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Regional 1. RC Göttingen: 20 Jahre eigenständig, Großereignisse verschoben
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1. RC Göttingen: 20 Jahre eigenständig, Großereignisse verschoben

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15:00 06.11.2020
„Der gestiefelte Froschkönig“ war eines von vielen Märchenaufführungen, die der 1. RC Göttingen in der Vergangenheit aufs Hallenparkett gebracht hat. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

Vor 20 Jahren – am 7. November 2000 – ist der 1. Rollkunstlauf-Club Göttingen (RCG) gegründet worden. Der Verein ist aus einer Sparte der damaligen Tuspo 1861 Göttingen hervorgegangen. In Zeiten, als Konzentration eher angesagt war und kleinere Klubs Unterschlupf bei größeren suchten, gingen die Rollsportler den umgekehrten Weg. Der runde Vereinsgeburtstag sollte in diesem Jahr ausgiebig gefeiert werden. Wie so vielen anderen Klubs hat die Corona-Pandemie auch diesem Verein einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Der Rollsport hat in Göttingen eine lange Tradition, schon ein Jahr nach dem Ende des zweiten Weltkriegs wurde 1946 bei der Tuspo 1861 die Abteilung gegründet, erst in den Jahren danach entstanden die Dachverbände auf Bundesebene (1949) und Landesebene (1952). Aus den 20 Gründungsmitgliedern wurden schnell mehr Rollsportfreunde, die 1950 in der Jahnhalle ihre erste öffentliche Veranstaltung hatten und auch bei der 1000-Jahr-Feier der Stadt im Sommer 1953 dabei waren.

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Seit 1986 trägt die Vorsitzende den Namen Limbach

Nach anfänglich vielen Wechseln an der Abteilungsspitze war Margot Veltwisch die erste Vorsitzende mit einer längeren Amtszeit (1972 bis 1985), ihr folgte Dietlinde Limbach, die das Amt zum 1. Januar 1986 übernahm und es 2010 – als längst der 1. RCG gegründet worden war – an ihre Tochter Karin Limbach weitergab. Heute zählt der Verein 151 Mitglieder und muss sich über den Nachwuchs keine Sorgen machen. „90 Prozent unserer Mitglieder sind Kinder und Jugendliche. Sie haben ganz andere Bedürfnisse als Erwachsene“, sagt Dietlinde Limbach.

Dietlinde Limbach hat sich über Jahrzehnte im Göttinger Rollkunstlauf engagiert. Quelle: Beuermann

Fünf Tage pro Woche „blockieren“ die Läuferinnen verschiedener Alters- und Leistungsklassen von 15.30 Uhr bis in die Abendstunden hinein die Wörthhalle. In „normalen“ Jahren stehen viele Wettkämpfe auf dem Programm, zu denen die jungen Läuferinnen und ihre Eltern oft lange Anfahrtswege in Kauf nehmen. Auch auf internationaler Ebene hat der Verein in der Vergangenheit aufhorchen lassen. Immer wieder gehörten Göttinger Läufer und Läuferinnen zur erfolgreichen Formation „Dreamteam“, aber auch in der Einzelkonkurrenz gab es eine Läuferin, die über Jahre Tickets zu Weltmeisterschaften löste: Inga Knorr. Insgesamt startete sie bei drei Weltmeisterschaften und sechs Europameisterschaften. Höhepunkt ihrer Karriere war die Vizeweltmeisterschaft, ihre Trainerin war die Vereinsvorsitzende Karin Limbach.

Inga Knorr (r.) und ihre Trainerin Karin Limbach waren viele Jahre lang ein Erfolgsduo – auch auf internationaler Ebene. Quelle: Pförtner

Das größte Ereignis für den Verein wäre 2020 die Ausrichtung der Deutschen Meisterschaft gewesen, die der Deutsche Rollsport-Bund (DRB) erstmals an die Göttinger vergeben hatte. Etwa 200 Aktive wären am Start gewesen. In diesem Fall heißt es aber: „Aufgeschoben, nicht aufgehoben.“ Vom nationalen Verband liegt schon jetzt die Zusage für 2021 vor. Das extra für dieses Ereignis in Italien gekaufte Meisterschafts-Parkett, das sich der Verein 40000 Euro hat kosten lassen, ist in der Sparkassen-Arena eingelagert. Einen Grund haben die Sportler aber auch im kommenden Jahr zu feiern – nämlich 75 Jahre Rollsport in Göttingen.

Schon in der Godehardhalle waren beim Gänselieselpokal weit mehr als 200 Starterinnen dabei. Quelle: Theodorou da Silva

Neben den Meisterschaften hatte der 1. RCG für die Adventszeit wieder die Aufführung eines neuen Weihnachtsmärchens auf Rollen geplant. „Peterchens Mondfahrt“ wäre es gewesen. Längst hätten die Proben begonnen, wären die vielen Kostüme angefertigt worden. Sieben verschiedene Märchen hatte der 1. RCG in der Vergangenheit bereits im Programm: Jim Knopf, Froschkönig, Schneekönigin, Zauberkristall, Peter Pan, Nussknacker und der Zauberer von Oz zogen nicht nur die Zuschauer zuerst in der Godehardhalle, später dann in der technisch wesentlich besser ausgestatteten Sparkassen-Arena in den Bann. Sie sorgten vor allem bei den Mitwirkenden – ob Läuferinnen oder aber Verantwortliche – für Aufregung und viel Arbeit. Immer wieder werden dafür auch die Eltern der Läuferinnen eingebunden, die hinter den Kulissen helfen und das Vorstandsteam unterstützen.

Erfolge bei Meisterschaften gab es in den vergangenen Jahren viele für den 1. RCG. Quelle: R

Das Konzept, über Anfänger- und Freizeitgruppen bis hin zu Leistungsgruppen allen Könnensstufen und Ambitionen eine sportliche Heimat zu geben, hat sich nichts verändert. „Das Konzept hat sich bewährt und ist bis auf Kleinigkeiten, die den heutigen Anforderungen angepasst wurden, gleich geblieben. Wir arbeiten erfolgreich damit und hatten nie Nachwuchsprobleme“, sagt Dietlinde Limbach, die inzwischen Ehrenvorsitzende des Vereins ist.

Von Kathrin Lienig