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Regional American Football: Göttingen Generals vor 25 Jahren gegründet
Sportbuzzer Sportmix Regional American Football: Göttingen Generals vor 25 Jahren gegründet
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16:44 23.07.2013
Seit 25 Jahren ein Renner: Die Generals haben American Football seit ihrer Gründung (Fotos unten) in Göttingen etabliert. Die Spiele im Maschpark sind gut besucht. Quelle: SPF/EF
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Göttingen

Die Idee zur Gründung eines Footballteams hatte Ulrich Kramer. Nach seiner Versetzung nach Göttingen wollte er weiterhin dem Ei hinterherjagen. In Hannover hatte er bereits die Redskins aus der Taufe gehoben. Rund 200 Interessierte folgten seinem Aufruf im Radio und fanden sich in der Aula der KGS ein, darunter auch der 22-jährige angehende Sportstudent namens Matthias Schmücker, der den US-Nationalsport aus dem Bud-Spencer-Streifen „Sie nannten ihn Mücke“ kannte und die Chance sah, sich selbst an dem merkwürdigen, aber faszinierenden Spiel zu versuchen. „Wir waren ein bunt zusammengewürfelter Haufen, den vor allem eines einte: Null Ahnung vom Football“, erinnert sich der heutige Generals-Coach.

Marcus „Chicken“ George ändert alles

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Dafür, dass sich das änderte, stand Marcus „Chicken“ George bereit, Soldat auf dem US-Armee-Stützpunkt in Fulda. Doch bevor das Training beginnen konnte, musste ein Name für das neu gegründete Team her. „Göttinger Seven“ kam zum Vorschlag, „ebenso „Gänseliesel Giants“, doch schließlich machte „Göttingen Generals“ das Rennen: „Es gab da ein Team namens New Jersey Generals, das zwei Jahre zuvor aufgelöst worden war, und von dem haben wir praktischerweise Namen, Schriftzug und Logo übernommen“, berichtet Schmücker.

Dann stand die erste Trainingseinheit an, und zwar auf den Schillerwiesen. 200 Interessierte fanden sich ein. Die mit kräftiger Statur kamen sogleich an die Linie, um die gegnerischen Angreifer zu stoppen. Die Kleinen dagegen wurden als Receiver (Ballfänger) eingeteilt. Die Reihen lichteten sich rasch, am zweiten Trainingstag waren es noch 150, am dritten 100 Wagemutige. Bemerkenswert: „Es waren eine Reihe von Typen aus dem Türsteher- und Rotlichtmilieu dabei, die hofften, sich ordentlich kloppen zu können“, erzählt Schmücker, „aber als sie merkten, dass zum Football extrem viel Disziplin gehört, waren sie ganz schnell wieder verschwunden.“

Uniformen per Schiff aus Amerika

Schließlich blieben etwa 60 Unverzagte über, für die Kramer in Amerika Uniformen bestellte, die per Schiff im Container über den großen Teich nach Göttingen geschafft wurden. Kosten pro Mann: Ungefähr 1000 D-Mark, die jeder Spieler selbst aufbringen musste. Und trotz der hohen Investition hörten nach der nächsten Übungseinheit noch mal zehn Sportler auf, denn ausgerüstet mit Helm und Körperschutz konnten die Akteure jetzt richtige Tacklings üben. „Als der Erste schreiend am Boden lag, kam dem einen oder anderen wohl doch Bedenken und ward beim darauffolgenden Training nicht mehr gesehen“, blickt Schmücker zurück.

Damit hatte sich die Spreu vom Weizen getrennt, und wenig später fand das erste Spiel statt, mit Braunschweig als Gegner. 0:58 hieß es am Ende aus Generals-Sicht, wobei die Partie bis weit in die Abendstunden währte, weil die Referees den Göttingern immer wieder die äußerst diffizilen Regeln erklären mussten. „Auf dem Gebiet waren wir noch nicht so bewandert“, gibt Schmücker lachend zu.

Erfolgreichste Jahre des Göttinger Footballs

Doch der Anfang war gemacht, und so meldete das neugegründete Team für die Landesliga – die unterste Spielklasse – und zwar als Abteilung von Göttingen 05. Deswegen sind die Farben der Generals bis heute schwarz-gelb. Ein Jahrzehnt voller Höhen und Tiefen folgte. Zwischenzeitlich schloss man sich der SVG an, schließlich der BG 74, bis sich die Mannschaft 1999 aus Spielermangel aus dem Ligabetrieb des American Football Verband Deutschland (AFVD) zurückzog. Nicht jedoch das Spielen einstellte, im Gegenteil. Die folgenden Jahre wurden die erfolgreichsten in der Geschichte des Göttinger Footballs. Die Generals traten in einer von ihnen selbst gegründeten Hallen-Liga an, in der ein Team aus acht statt, wie beim klassischen Football, aus elf Spielern besteht. Gespielt wurde nicht mehr gegen Bremen oder Hannover, sondern gegen Stuttgart, Nürnberg und sogar Luxemburg. Am Ende holten die Leinestädter sogar dem EM-Titel – nicht schlecht für ein Team, das 15 Jahre zuvor noch nicht einmal existiert hatte.

Drei Sekunden, danach Karriereende

Nach ein paar Jahren löste sich die Hallenliga jedoch wieder auf, und die Generals kehrten zum AFVD zurück. Seither hat das Team meist in der Regionalliga gespielt. Derzeit tritt es in der viertklassigen Oberliga an, weil nach der vergangenen Saison ein großer Aderlass zu beklagen war. Der Wiederaufstieg dürfte reine Formsache sein, mehr ist jedoch nicht drin, wie Schmücker erklärt: „Um in der zweiten Liga mithalten zu können, müssten wir Spieler einkaufen, und das wollen wir nicht. Wir bleiben unserer Tradition, auf Göttinger zu setzen, treu.“

So mache es mehr Spaß – und so blieben auch die Anekdoten in Erinnerung, die von Spieler zu Spieler weitergegeben werden. Zum Beispiel die von der kürzesten Gesamtspielzeit eines Aktiven: Drei Sekunden, danach Karriereende wegen doppelten Fußbruchs. Die von dem Auswärtsspiel in Berlin, als einige Spieler auf der Raststätte die Abfahrt des Busses verpassten und anschließend im Bus einer Jugendgruppe über die damals noch existierende innerdeutsche Grenze geschmuggelt wurden. Oder die vom Spiel in Hamburg-Harburg, als die Angriffe rasch ausgespielt werden mussten, weil das Elbe-Hochwasser den Platz zu fluten begann. Eines ist zu erwarten: auch in den nächsten 25 Jahren wird über die Generals wahrscheinlich noch Einiges zu berichten sein.

Von Hauke Rudolph

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