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WM 2010 Das Duell hat viele Geschichten geschrieben
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09:53 02.07.2010
Der entscheidende Strafstoß 1990: Andreas Brehme (r.), Torschütze zum 1:0-Sieg der deutschen Elf, wird von seinen Mitspielern bestürmt. Quelle: dpa (Archiv)
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Bei einer WM wird das Viertelfinale übermorgen das sechste Aufeinandertreffen der beiden großen Fußballnationen sein, drei deutschen Siegen (1958, 1990 und 2006) stehen ein Unentschieden (1966) und eine Niederlage (1986) gegenüber. Seit dem Titeltriumph 1986 in Mexiko und der Finalniederlage gegen Deutschland vier Jahre später in Rom waren Weltmeisterschaften für die „Albiceleste“ stets Enttäuschungen, einmal scheiterte die Nationalelf in der Vorrunde (2002), einmal im Achtelfinale (1994), zweimal im Viertelfinale (1998 und 2006). Mit anderen Worten: Seit genau 20 Jahren hat Argentinien kein Halbfinale mehr erreicht – ein gutes Omen für die deutsche Mannschaft. Ein Rückblick auf vier Spiele eines Klassikers.

8. Juni 1958 in Malmö, WM-Vorrunde, DeutschlandArgentinien 3:1:

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Argentinien reist mit besonderem Ehrgeiz nach Schweden. Die letzte WM-Teilnahme liegt 24 Jahre zurück, die vergangenen drei Turniere hat der Verband boykottiert, für das Comeback des Südamerikameisters kommt der deutsche Titelverteidiger gerade recht. Die „Helden von Bern“ haben seit der Fußballsensation gegen Ungarn (3:2) vier Jahre zuvor 14 Spiele verloren. Doch zwei Weltmeister von 1954 spielen noch einmal groß auf nach Argentiniens Führungstor: Fritz Walter, 38 Jahre alt, von Trainer Sepp Herberger mit viel gutem Zureden zur WM-Teilnahme überredet, lenkt das Spiel. Helmut Rahn, Siegtorschütze in Bern („Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen ...), trifft zweimal. Und einem Hamburger Jungen gelingt in seinem ersten WM-Spiel sein erstes Tor: Er heißt Uwe Seeler.

16. Juli 1966 in Birmingham, WM-Vorrunde, DeutschlandArgentinien 0:0:

Bastian Schweinsteiger dürfte dieses Spiel interessieren, weil es zeigt, dass es Rangeleien zwischen Deutschland und Argentinien auf dem Platz nicht erst seit der WM 2006 gibt. Das torlose Unentschieden in England ist ein übles Getrete, der Argentinier Jose Rafael Albrecht tritt seinem Kölner Gegenspieler Wolfgang Weber mit den Stollen in den Oberschenkel und bekommt einen Platzverweis. Das Problem dabei: Die Erfindung der Roten Karte steht noch aus, der Schiedsrichter muss Albrecht mit den Händen vom Platz dirigieren. Der denkt jedoch gar nicht daran und wird in dieser Meinung von seinem auf den Platz gestürmten Trainer unterstützt. Vier Minuten dauert die Show, doch die deutsche Mannschaft ist in der Folgezeit zu eingeschüchtert, um aus der Überzahl Kapital zu schlagen. Argentinien scheitert im Viertelfinale an England (0:1), Deutschland im Finale (2:4 nach Verlängerung).

29. Juni 1986, Mexiko, WM-Finale, ArgentinienDeutschland 3:2:

Wäre Torwart Harald Schumacher doch beim 1:0 von Jose Luis Brown nicht an der Flanke vorbeigesegelt! Hätte Hans-Peter Briegel in der Schlussphase doch bloß genügend Kraft gehabt, den enteilten Jorge Burruchaga vor seinem 3:2 noch einzuholen! Dann hätte Franz Beckenbauer einen weiteren Geniestreich in seinem großen Fußballbuch. Mit einer Mannschaft, die gefühlt zur Hälfte aus Manndeckern bestand, hatten sich die Deutschen ins Finale gekämpft, dort holen sie durch Tore von Karl-Heinz Rummenigge und Rudi Völler in einer dramatischen Schlussphase einen 0:2-Rückstand auf und verlieren dennoch. Diego Maradona, als überragender Spieler des Turniers auf dem Zenit seiner Kunst, gelingt im Finale nur beim Pass zu Burruchaga Außergewöhnliches. Ihm verdirbt ein gewisser Lothar Matthäus die Spielfreude.

8. Juli 1990 in Rom, WM-Finale, DeutschlandArgentinien 1:0:

Es ist die Revanche für 1986. Beckenbauer hat statt vieler Manndecker mittlerweile kreative Spieler wie Thomas Häßler, Olaf Thon oder Uwe Bein dabei; Maradona und seine Helden von 1986 sind müde, einige Stars sind gesperrt. Das Finale ist ein Langweiler, den Deutschland dominiert und in dem Argentinien auf ein Elfmeterschießen hofft. Ein Elfmeter entscheidet das Spiel dann in der 86. Minute: Rudi Völler nutzt im Strafraum das ausgestreckte Bein von Roberto Sensini zu einem Sturz, Andreas Brehme verwandelt den Strafstoß sicher. Maradona spricht später von einem „Sieg der Mafia“ und vergießt bei der Siegerehrung Tränen.

30. Juni 2006 in Berlin, WM-Viertelfinale, DeutschlandArgentinien 1:1, 4:2 i.E.:

Maradona ist in Berlin, aber nicht im Olympiastadion. Der Weltverband FIFA hat für ihn und seine Freunde nicht genug Karten bereitgestellt, er schmollt und guckt sich das Spiel im Hotel an. Die selbstbewussten Argentinier gehen nach der Pause durch Roberto Ayala in Führung, nichts deutet auf einen deutschen Sieg hin. Als sich Torwart Roberto Abbondanzieri verletzt, nimmt Trainer Jose Pekerman seinen Spielmacher Juan Riquelme vom Platz, in der Schlussphase gelingt Miroslav Klose der Ausgleich. Im Elfmeterschießen zaubert Torwart Jens Lehmann einen Zettel aus dem Schienbeinschoner und hält die Schüsse von Ayala und Esteban Cambiasso.

2010 in Pretoria sagt Sami Khedira vor dem Viertelfinale in Kapstadt: „Vielleicht holen wir diesmal einen Zettel raus, auf dem nichts draufsteht, um die Argentinier zu verunsichern.“

Heiko Rehberg berichtet aus Pretoria

02.07.2010
01.07.2010