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Regional 100 Jahre SC Rosdorf
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18:13 16.07.2014
Stramme Kerls in gestreiften Trikots: die Fußballmannschaft des SC Rosdorf in einer Aufnahme um 1940. Quelle: EF
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Rosdorf

Es folgte eine bewegte Geschichte mit viel Fußball, aber auch einer Schwimmabteilung, die bis 1969 im vereinseigenen Freibad zu Hause war. Eduard Warda hat sich mit Hilfe von SC-Geschäftsführer Uwe Hinz in der Historie des Klubs umgesehen und dabei herausgefunden, dass Rosdorf über einen ehemaligen prominenten Mittelstürmer verfügt: Thomas Oppermann, parlamentarischer Geschäftsführer der SPD im Bundestag.

Mit einem Festkommers feiert der SC Rosdorf am Sonnabend um 18 Uhr im Festzelt auf der Festwiese sein 100-jähriges Bestehen. Wenngleich ein Vorgänger-Klub bereits 1908 ins Leben gerufen wurde, ist das offizielle Gründungsdatum der Rosdorfer der 27. März 1913.

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Der SC Rosdorf hat schon bessere Zeiten gesehen. Einen besseren Anlass zum Feiern hat es allerdings lange nicht gegeben: Der Verein, dessen Vorläufer-Klub als Rasensportverein Rosdorf am 27. März 1913 gegründet wurde, wird 100 Jahre alt. Gewürdigt wird das Jubiläum mit einem Festkommers am Sonnabend um 18 Uhr auf dem Rosdorfer Festplatz.

Bereits 1908 hatte sich der Fußballclub Rosdorf gegründet. Doch das Projekt scheint bald darauf eingeschlafen zu sein, und so muss die Gründung 1913 als zweiter Versuch gewertet werden. Die erste prägende Figur der Klubhistorie wurde Willi Behrens, der den Verein als Vorsitzender von 1914 bis 1933 anführte.

Die Zeit des Nationalsozialismus blieb auch im Rosdorfer Vereinsleben nicht ohne Spur: Der Rasensportverein, der 1909 gegründete Handballverein MTV Rosdorf und der Schwimmverein von 1925 schlossen sich zum VfL Rosdorf zusammen – unter anderem weil den Klubs durch zum Teil nahegelegte Mitarbeit in Parteigliederungen die Mitglieder ausgingen.

Mit einem Festkommers feiert der SC Rosdorf sein 100-jähriges Bestehen.

Der VfL blieb eine Episode. Eine behördliche Anordnung zur Umbenennung der diversen Vereine führte 1945 zum Namen SC Rosdorf. Vorsitzender war bis 1962 Karl Lutze, die zweite prägende Gestalt des Sport-Clubs. Der Verein hatte sich 1958 vom MTV getrennt, der Handball, Turnen und Leichtathletik mitnahm.

Dem SC blieb Fußball und Schwimmen, und das aus gutem Grund: 1925 war der Grundstein für das Freibad gelegt worden, das bis 1969 im Vereinsbesitz war, bevor es an die Gemeinde abgetreten wurde – stolze 43 Jahre gehörte es dem Klub.

Dafür verfügt der SC seit 1963 über ein Sporthaus, das später mehrfach erweitert werden musste: 1969 spielten allein neun Fußballteams für den SC, und der Platz wurde knapp. Sportlich schaffte die erste Fußballmannschaft 1969 den Sprung in die Bezirksklasse und holte sich den Kreispokal.

„Wir sind im Kreis hängen geblieben“

Eine weitere gute Phase gab es unter Spielertrainer „Aco“ Pelesic, als man 2005 Kreispokalsieger wurde und ein Jahr später in die Kreisliga aufstieg. Heute ist der SC unter Trainer Heiko Bause in der 1. Kreisklasse C angesiedelt.

Der Verein, der ein von der Gemeinde gepachtetes Kirchengelände nutzt, zählt heute etwa 320 Mitglieder (in der Spitze waren es in den 90er Jahren 459). Doch längst nicht alle sind im Fußball engagiert. Einige Gründerinnen der 1968 ins Leben gerufenen Damengymnastik-Abteilung sind heute noch aktiv, ferner kann beim SC Badminton und Tennis gespielt werden.

Die Inlineskate-Abteilung hat mit Martin Franz in der Ü-30-Klasse sogar einen Deutschen Meister hervorgebracht. Und dann gibt es noch den Sport für Jedermann und – ganz frisch – die Kampfkunst Muay Thai.

Außerdem wird einmal im Jahr geknobelt und alle vier Jahre die Kirmes veranstaltet – das nächste Mal im kommenden September. Bis dahin wird die erste Fußballmannschaft die laufende Serie hoffentlich gut zu Ende gebracht haben. „Wir sind im Kreis hängen geblieben“, sagt im Rückblick der 79-jährige HeinzHeino“ Becker, Vorsitzender von 1977 bis 1982. Am Kommers nimmt er genauso teil wie der Landrat Bernhard Reuter und der Gemeindebürgermeister Harald Grahovac (beide SPD).

Von Eduard Warda

Kommers und 05-Spiel

Der Festkommers und Tanzabend am Sonnabend ab 18 Uhr im Festzelt wird musikalisch begleitet vom Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Göttingen. Das Jubiläumsspiel folgt erst im Juli: Der SC trifft am 7. Juli um 15 Uhr auf den Oberligisten RSV 05.

► Prominenter Mittelstürmer

„Ein kurzes Dribbling und ein schneller Schuss“: Darin sieht Thomas Oppermann, parlamentarischer Geschäftsführer der Bundestags-SPD, in der Rückschau seine Stärken als Mittelstürmer des damaligen Fußball-Kreisligisten SC Rosdorf. Von etwa 1980 an lief er mehr als ein Jahrzehnt für den SC auf. „Auf jeden Fall hatte ich es mehr mit dem Fuß als mit dem Kopf.“

Von seinem Stammverein Markoldendorf nach Göttingen gekommen, schloss sich der Jura-Student zunächst der SVG an. Die nächste Station war Rosdorf unter Trainer Jürgen Bartusch. „Wir waren eine lustige Mannschaft, eine tolle Mischung aus Rosdorfern und Göttinger Studenten. Ich habe sogar noch als Landtagsabgeordneter gespielt“, sagt der SPD-Politiker, der nach wie vor Vereinsmitglied ist.

Als er „auf den letzten Drücker“ zu einem Spiel kam und nicht aufgestellt wurde, trat er den Rückzug an, erinnert er sich. Auch der heutige Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) liebäugelte mit einem Wechsel zum SC und nahm am Probetraining teil. „In der zweiten Mannschaft hätte er sicherlich eine Chance bekommen“, sagt Oppermann.

Weil wollte nicht und spielte lieber wieder in Hannover. Oppermann ist heute, wenn es die Zeit erlaubt, dienstags für den FC Bundestag am Ball.