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Tour d'Energie 2010 5000 Menschen jubeln bei Tour d’Energie in Göttingen 2319 Fahrern zu
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12:33 10.03.2014
Tour d’Energie 2010
Tour d’Energie 2010 Quelle: Pförtner
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Göttingen

Um 12.20 Uhr strahlt die Sonne auf den Zielbereich der Tour d’Energie von den Terrassen hinab.

Ein paar hundert Menschen haben sich dort bereits eingefunden, für ihre Unterhaltung legen sich die Moderatoren Andreas Lindemeier und Henning Tonn mächtig ins Zeug. Die Wernicke-Brüder gehörten mit Sicherheit zum engen Favoritenkreis der großen Schleife über 82 Kilometer, wird gefachsimpelt.

Eine Sprintentscheidung stünde bevor, denn immerhin seien im Anschluss an den das Feld selektierenden Hohen Hagen noch 20 Kilometer zurückzulegen. Die Windstärke betrage 2 Meter pro Sekunde aus südöstlicher Richtung, das werde aber nicht entscheidend sein – man fühlt sich wie bei Eurosport.

Gegenwind

„Da werden sie bei der Abfahrt vom Hohen Hagen Gegenwind haben“, sagt GoeSF-Geschäftsführer Frey genau in jenem Moment, da überraschend früh ein Duo auf der Zielgeraden auftaucht: Nicolas Starosta und 46-Kilometer-Vorjahressieger Jonas Leefmann, beide vom Team mit dem klangvollen Namen Freunde der italienischen Oper. „Die sind ja weit vorn“, staunt Lindemeier. Starosta und Leefmann trudeln, nebeneinander fahrend, ins Ziel aus – einen schöneren Auftakt hätte man sich kaum wünschen können.

Bereits bei Mengershausen sei er aus dem Feld „rausgegangen“, berichtet der 31-jährige Starosta. Kurz danach folgte der 27-jährige Leefmann. „Die fahren sich kaputt“, habe die Konkurrenz vermutlich gedacht, glaubt Leefmann. „In jedem Fall haben die zu spät reagiert.“ Bergauf sei der Hohe Hagen kein Problem gewesen, auf dem Weg hinunter „hatten wir nur Gegenwind“: zwei Experten-Pünktchen für Frey. Den dritten Platz ersprintet sich Heiko Reski (Team Starbikewear).

Bei den Frauen wird Lokalmatadorin Janina Handkammer vom RSC Göttingen Dritte und wiederholt dabei ihren Vorjahressieg in der Kategorie Masters 1. Die 31-Jährige berichtet von einem „ziemlich schnellen Rennen. Die Konkurrenz bei den Frauen ist stärker geworden.“ Der Sieg geht an Lena Baisch vom Team Corratec-Multipoweractive.

Zielsprint

Kurz darauf wird es wieder laut im Zielbereich: Die Entscheidung über die 82-Kilometer-Runde naht. Die Ehre von Lindemeier und Tonn ist gerettet, denn es kommt erstens zum Zielsprint, und zweitens gewinnt Renzo Wernicke, Führender des German Cycling Cups vom Team Univega, der damit sein Gelbes Trikot mit einem Sieg verteidigt.

Zunächst hatten sich drei Fahrer abgesetzt, die am Hohen Hagen von fünf Konkurrenten eingeholt wurden. Am Ende triumphiert Sprint-Ass Wernicke, der von einer schönen Strecke und guten Straßen schwärmt.

Bei den Frauen hat die Solingerin Verena Weiser vom Team Röltgen die Nase vorn – wie bereits in der Sprint- und Bergwertung. Dabei ist sie erst vor drei Jahren über ihren Mann zum Radfahren gekommen. Ein Naturtalent? „Mir liegt das Bergfahren“, sagt die 31-Jährige bescheiden.

Zu den Bergen gehören auch Abfahrten und bei großer Geschwindigkeit auch Stürze, doch in dieser Beziehung geben Tanja Perske, Einsatzleiterin der Johanniter-Unfallhilfe, und Wolfgang Schrader, ihr Pendant von der Polizei, Entwarnung. Die Zahl derjenigen Fahrer, die im Krankenhaus behandelt werden mussten, beträgt am Ende des Wettkampftages sieben – lebensgefährliche Verletzungen sind jedoch nicht dabei.

„Das Wetter ist gut. Hätte es geregnet, wäre es mit Sicherheit gefährlicher geworden“, sagt Perske. Die Polizei hält denn auch mehr ein auf der A7 verunglückter Sattelschlepper in Atem.

Verletzt hat sich auch GoeSF-Chef Frey – brandverletzt: „Von einem kleinen Sonnenbrand abgesehen“ ziehe er ein positives Resümee, sagt er am Abend. Durchweg in zufriedene Gesichter habe er geblickt, „es war ein wunderschöner Tag“. Seine Expertise zum Hohen Hagen sei im übrigen nicht in seiner großen Sachkenntnis begründet. „Man fährt ja schließlich von da aus in Richtung Südosten.“ Manchmal komme man einfach auch durch Nachdenken ans Ziel, unterstreicht er, zögert und fügt hinzu: „Beim Radfahren hilft allerdings nur Strampeln.“

Von Eduard Warda