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Regional Anstoß zwischen der JVA und dem Fußballkreis
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18:16 16.07.2009
Symbolischer Anstoß: Helmut Schütze (l.), Leiter der JVA Rosdorf, und Hans-Jürgen Lotz, Vorsitzender des Fußballkreises, mit Schiedsrichter hinter den Mauern der Justizvollzugsanstalt.
Symbolischer Anstoß: Helmut Schütze (l.), Leiter der JVA Rosdorf, und Hans-Jürgen Lotz, Vorsitzender des Fußballkreises, mit Schiedsrichter hinter den Mauern der Justizvollzugsanstalt. Quelle: Theodoro da Silva
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„Praktische Hilfe zur Resozialisierung durch Fußball“: So lautet das Motto, unter dem zukünftig eine Kooperation zwischen dem Fußballkreis Göttingen und der JVA Rosdorf steht. „Uns liegt die Integration am Herzen“, unterstreicht Alfred Bonenberger, Spielausschussvorsitzender des Kreises. Inhaltlicher Schwerpunkt sind Spiele von JVA-Mannschaften gegen Teams aus dem Kreis. Eine Partie wurde bereits gespielt: Der FC Grone II, Vertreter der 1. Kreisklasse B, besiegte innerhalb der Rosdorfer Gefängnismauern auf dem Platz der JVA den Gastgeber mit 5:1. Gut mitgehalten hätte das JVA-Team, erst gegen Ende der Partie habe sich die konditionelle Überlegenheit der Gäste durchgesetzt, unterstreicht Bonenberger.

„Fußball ist als Breitensport sehr angesagt bei den Gefangenen. Wir wollen mit der Kooperation erreichen, dass die Jungs etwas nach außen mitnehmen“, umschreibt Manfred Fiedler, in der JVA zuständig für Finanzen, Bau und Technik, die Resozialisierungsmaßnahme. „Sport ist in der Gesellschaft ganz wichtig, also auch hier.“

Fiedler war in der JVA Wolfenbüttel Abteilungsleiter und lernte dort das Integrationskonzept kennen – vom damaligen Anstaltsleiter Hannes Wittfoth, bis zum vergangenen Jahr Vizepräsident des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) und immer noch für den Gefangenensport im Land Niedersachsen zuständig. Unter anderem Schiedsrichterlehrgänge wurden in Wolfenbüttel angeboten. Fiedler nahm die Idee mit und setzte sie in Rosdorf unter Mithilfe des ehemaligen Stadtsportbund-Vorsitzenden Jürgen Schröder um.

Nach dem gelungenen Auftakt mit der Partie gegen Grone soll es im Herbst und im kommenden Frühjahr mit jeweils zwei Spielen gegen andere Teams aus dem Fußballkreis weitergehen. Außerdem ist im Herbst auch in der JVA Rosdorf ein Schiedsrichterlehrgang geplant, an dem ebenfalls Nicht-Insassen teilnehmen können. Der Dozent kommt aus dem Lehrstab des Kreisschiedsrichterausschusses. Schließlich ist in Planung, die sogenannte Toto-Lotto-Mannschaft, die sich aus Ex-Profis zusammensetzt, zusammen mit dem Innenminister des Landes einzuladen. „Wir gehen auf die JVA zu“, sagt Bonenberger.

Nur Heimspiele erlaubt

An die Teilnahme einer JVA-Mannschaft am Spielbetrieb wie in Hannover sei zunächst nicht gedacht, betont Fiedler. Dafür gebe es unterschiedliche Gründe. Unter anderem dürfen JVA-Teams, die beispielsweise in der 2. oder 3. Kreisklasse spielen, nur Heimpartien austragen.

Zum Auftakt in der JVA Rosdorf war neben Vertretern des Fußballkreises, des FC Grone und der Gefängnisleitung auch Wittfoth erschienen – in seiner Eigenschaft als Beauftragter der Sepp-Herberger-Stiftung des DFB, die sich um die Förderung des Fußballs in Strafvollzugsanstalten bemüht.

Wer sich nicht benimmt, darf nicht mitspielen: Die zukünftigen Fußballspiele motivieren die Gefangenen auch zu guter Führung. Nach dem Schlusspfiff der Partie gegen die Groner Reserve sei ein Inhaftierter zu Bonenberger gekommen und habe ihm versichert: „Das Spiel hat ein Strahlen hereingebracht.“ Allein für solche Sätze lohnt sich wohl schon eine Zusammenarbeit.

Von Eduard Warda

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