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Regional „Ich bin in Sport verliebt“
Sportbuzzer Sportmix Regional „Ich bin in Sport verliebt“
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15:47 23.03.2017
Von Kathrin Lienig
Hat noch viel vor in Göttingen und mit den Veilchen Ladies: Katarina Flasarova.
Hat noch viel vor in Göttingen und mit den Veilchen Ladies: Katarina Flasarova. Quelle: Swen Pförtner
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Göttingen

Einen Grundstein können die Zweitliga-Basketballerinnen am Sonnabend um 20 Uhr in der FKG-Halle gegen die TG Neuss Tigers legen - im ersten Halbfinalspiel der Playoffs.

Flasarova stammt aus einer sportlichen Familie, ihr Vater war Eishockey-Nationalspieler, ihr Bruder Patrik trat in dessen Fußstapfen. Beide spielten auch in Deutschland. Nach dem Abitur und zwei Jahren in tschechischen Ligen zog es die 1,71 Meter große Flasarova nach Deutschland. Ein Agent vermittelte sie nach Leipzig in das Regionalliga-Team der Leipzig Eagles. Dort merkten die Verantwortlichen aber schnell, was für ein Juwel man sich an Land gezogen hatte, die Tschechin wurde Erstliga-Spielerin. „Ich wollte immer dort bleiben, die Stadt ist toll“, schwärmt sie von Leipzig. „Gute Erinnerungen“ hat die 31-Jährige an alle Vereine, deren Trikot sie getragen hat. „Ich hatte viel Glück.“ Ob in Wolfenbüttel, Herne, Rotenburg/Scheeßel oder eben Leipzig - immer waren es Erstligisten, für die sie aufgelaufen ist. „Nur in Göttingen habe ich 2. Liga gespielt.“ Einmal in der Saison 2011/12 und inzwischen wieder seit 2015.

Wenn Flasarova über Hermann Paar, Trainer der Saison 2015/16, spricht, gerät sie ins Schwärmen: „Er ist mein Mentor. Ich habe viel von ihm gelernt.“ Ihren jetzigen Coach Giannis Koukos bezeichnet sie als „Perfektionisten“. „Inzwischen verstehe ich seine Art und auch seine Worte. Vor allem aber seine Philosophie von dem Spiel.“ Sie denke jetzt mehr darüber nach, im Spiel die richtigen Entscheidungen zu treffen, habe mehr Selbstvertrauen und übernehme auch Verantwortung. „Das hat mir Giannis beigebracht.“

Ihr Team habe sich längst gefunden. „Wir haben uns eine Weile gesucht, jetzt sind wird auf einem guten Weg. Wir müssen uns noch mehr vertrauen und an die andere glauben“, schwört sie die Mannschaft auf die anstehenden Aufgaben ein. Sie hofft darauf, dass alle Spielerinnen die gute Laune vom deutlichen Sieg gegen Wolfenbüttel zum Abschluss der Hinrunde mit in die Vorbereitungen auf Neuss genommen haben. „Wir müssen am Sonnabend schlau spielen, raus aus der Komfortzone kommen und wieder gut verteidigen.“ Außerdem setzt die hinter Vee Warner (339) zweitbeste Werferin der BG (311) auf die Zuschauer. „Die Fans sind einfach der Hammer. Das ist Göttingen. Ich fände es klasse, wenn wir durch unsere Erfolge Leute motivieren könnten, in die Halle zu kommen, die noch nie bei uns gewesen sind. Wir haben ein gutes Level und haben als athletische Frauen viel zu zeigen.“

Die Athletik kommt bei Flasarova nicht von ungefähr. Ihr Leben ist zurzeit komplett auf Basketball ausgerichtet. Mannschafts- und Wurftraining sind selbstverständlich, Krafttraining, Sportkurse, Joggen, manchmal Schwimmen und Physiotherapie auch. Ihre Fitness ist auch ein Grund dafür, dass sie bislang nie ernsthaft verletzt war. „Diese Saison konnte ich zwei Spiele nicht mitmachen, einmal war ich umgeknickt, einmal krank.“ Beinahe entsetzt erzählt sie davon. Seit Oktober 2015 spielt Flasarova ohne Pause Basketball. Als die Spielzeit im April 2016 zu Ende war, wechselte sie für vier Monate zum australischen Erstligisten nach Brisbane. „Das war ein Traum: eine starke Liga und ein Beach-Leben.“ Nach ihrer Rückkehr im August 2016 ging es dann ohne Pause bei den Veilchen weiter.

Jetzt soll mit dem Aufstieg das i-Tüpfelchen folgen. „Erste Liga wäre klasse. Ich weiß allerdings nicht, ob ich die als Vollprofi spielen werde.“ Flasarova, die seit gut einem Jahr einen deutschen Pass besitzt und sehr gut Deutsch spricht, möchte eine Ausbildung zur Sport- und Fitnesskauffrau beginnen. „Ich bin in Sport verliebt. Gern würde ich irgendwo dort arbeiten, wo ich auch coachen und in der Verwaltung arbeiten kann.“ Bislang habe sie keine feste Pläne gehabt, jetzt möchte sie Schritte in diese Richtung machen. Und das am liebsten in Göttingen. „Hier fühle ich mich erstmals so richtig zu Hause.“ Sie wohnt bei Heidi Rohn in Geismar, die auch zu den Spielen kommt und ihr die Familie ersetzt, die sie in Tschechien gelassen hat und nur selten sieht. Mein Bruder hat jetzt zwei Kinder, mit denen ich sehr oft über das Laptop spreche. „Ich bin ihre Skype-Tante.“