Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional ... und nur der Schiri kennt sie
Sportbuzzer Sportmix Regional ... und nur der Schiri kennt sie
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:31 21.02.2017
Von Eduard Warda
Ob Fifa-Schiedsrichter Milorad Mazic (hier im Champions-League-Spiel des FC Bayern gegen Arsenal) oder der Unparteiische auf Kreisebene: Sie alle müssen ständig lernen. Quelle: Andreas Gebert/dpa
Anzeige
Göttingen

„Ich kann mich nicht erinnern, dass es in 15 Jahren einmal mehr Regeländerungen gab“, sagt Mario Birnstiel, Schiedsrichter-Lehrwart des NFV-Kreises Göttingen-Osterode. Das Problem für ihn und seine Kollegen bestand nicht nur darin, sich die 95 Änderungen anzueignen, sondern sie auch durchzusetzen.

Wenn der Unparteiische die neue Regel verinnerlicht hat, heißt das noch lange nicht, dass er nach dem Pfiff auch auf Verständnis stößt - denn in der Regel sind die Regeländerungen noch lange nicht bei Fußballern und Zuschauern angekommen. „Sie können sich vorstellen, wie sich das in einer unteren Spielklasse verhält. Da hat man keine Assistenten, sondern man ist Einzelkämpfer. Das ist dann nicht so einfach“, sagt der 31-jährige Polizeibeamte aus Osterode.

Anzeige

Was hat sich geändert?

Was hat sich geändert? Eine der augenscheinlichsten Neuerungen ist die Vorgabe, dass von der laufenden Saison an der Anstoß nicht zwingend nach vorn erfolgen muss, sondern, der Ball auch nach hinten gespielt werden kann. So etwas erhitzt aber beileibe nicht die Gemüter - im Gegensatz zur folgenden Regel: Die sogenannte Dreifachbestrafung wurde aufgehoben.

Das heißt, dass ein Foul im Strafraum, das ein Tor verhindert, neben dem fälligen Strafstoß nicht mehr zwingend eine rote Karte nach sich zieht. Gelb reicht, sofern, und da wird es ein wenig kribbelig, der Angriff dem Ball galt. Noch unangenehmer wird es für den Unparteiischen, wenn sich das Foul an der Strafraumgrenze und vielleicht ein wenig vor der Linie zugetragen hat: Die Regel gilt nur im 16-Meter-Raum, davor zieht eine Notbremse nach wie vor Rot nach sich. Da ist der Volkszorn programmiert.

„Der eine oder andere Zuschauer oder Spieler weiß eben nicht, was aktuell richtig oder falsch ist, schließlich geht es ja auch zum Teil um Spitzfindigkeiten“, unterstreicht Birnstiel. Ein weiteres Beispiel: Wenn sich der Torwart beim Elfmeter auf der Linie bewegt, wird seit Beginn dieser Saison der Strafstoß nicht nur wiederholt, der Keeper sieht auch Gelb.

Interpretationsfähiges Regelwerk

„Das Regelwerk ist interpretationsfähig, und oftmals handelt es sich bei den 95 Regeländerungen um Konkretisierungen“, erläutert der Lehrwart. Die Vorgaben des „International Football Association Boards“ sind wie in der guten alten Zeit nach wie vor auf englisch gehalten, und die erste Übersetzung ist bisweilen nicht präzise genug - auch so kommen 95 neue Regeln zustande.

Zwar gibt es jeden Monat zwei Schiedsrichter-Lehrabende in Wulften und Göttingen, die schiere Masse an Neuerungen bedeutete für die Unparteiischen jedoch auch sehr viel Arbeit. „Es gab schon einige kritische Blicke“, berichtet Birnstiel. „Die meisten sind zwar mit Herzblut dabei, aber diesmal war es schon extrem.“ Besonders heikel sei gewesen, dass die Regeln erst ab August vermittelt werden konnten, andererseits aber bereits ab Juli in Testspielen angewendet werden sollten. Die Unparteiischen befanden sich sozusagen im luftleeren Raum.

„Ich bin mir sicher, dass eine Regel keiner kennt“, sagt Birnstiel. Wenn nämlich ein Befreiungsschlag in der 89. Minute beispielsweise an der Torauslinie der zurückliegenden Mannschaft verhungert und der Torhüter vielleicht mit aufgerückt war, könnte ein Ersatzspieler, der sich hinter dem eigenen Tor warm macht, auf die Idee kommen, schnell aufs Feld zu laufen und dem Torwart das Spielgerät zuzuspielen. Selbst dieser relativ unwahrscheinliche Fall ist seit dieser Saison geregelt: Die gegnerische Mannschaft erhält einen Strafstoß. „Wenn es in der kommenden Saison nicht ganz so viele Regeländerungen gibt, würde das unsere Arbeit erleichtern“, sagt Birnstiel.