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Regional Auf letzten Etappen erreicht Hardy Grüne Bestform
Sportbuzzer Sportmix Regional Auf letzten Etappen erreicht Hardy Grüne Bestform
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18:27 20.05.2011
Überwältigender Empfang in Kapstadt: Das Ziel der Tour d’Afrique ist nach 12 000 Kilometern erreicht. Quelle: EF
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Kapstadt. Und dann war sie plötzlich vorbei, diese Reise, bei der im wahrsten Sinne der Worte der „Weg das Ziel“ war. Als wir nach 12000 Kilometern im Sattel in Kapstadt einfuhren, war dies ein ergreifender und bewegender Moment. Mehr als 500 südafrikanische Rad-Enthusiasten hatten uns schon 30 Kilometer vor der Stadtgrenze jubelnd in Empfang genommen. Gemeinsam bildeten wir einen über eineinhalb Kilometer langen und stetig wachsenden Radkonvoi, der sich stolz in Richtung der berühmten Waterfront aufmachte. Unmittelbar neben dem WM-Stadion überquerten wir schließlich unter dem Beifall hunderter Zuschauer in einem magischen Moment zum letzten Mal die Ziellinie und fielen uns heulend in die Arme.

Vier Monate lang waren wir durch Afrika pedalt. Hatten unter der Sonne gelitten, den Regen gehasst und mit dem Wind gekämpft. Hatten eine Gruppendynamik entwickelt, die wortwörtlich Berge versetzte. Und so war die Zielankunft nicht nur für jeden von uns eine ganz persönliche Erfahrung, sondern zudem eine intensive Gruppenangelegenheit. Erfreulicherweise brach sogar der seit Tagen graue Himmel endlich auf und schenkte uns ein paar wärmende Sonnenstrahlen. Perfektes Wetter für einen perfekten Tag!

Und der Jubel ging noch weiter. Alle Teilnehmer an diesem Rennen bekamen eine Erinnerungsmedaille überreicht, die verbliebenen 16 „EFI“-Fahrer, also jene beinharten Radler, die tatsächlich jeden Zentimeter der 12000 Kilometer auf dem Fahrrad zugebracht hatten und niemals in den Truck gestiegen waren, nahmen ihre verdiente Würdigung entgegen, ehe die Ehrung der drei schnellsten Fahrer zum umtosten Höhepunkt avancierte. Als Zweiter nach dem Kanadier Paul Wolfe lief übrigens mit Dennis Kipphardt ein Deutscher ein, während Platz drei an den Engländer Adam Stickler ging.

Vor dem spektakulären Finale in der „Mother City“ hatten freilich noch rund 750 Kilometer durch ein Südafrika gelegen, das sich allmählich den Wintermantel anlegte. Während wir durch eine weitestgehend menschenleere und heideähnliche Gegend fuhren, froren wir vor allem Morgens bei Temperaturen von deutlich unter zehn Grad bitterlich. Auch die ausgestorbenen Strandbäder, in denen wir die letzten Nächte verbrachten, kündeten vom bevorstehenden südafrikanischen Winter und ließen uns Europäer von einem schönen Sommer in der Heimat träumen.

Sportlich endete die Tour d’Afrique für mich persönlich geradezu sensationell. Gleich dreimal gelang es mir in der letzten Tour-Woche, als Etappenzweiter ins Ziel zu kommen, wobei ich einmal sogar nur knapp den Tagessieg verpasste. Ausgerechnet zum Ende erreichte ich also offenbar meine Bestform und konnte in der Gesamtwertung noch um zwei Ränge auf Position 13 vorrücken. Das wellige Terrain mit vielen Höhenmetern und langen Anstiegen war allerdings auch ideal für meine radfahrerischen Vorlieben gewesen.

Und nun sind sie vorbei, diese vier abenteuerlichen Monate mit dem überschaubaren täglichen Aufgabenfeld: Zelt abbauen, zwischen drei und sieben Stunden Radfahren, Zelt wieder aufbauen, sowie Körper und Fahrrad pflegen beziehungsweise regenerieren. Dazwischen essen, mit den Teamkollegen plaudern und Afrika auf uns wirken lassen. Die Rückkehr ins „normale Leben“ wird nicht leicht fallen. Mein erster Gang führte mich jedenfalls in ein Kaufhaus, in dem ich mich komplett neu einkleidete. Das war weit mehr als nur ein symbolischer Akt, schließlich hatten mir in den letzten vier Monaten exakt drei T-Shirts, zwei Shorts und eine Jeans zur Verfügung gestanden. Kleidungsstücke, die ich nun einfach nicht mehr sehen konnte.