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Tour d'Energie 2013 Tour d‘Energie: 11 000 Zuschauer peitschen 2860 Jedermänner ins Ziel
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14:04 13.03.2014
Erneut Zuschauermagnet: der Anstieg zum Hohen Hagen.
Erneut Zuschauermagnet: der Anstieg zum Hohen Hagen. Quelle: Pförtner
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Göttingen

Die Reaktionen könnten kaum unterschiedlicher sein. Die einen ballen die Faust, die anderen schlagen die Hände über dem Kopf zusammen. Wieder andere verlangen nach einem Sauerstoffzelt oder liegen von Krämpfen geplagt am Boden, nachdem sie die Ziellinie bei der neunten Auflage der Tour d’Energie am gestrigen Sonntag auf der Bürgerstraße in Göttingen überquert haben.

Meik Hann aus Krebeck ist der erste Fahrer, der Glückwünsche entgegennehmen darf. Der 22-Jährige Eichsfelder (Benotti Team aus Gieboldehausen) hat soeben in 1:10:17 Stunden die 46-Kilometer-Distanz absolviert und sich knapp im Sprint vor Jan Kohnen (HPI-Team) durchgesetzt. „Das Rennen war hart und schnell.

Am Hohen Hagen waren wir mit einer Vierer-Spitze unterwegs, aber zwei Gruppen haben uns dann noch eingeholt“, berichtet Hann vom Geschehen auf der Strecke. Sein Teamkollege Oliver Wüstefeld zieht dann auf der Zielgeraden den Sprint an. Dieser Zusammenarbeit hat auch Seriensieger Jonas Leefmann nichts entgegenzusetzen, der zuletzt viermal über die 46-Kilometer-Distanz gewann, gestern aber auf Rang vier landet.

„Wir wussten erst gar nicht, wer vorne ist“, sagt Lena Baisch (1:19:44) zum Sprint, den sie gegen eine ihrer Teamkolleginnen nach 46 Kilometern für sich entscheidet und damit gleich in ihrem ersten Rennen 2013 das Saisonziel erreicht. „Einmal wollte ich Erste werden“, so die Berlinerin vom Drinkuth-Multipower-Team.

Tour d' Energie:Impressionen vom Kreisel bei Rosdorf.

Bammel vor Anstieg

Etwas „Bammel“ habe sie vor dem Anstieg zum Hohen Hagen gehabt. „Ich bin nicht so der Bergfloh, aber ich bin mit meiner Gewichtsklasse ganz gut rüber gekommen“, sagt die 35-Jährige mit einem Schmunzeln. In diesem Rennen schafft es Anja Stegmann vom RSC Göttingen auf Platz vier.

Bereits nach 20 von 100 Kilometern der längeren Distanz löst sich eine Gruppe von acht Fahrern vom Hauptfeld, und diese bleibt über den Hohen Hagen bis zum Ziel beisammen. „Es haben alle gut zusammengearbeitet, besonders den Hohen Hagen hinauf“, berichtet Sieger Manuel Kirfel (2:33:06) kurz nach der Zieleinfahrt. Fünf Kilometer zuvor hat der 29-Jährige die entscheidenden Akzente setzen können, die ihm den knappen Sieg vor Dani Bley (2:33:04) bescheren. Auf Rang drei landet Lokalmatador Frieder Uflacker vom Team Personal-Sports aus Göttingen in 2:33:13.

Dass Kirfel bereits wenige Sekunden nach seinem Sieg von vielen seiner Teamkollegen in den Arm genommen wird, lässt darauf schließen, dass die Herren in den weiß-türkisen Hemden vom Team Strassacker (Göppingen) auch in der Teamwertung später ganz vorne landen sollen. Die Teamwertung über 46 Kilometer geht an das Livewelt-Test-Team aus Gütersloh.

Tour d' Energie: Zielankuft der 46-Kilometer-Strecke.

Dritte Mal Siegerin

Bei den Frauen ist es eine Erfolgsverwöhnte, die nach absolvierten 100 Kilometern auf dem obersten Treppchen steht. Zwar versichert Beate Zanner (2:36:59)aus Gera, dass sie ihre Siege nicht zählt, sie weiß aber genau, dass es bereits das dritte Mal ist, dass sie die Tour d‘Energie gewinnt. Etwas mehr als neun Minuten langsamer ist die Drittplatzierte, Melanie Pfitzner vom Team Velo-Sport Göttingen.

Zur Belohnung isst die 30-Jährige Zanner dann erst einmal eine von rund 4000 Portionen Pasta, die das Technische Hilfswerk im Laufe des Tages an Sportler und Helfer ausgibt. Auch die Bergwertung kann Zanner für sich entscheiden. Bei den Männern ist es über die 100 Kilometer Frederik Nagel, über 46 Kilometer bei den Frauen Cathrin Cronjäger, ansonsten Läuferin der LG Göttingen, und bei den Männern Patrick Hanhart.

Die 2860 Teilnehmer der neunten Tour d’Energie fahren auf weitgehend trockenen Straßen, nur der landwirtschaftliche Betrieb neben der Strecke sorgt an mancher Stelle dafür, dass Dreck auf der Straße liegt. Schwere Stürze bleiben jedoch aus. „Ein Radfahrer musste in Dransfeld mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus gebracht werden.Das war aber ein Krankheitsfall“, berichtet Gerd Hujahn, Einsatzleiter der Polizeiinspektion Göttingen.

Impressionen von der Tour d'Energie 2013

Rund 11 000 Zuschauer

Am Ende des Tages hat Hujahn dann auch noch die Zuschauerzahlen parat: Rund 7000 waren es im Zielbereich und 4000 an der Strecke. „Viele haben wieder gegrillt und sich dabei das Rennen angeschaut“, sagt ein mehr als zufriedener Alexander Frey, Chef-Organisator von der Göttinger Sport und Freizeit GmbH (GoeSF). Er dankt 500 Feuerwehrleuten, 180 Polizisten und den vielen freiwilligen Helfern, die für einen reibungslosen Ablauf sorgen.

Etwas Kritik gibt es dann aber doch noch. „Ich hatte mich schon hingesetzt, weil ich dachte, ich wäre im Ziel,“ beschreibt Patrick Hanhart, Drittplatzierter über die 46 Kilometer, den Moment, als er durch einen großen roten Bogen fährt, den nicht nur er für die Zieleinfahrt hält. Schnell hebt es ihn dann wieder aus dem Sattel, als das große Ziel-Schild direkt dahinter auftaucht.

Von Kristin Kunze