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Tour d'Energie 2013 Zum Start der Tour d'Energie: Sportkardiologe im Interview
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14:30 13.03.2014
Lassen den Blutdruck in die Höhe schnellen: Die Anstiege der Tour d‘Energie verlangen den Jedermännern einiges ab.
Lassen den Blutdruck in die Höhe schnellen: Die Anstiege der Tour d‘Energie verlangen den Jedermännern einiges ab. Quelle: Theodoro da Silva
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Welchen Einfluss hat Ausdauersport auf die Gesundheit?

Johannes Dahm: Bewegung und Sport sind wie ein Bankkonto, auf das man einzahlt und irgendwann die Auszahlung bekommt. Je älter man wird, beziehungsweise je kränker man ist, umso wichtiger sind Bewegung und Sport. Ausreichend Bewegung ist eine „artgerechte“ Lebensweise. Niemand bezweifelt, dass ein Hühnchen ohne Bewegung krank wird und früher stirbt. Jeder gesunde Mensch kann an der Tour d‘Energie teilnehmen, wenn er sich entsprechend vorbereitet. Die gesundheitsrelevante Rolle der Tour d‘Energie ist enorm, wenn man sieht, wie viele Radsportler es mittlerweile in der Region gibt. Man muss die Göttinger Sport und Freizeit GmbH und ihrem Geschäftsführer Alexander Frey dazu beglückwünschen, so viele Menschen selbst bei schlechten Wetterbedingungen hinter dem Ofen hervor zu locken. Medizinisch kann man das gar nicht hoch genug bewerten.

Wie sieht die optimale Vorbereitung auf die Tour d‘Energie aus?

Johannes Dahm

Diejenigen, die vorne mitfahren wollen, haben selbstverständlich den Winter über hart trainiert. Empfehlenswert ist das Trainieren möglichst nach Trainingspuls im mittleren Ausdauerbereich über Kilometerleistung und kurzfristig auch oberhalb der anaeroben Schwelle. Die Trainingsfrequenz können Sportwissenschaftler, aber auch der Sportkardiologe ermitteln. Als Faustregel gilt: die Pulsfrequenz, bei der man sich noch so gerade unterhalten kann.

Kann sich denn jeder Mensch sofort in dieser Form belasten?

Nein, es muss auch auf potenzielle Gefahren hingewiesen werden. Insbesondere Unerfahrene und Sportler, die sich oder anderen etwas beweisen wollen, haben ein erhöhtes Risiko. Wenn hier hoher Blutdruck oder ein erhöhtes Risikoprofil für Herz- und Gefäßkrankheiten besteht – meist ererbtes Risiko oder Rauchen – sollte gegebenenfalls vor der Tour doch noch mal ein Check-up beim Sportkardiologen stattfinden. Es ist ein Mythos, dass geringes Rauchen weniger gefährlich ist. Rauchen entfaltet seine gefährlichen Risiken dosisunabhängig. Rauchen kann insbesondere bei Blutdruckspitzen zu potenziell lebensbedrohlichen Gefäßnotfällen wie zum Beispiel Herzinfarkt führen. Es ist ebenfalls ein Mythos, dass sich die negativen Auswirkungen des Rauchens mit den positiven Effekten von Bewegung und Sport aufheben.

Die Tour findet in knapp zwei Wochen statt. Gibt es Tipps, wie Teilnehmer diese Zeit besonders effizient nutzen können?

Sieben bis zehn Tage vor der Tour sollte eine vergleichbare Belastung unter Tour-Bedingungen stattfinden. Insbesondere das Flüssigkeits- und Kalorienmanagement sollte hier geübt werden. Flüssigkeit sollte möglichst getrennt von den Kohlenhydraten zu sich genommen werden, da durch Aufnahmeprobleme Durchfall aufgrund von kohlenhydrathaltigen Drinks droht. Kohlenhydrate sollten, um Insulinspitzen mit darauf folgenden Unterzuckerungen zu vermeiden, möglichst in gemischter Form zu sich genommen werden.

Welche Rolle spielt die Fettverbrennung?

Eine wesentliche, und auch diese kann gezielt trainiert werden. Die letzten Tagen vor der Tour sollten die Enzyme der Fettverbrennung durch eine fehlende Kohlenhydratzufuhr stimuliert werden. Es sollten bewusst weniger oder keine Kohlenhydrate beim Training zugeführt werden. Die Kohlenhydratspeicher sollten dann unmittelbar vor der Tour d‘Energie aber wieder aufgefüllt sein. Am Tag vor der Tour ein letztes Training über 30 bis 40 Kilometer mit kleinen Leistungsspitzen und anschließender ausreichender Kohlenhydratzufuhr sind empfehlenswert.

Ist denn nach den Trainingsstrapazen ein Bierchen erlaubt?

Alkohol unmittelbar nach dem Training ist ein absolutes Tabu. Da Alkohol die bitter antrainierten günstigen metabolen Effekte, die Energiebereitstellung im Muskel, sofort wieder zunichte macht.

Und was ist beim Rennen zu beachten?

Wichtig ist, immer die eigene Leistungsfähigkeit im Blick zu haben und auf seinen Körper zu achten. Auftretende Schmerzen sind immer ein Anzeichen für zu hohe Belastung. Bei Außentemperaturen von mehr als 22 Grad sollte genügend Wasser mitgeführt werden. Bereits nach 30 bis 40 Minuten sollte man mit der Nahrungszufuhr von gemischten Kohlenhydraten beginnen. Etwa 10 bis 15 Minuten vor dem Anstieg nach Hemeln und zum Hohen Hagen sowie bei Auftreten eines akuten Hungerastes sollten Sportler diese - gegebenenfalls angereichert mit Kohlenhydrat-Gels - im Mundraum zergehen lassen.