Mit ihren fünf Goldmedaillen hat sie nun die Chance, für die kommende Dekade das deutsche Gesicht der Winter-Paralympics zu werden.

„Ich freue mich wahnsinnig, auch wenn es alles noch nicht richtig angekommen ist. Ich wusste, dass ich theoretisch in jeder Disziplin gewinnen kann, aber ich hätte niemals gedacht, dass das klappt“, sagt die 21-jährige Monoskifahrerin überglücklich. „Ich warte noch darauf, aufzuwachen. Ich kann es gar nicht glauben.“

Um auf den Pisten des Ski-Resorts Rosa Khutor so dominant aufzutrumpfen, hat Schaffelhuber extrem hart trainiert. Die Bronzemedaillen-Gewinnerin von Vancouver 2010 gilt als sehr fleißig und willensstark. Bereits im Alter von fünf Jahren raste sie die Hänge in ihrer Heimat Bayern herunter. Dadurch, dass sie seit ihrer Geburt querschnittsgelähmt  ist, hat sie sich nie ausbremsen lassen.

Behinderung werde durch die Gesellschaft

„Wo ist der Unterschied, ob ich die Straße hinunterrolle oder laufe oder auf einem oder zwei Ski den Berg runterfahre?“, fragt die Bayerbacherin.  Behinderung werde durch die Gesellschaft gemacht, wenn sie durch Treppen behindert werde oder auf ihre Behinderung hingewiesen werde.

Einer ihrer größten Förderer ist Friedhelm Julius Beucher. Der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes war sich schon während der Spiele sicher, dass „Anna eine ganz Große wird. Sie ist ja noch sehr jung, ihre Entwicklung noch längst nicht am Ende. Aber trotzdem bringt sie diese Coolness mit. Sie ist bodenständig und sympathisch.“

In der Tat war es beeindruckend, wie die junge Frau den Medienrummel und das Disqualifikations-Chaos im Slalom weggesteckt hat. Auch wenn sie sagt, dass dies eine der schwierigsten Zeiten war, die sie bisher gehabt habe. Den Zusammenhalt im Team während der zwischenzeitlichen Disqualifikation bezeichnet Schaffelhuber als „mein eigentliches Highlight der Spiele – nicht die fünf Goldmedaillen“.

Ringen um Öffentlichkeit

„Wichtig ist, dass unser Sport nicht nur alle vier Jahre für die kurze Zeit der Paralympics in den Medien ist“, sagte sie den Journalisten in Sotschi in strengem Ton, als die Kritik an den sehr kleinen Startfeldern im Frauen-Wettbewerb und der Frage nach der Talentförderung aufgekommen war. Ob die verbissen-ehrgeizig wirkende 21-Jährige dabei auch ihre eigene Vermarktung vor Augen hatte, bleibt Spekulation.

Doch der Kampf, in den langen vier Jahren bis zu den nächsten Paralympics nicht wieder aus dem Fokus der Medien und der Öffentlichkeit zu verschwinden, wird hart werden. Ähnlich wie Heinrich Popow, Goldmedaillen-Gewinner über 100 Meter in London 2012, hat sich Schaffelhuber eine Marketing-Agentur gesucht, die sie im Ringen um Öffentlichkeit und Sponsoren unterstützen soll.

Ihr Werbewert übersteigt die 20 000 Euro Gold-Prämie problemlos. Dass Schaffelhuber irgendetwas dabei dem Zufall überlässt, ist unwahrscheinlich. Ein Beispiel dafür war auch ihr Auftritt im ZDF-Sportstudio eine Woche vor dem Beginn der Paralympics – dabei hatte Schaffelhubers Karriere damals noch gar nicht begonnen.

Kein Urlaub geplant

Zeit zum Relaxen oder vielleicht ein Urlaub in ihrem Lieblingsland Neuseeland ist nicht geplant. Ihre Konzentration gelte jetzt wieder dem Jurastudium. Staatsanwältin zu werden, geht sie genauso engagiert an, wie ein Medaillen-Rennen bei den Paralympics. Selbstverständlich habe sie den Anspruch, ihr Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität in München in der Regelstudienzeit abzuschließen, verriet Teamsprecher Kevin Müller.

Da im vergangenen Winter allerdings ihre komplette Konzentration auf den Paralympics gelegen habe, steht sie nun vor einem arbeitsintensiven Sommersemester, denn sie wolle die Scheine möglichst schnell nachholen. An der Uni Zeit zu verlieren ist ihr offensichtlich ähnlich unangenehm wie auf der Piste.

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