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Tour d'Energie 2014 Teilnehmer-Rekord bei 10. Tour d'Energie 2014 in Göttingen
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19:15 28.04.2014
Pulk des 100-Kilometer-Feldes: Das Peloton erreicht kurz nach dem fliegenden Start am Rosdorfer-Kreisel den Ziegeleikreisel. Die Feuerwehr (rechts) sieht keinen Grund einzugreifen.
Pulk des 100-Kilometer-Feldes: Das Peloton erreicht kurz nach dem fliegenden Start am Rosdorfer-Kreisel den Ziegeleikreisel. Die Feuerwehr (rechts) sieht keinen Grund einzugreifen. Quelle: Heller
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Göttingen

3086 Radfahrer haben am gestrigen Sonntag an der Sparkassen-Arena die zehnte Auflage des Göttinger Jedermannrennens, veranstaltet von der Göttinger Sport und Freizeit GmbH (GoeSF), Tuspo Weende und Bicikletten, in Angriff genommen – Rekord.

Ob deshalb im abgesperrten Bereich an der Bürgerstraße ein Skoda aus Rumänien mit Presseschild geparkt ist? Wohl eher nicht, gleichwohl hat die Göttinger Tour mittlerweile einen hohen Bekanntheitsgrad. Die Strecke gilt bei vielen Fahrern von außerhalb als anspruchsvoll und selektiv, die Organisation der GoeSF als nahezu perfekt.

Eine gute Organisation ist im Zielbereich auch dringend nötig, denn während sich die Tour-Teilnehmer auf ihren Schleifen befinden, gibt es auf der Bürgerstraße Programm. Zuerst stehen die Rennen für den Radsport-Nachwuchs an: für die Drei- bis Fünfjährigen die Mini-Taggi-Tour, die von Maximilian Wedrins gewonnen wird, und für die Älteren die Taggi-Tour.

Nur eine halbe Radlänge Vorsprung

Hier siegen in den zwei Altersklassen der Sechs- bis Achtjährigen und Neun- bis Zwölfjährigen Lioba Kelzewski und Paul-Felix Petry sowie Franzi Arendt und Maximilian Lange. Ein Sturz beim Zieleinlauf auf der Bürgerstraße geht glimpflich aus. „Es gab nur einige Abschürfungen am Arm“, berichtet GoeSF-Volunteer Clara-Sophie Künstler.

Dann rast die Siegergruppe des 46-Kilometer-Rennens durchs Ziel. Die kleine Schleife entscheidet diesmal Patrick Hanhart aus Harsewinkel (Kreis Gütersloh) für sich. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder Pascal hat er die Spitzengruppe auf der Zielgeraden aufgemischt. „Pascal ist für mich angefahren, er kann eh nicht sprinten“, berichtet der 23-jährige Triumphator, der damit den ehemaligen Seriensieger Jonas Leefmann auf den zweiten Platz verweist.

„Jonas kriegt aber das Bergtrikot“, ist sich Hanhart sicher und behält Recht. Bereits am ersten Berg nach zehn Kilometern hätten sich 15 Fahrer abgesetzt, am Hohen Hagen seien sie nur noch zu sechst gewesen. Im Ziel habe er eine halbe Radlänge Vorsprung gehabt.

Training, Training, Training

Den 14. Platz belegt als bester Lokalmatador Holger Faupel vom Tuspo Weende, der am Vortag beim Prolog bereits Zweiter geworden ist. Er gilt sogar als Sieger des Prologs, weil der Gewinner bei der Tour nicht angetreten ist. Der 49-jährige Faupel findet, dass das Feld ausgeglichener und in der Breite leistungsstärker geworden ist.

Noch am Hohen Hagen konnte er von seiner Verfolgergruppe aus die Spitzengruppe sehen. „Wir sind aber nicht mehr ganz rangekommen“, berichtet er. Zum Ausruhen bleibt nun aber keine Zeit, denn Faupel bereitet sich momentan auf die WM-Qualifikation Ende Mai in Kopenhagen vor. Da heißt es Training, Training, Training.

Mit dem Wetter, da sind sich sämtliche Fahrer einig, habe man angesichts der Wettervorhersage sehr viel Glück gehabt. Vorsicht war bei der Abfahrt vom Hohen Hagen geboten, wo die Strecke recht nass gewesen sei. Zwar habe es „gefühlt mehr Stürze gegeben“, ist von den Johannitern zu hören. Doch, soweit bekannt, ging alles glimpflich ab. Vier Fahrer seien vorsorglich ins Krankenhaus gebracht worden, bestätigt Einsatzleiter Hajo Brüller.

"Die sind im Wesertal ein bisschen nass geworden"

Beim Sprint um den 100-Kilometer-Sieg hat sich die Bürgerstraße merklich gefüllt, und die Fahrer werden aus tausenden Kehlen angefeuert. Daniel Knyss aus Köln hätte das gar nicht nötig gehabt, denn er gewinnt in souveräner Manier. Im Ziel dankt er seinem Team Merkur-Druck. „Die Jungs haben sich für mich aufgeopfert, die fahren dieses Jahr für mich“, berichtet der 30-Jährige.

„Wenn sie mich übern Berg mitnehmen, habe ich im Sprint ganz gute Chancen.“ Der Göttinger Lokalmatador Frieder Uflacker, der für das Team Personal Sport an den Start geht, belegt den siebten Platz.
Während es im Zielbereich erst gegen 13.45 Uhr anfängt zu regnen, sei er über die 100 Kilometer etwa eine Stunde lang im Regen unterwegs gewesen, berichtet Knyss. Das entspricht auch den Informationen, die Jörn Lührs von der Organisationsleitung der GoeSF vorliegen: „Die sind im Wesertal ein bisschen nass geworden.

Zwar sind die schlimmsten Befürchtungen ausgeblieben, aber es war schon die nasseste Tour, seit ich dabei bin, also seit vier Jahren.“ Unruhe im Felde habe es deshalb aber nicht gegeben, berichtet Uflacker im Zielbereich.
Dieses Jahr freut sich die GoeSF über einen neuen Rekord (1237 Fahrer über die 46 Kilometer, 1849 über die 100), im nächsten Jahr soll es eine Frauen-Teamwertung geben.

Nächstes Jahr erneut in den Sattel

„Mit diesem Gedanken spielen wir“, sagt Lührs. Es ge be auch noch andere Ideen, aber noch nichts spruchreifes. Ins Auge gefasst wird 2015 erneut das letzte April-Wochenende. „Die Nässe beträufelt euch von oben, von der Seite beträufelt euch der Applaus“, ruft Moderator Andreas Lindemeier den Fahrern über die 100-Kilometer-Schleife auf der Zielgeraden zu.

Je nässer es wird, desto schneller leert sich das Areal. Die Fahrer haben es eilig, in trockene Klamotten zu kommen. Einer zieht sich auf dem Parkplatz des Neuen Rathauses um, wringt die Socken aus. Ein anderer hat sich erst mal eine Zigarette angesteckt. Jetzt geht nichts mehr. Aber im nächsten Jahr ist der Akku wieder voll. Dann geht es erneut in den Sattel. Und vielleicht ist ja auch wieder die rumänische Presse da.

Ergebnisse in der Dienstagsausgabe des Tageblattes und unter tourdenergie.de.

Impressionen zur Tour d'Energie 2014 der Taggi-Tour.

Von Eduard Warda