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Regional BG Göttingen initiiert Grundschul-Liga
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16:00 23.10.2018
Höhepunkt für jeden Nachwuchsspieler: Das Miniturnier der BG 74 lockt Teams aus ganz Deutschland nach Göttingen. Quelle: Pförtner
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Göttingen/Eichsfeld

Einen neuen Weg, Grundschüler an den Basketballsport heranzuführen, beschreitet die BG Göttingen. Gemeinsam mit dem Sport-Leistungskurs des Felix-Klein-Gymnasiums und den Kooperationsvereinen BG 74 und ASC 46 richtet der Bundesligist am Mittwochvormittag das erste Turnier der neu organisierten „Sparkasse Göttingen Grundschul-Liga“ aus. Sechs Grundschulen gehen in der FKG-Halle mit insgesamt neun Teams an den Start.

FKG-Schüler unterstützen

„Ich bin sehr stolz, dass wir das hinbekommen haben“, sagt Jugendtrainer Andreas Scheede, der bei der BG Göttingen im Nachwuchsbereich die Mini- und Schulprojekte betreut. In Sportlehrer Martin Lindemeier hat er am FKG einen Mitstreiter gefunden, dessen Schüler sich in die Organisation eingebracht haben sowie Schieds- und Kampfrichteraufgaben übernehmen werden. Im Dezember ist unter der Regie des Theodor-Heuss-Gymnasiums ein zweites Turnier geplant, wofür es bereits fünf Anmeldungen gibt. Im Mai und Juni 2019 folgen weitere Konkurrenzen.

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Kleinere Bälle, niedrigere Körbe

Gespielt wird mit kleineren Bällen auf niedrigere Körbe. „Die Göttinger Sport und Freizeit GmbH hat in drei Hallen höhenverstellbare Seitenkörbe angebracht. Damit ist eine Grundvoraussetzung erfüllt, dass die Kinder schnellen Erfolg beim Basketball und vor allem Spaß haben“, sagt Scheede. Für alle teilnehmenden Schulen stellt der Niedersächsische Basketballverband „Ballpakete“ im Wert von jeweils 200 Euro zur Verfügung. Diese enthalten neben den Spielgeräten auch Leibchen und andere hilfreiche Utensilien für das Training.

Was in den Stadtvereinen BG 74, ASC 46 und SCW Göttingen gut läuft, wünscht sich Scheede auch für den Landkreis: „Pläne für Landkreis-Schulen liegen schon in der Schublade. Uns ist viel daran gelegen, den Basketballsport auch in der Region wiederzubeleben.“ Vor allem im Mädchenbereich bestehe ein großer Nachholbedarf. „Das wird eine Mammutaufgabe.“ Zunächst einmal ist es ihm jedoch wichtig „Beständigkeit reinzubringen“ und etwas anzustoßen. „Manchmal braucht man auch einfach nur Geduld“, sagt der 56-Jährige, dessen Vision es ist, dass es für Kinder genauso selbstverständlich wird, in den Schul-Pausen auf Körbe zu werfen wie hinter einen Ball zu treten.

Bovender SV versteht sich als Ausbildungsverein

Motor beim Bovender SV ist Abteilungsleiter Uwe Aderhold. „Wir verstehen uns als Ausbildungsverein. Viele Talente gehen weg in die Jugend-Bundesligen. Und wenn dann die Leistungsträger in den Mannschaften fehlen, wollen die 14- bis 16-Jährigen in den Leistungsklassen nicht mehr antreten, hören oftmals auf.“ In den vergangenen Jahren habe man die Mini-Arbeit intensiviert – auch in der Hoffnung, „dass wir im Herrenbereich davon einmal zehren können“. Dafür brauche man aber einen langen Atem. Etwa 25 Kinder im Alter von sieben bis zwölf Jahren trainieren beim BSV in zwei Gruppen. In den dritten Klassen der Grundschulen engagiert sich der Verein intensiv, bei großen Veranstaltungen im Ort fehlt nie ein Basketballkorb. „Wir hatten unsere fetten Jahre mit Spielern der Jahrgänge 1999 bis 2002, jetzt müssen wir kleinere Brötchen backen“, sagt Aderhold.

Ballhausen engagiert sich im Eichsfeld

Johannes Ballhausen, Trainer der Herrenmannschaft des Bezirksoberligisten SG Hilkerode/Birkungen ist im Eichsfeld inzwischen Einzelkämpfer in Sachen Jugendarbeit. Montags trainiert er Jugendliche im Alter von zehn bis 15 Jahren in der Duderstädter BBS-Halle. Neuerdings hat er auch eine Gruppe in Gieboldehausen übernommen. „Da habe ich mich breitschlagen lassen, damit der Trainingsbetrieb nicht einschläft. Auch diese Gruppe ist altersmäßig sehr gemischt, da sind auch Mädchen dabei“, berichtet der langjährige Coach. Weil die Altersspanne zu groß ist, kann keine Mannschaft gemeldet werden. „Ich habe es aber schon so gemacht, dass ich mit einem Team aus Duderstädter und Gieboldehäuser Spielern nach Heiligenstadt gefahren bin und wir mal ein Trainingsspiel gemacht haben.“ Auch Ballhausen hofft, den einen oder anderen Nachwuchsakteur so lange motivieren zu können, bis er in den Herrenbereich wechseln kann.

Bundesliga-Vereine diskutieren über Schulsport

Die Schulsportverantwortlichen aller Bundesligaklubs haben sich zum Start der Basketball-Bundesliga in Göttingen getroffen. Welche Möglichkeiten sich bieten den Nachwuchs frühzeitig an die Sportart heran- und, im besten Fall, in den Vereinssport zu überführen, haben die rund 60 Teilnehmer der Klubs der BBL, der ProA, ProB und des Verbandes an drei Tagen intensiv diskutiert.

Dem Schul- und Mini-Basketball hierzulande, das wurde während der Tagung deutlich, wurde im Vergleich zu anderen europäischen Nationen in der Vergangenheit zu wenig Bedeutung beigemessen. „Die Italiener waren uns fast 50 voraus“, sagte Tim Brentjes, beim DBB unter anderem für das Ressort „Schule und Minis“ zuständig. In Zahlen ausgedrückt liest sich das wie folgt: Während in Deutschland bei einer Gesamtbevölkerung von etwa 82 Millionen Menschen gut 25000 Minis der Altersklassen U8 bis U12 über einen Teilnehmerausweis verfügen, sind es beim südlichen Nachbarn 150000 Minis – bei einer Bevölkerungszahl von 61 Millionen Menschen. Somit ist allein die Basis dort um ein sechsfaches größer als in Deutschland.

Doch nicht nur die Gruppe der Erst- bis Viertklässler rückt verstärkt in den Fokus der Vereine. Auch in den Kindertagesstätten übernehmen mittlerweile engagierte Trainer „Bewegungsstunden“, in denen auf einfache und spielerische Art der Erstkontakt mit dem Basketball hergestellt wird. Für den ehemaligen Nationalspieler Henning Harnisch, der mit seinem Impulsvortrag die Veranstaltung eröffnet hatte, wird „der Sport erst dann logisch, wenn er dort ansetzt, wo die ersten Schritte gemacht werden – im Kindergarten“.

Von Kathrin Lienig