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Regional So erlebte Schofield sein erstes Weihnachten in Göttingen
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17:01 22.12.2017
Terry Schofield Quelle: Jan Vetter
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Göttingen

Terry Schofield ist eine Legende in Göttingen und der Region: Erst als Spieler, später als Trainer machte er Göttingen zur Basketballstadt. Dabei war sein erstes Jahr fern der amerikanischen Heimat kein einfaches. Und dann stand auch noch Weihnachten vor der Tür. Aber das wurde dann doch ziemlich witzig. Terry Schofield erinnert sich jedenfalls noch sehr genau daran: an Heimweh, Bockwurst und einen gewissen Flocky:

„Ich kam im Oktober 1973 aus dem sonnigen Kalifornien nach Göttingen. Von Tag zu Tag wurde es dunkler und kälter. Es war mir morgens ein Graus, den Vorhang meines Fensters zu öffnen, um dort in eine kahle dunkle Landschaft zu blicken.

Basketball-Helden: Ulli Frank, Terry Schofield und Dirk Weitemeyer. Quelle: Christoph Mischke

Als die Weihnachtszeit nahte, kam das Heimweh. Ich bin eigentlich nach Göttingen gekommen, um Basketball zu spielen, aber dieses Wetter war im Vergleich zu Los Angeles ein Schock. Dies war etwas, was ich nicht erwartet hatte. Es gab Wochen, in denen man die Sonne fünf Tage hintereinander nicht gesehen hat.

Es kam noch hinzu, dass ich mich selbst in keiner guten Verfassung befand. Ich war in einer Kellerwohnung untergebracht, in der die Leitungen an der Decke entlang verliefen. Dies passte gut zu meiner Stimmung, die ebenfalls im Keller war.

Über mir wohnte eine alte Dame, die jeden Morgen um 5 Uhr badete. Ich wachte davon auf, weil das Wasser durch die Abwasserleitung direkt durch meine Wohnung rauschte. Ich musste lernen, mit dem Kissen über statt unter meinem Kopf zu schlafen. Tortur!

Meine Freundin in Kalifornien hörte auf, mir zu schreiben, was mir eine Menge Bauchschmerzen bereitete. So fand ich mich in einer unvorstellbaren Situation wieder: Ich konnte kein Deutsch, mir war kalt, ich hatte kein Auto und ich war unglücklich.

Ich entdeckte, dass jeden Mittwochabend ein Workshop an der Universität stattfand. Hier trafen sich Amerikaner und Englischstudenten, die sich in einer ähnlichen Situation befanden wie ich. Kurz vor Weihnachten hatte ich auf einmal ein paar neue Freunde. Eines Abends, als ich mit zwei Kaliforniern zusammensaß, fragte uns Ingeborg, eine Englischstudentin, ob wir Lust hätten, Weihnachten mit ihrer Familie in Braunschweig zu verbringen.

Prost: Schofield und der Pokal. Quelle: r

Diese Einladung kam uns sehr gelegen: Whow, eine richtige deutsche Weihnachtsfeier, ein Vergnügen, das nicht jeder Amerikaner erleben kann. Diese Gelegenheit wollten wir uns nicht entgehen lassen und sagten sofort zu.

Zusätzlich ging mein Autowunsch in Erfüllung: Das Basketballteam war plötzlich erfolgreich. Zur Belohnung bekam ich einen orangefarbenen Käfer! So brachen wir drei am Heiligen Abend morgens früh auf, um mit dem Käfer durch den Harz nach Braunschweig zu fahren. Natürlich hatte ich keine Winterreifen. Ich wusste noch nicht einmal, dass es so etwas überhaupt gibt. Wir kamen nur langsam voran und hatten dadurch ausreichend Gelegenheit, die schöne Landschaft zu genießen. Die frische Bergluft machte uns hungrig. So gegen 11 Uhr beschlossen wir, eine kleine Rast einzulegen.

Wir fanden nur eine Würstchenbude, die geöffnet hatte. Dort aßen wir einen übergroßen Hotdog, genannt „Bockwurst“, eingepackt in ein Brötchen und übergossen mit Senf. Das ganze wurde mit einem großen Bier runtergespült. Weil es uns so gut geschmeckt hatte, beschlossen wir, noch eine Runde zu bestellen. Danach waren wir wirklich satt.

Gut gelaunt und gesättigt setzten wir unsere Reise fort. Diesmal ging es auch schneller, weil es bergab ging. Wir kamen wesentlich früher an, als erwartet. Zur Mittagszeit.

Nachdem ich an der Tür geklingelt hatte, wurden wir von einem Dutzend Familienmitgliedern freudig begrüßt. Wir waren sehr gespannt, wie eine Weihnachtsparty in Deutschland gefeiert wird. Das ganze Haus duftete nach Weihnachtskeksen und Tannenbaum. Aber das Beste und Unglaubliche war für uns Amerikaner der riesige echte Tannenbaum im Wohnzimmer, der mit Wachskerzen geschmückt war. Bei uns zu Hause in den USA würde man entweder die Polizei, die Feuerwehr oder den Psychiater rufen, wenn du Wachskerzen auf den Tannenbaum steckst. Dass in unserer Familie der künstliche Tannenbaum und die elektrischen Lichterketten jedes Jahr aus dem Karton wieder hervorgeholt und nach Weihnachten wieder reingestellt werden, behielt ich lieber für mich.

Terry Schofield und Walter Meyer Quelle: Jan Vetter

Nachdem wir den gigantischen Tannenbaum hinreichend bestaunt hatten, wurden wir von Ingeborgs Mutter zum ’Lunch’ gebeten: ’Ich hoffe, dass Ihr einen großen Appetit. mitgebracht habt. Wir haben heute eine landestypische Spezialität: Bockwurst mit Kartoffelsalat.’ Ich schaute meine beiden Kumpel an und log: ’Oh wie schön’.

In dem Moment war uns klar, dass wir aus dieser Nummer nicht mehr herauskamen. Wir setzten uns hin und ergaben uns unserem Schicksal. Ingeborg legte jedem von uns beherzt zwei große Bockwürste und dazu einen kräftigen Schlag Kartoffelsalat auf den Teller und wünschte uns einen guten Appetit.

Als ich ratlos vor meinem Teller saß, geschah etwas unerwartetes: Flocky! Der kleine alte Rauhaardackel, der mich ziemlich unfreundlich nicht begrüßt hatte, als wir reinkamen, schlich sich nun unter dem Tisch an und schnüffelte an meinem Bein herum. Zuerst dachte ich mir nichts dabei, aber dann ging mir ein Licht auf.

Beherzt biss ich in meine Bockwurst und spuckte den Bissen unauffällig in die Serviette. Nachdem ich sichergestellt hatte, dass keiner etwas bemerkte, beförderte ich die Serviette langsam unter den Tisch, wo Flocky bereits wartete und das leckere Weihnachtsessen dankbar in Empfang nahm. Diesen Vorgang wiederholte ich so lange, bis beide Würste vom Teller verschwunden waren. Den Kartoffelsalat musste ich selber essen. Den konnte ich so nicht verschwinden lassen, weil er zu matschig war und Beweise hinterlassen hätte.

Ingeborgs Mutter freute sich über meinen guten Appetit und fragte fürsorglich, ob ich denn noch ein Würstchen haben wollte. Trotz meines Protestes landete eine weitere Wurst auf meinem Teller mit dem Kommentar: ’Kein Wunder, dass der Terry so groß und stark ist. Weil er so einen großen Appetiet hat.’

Schofield Vita

Geboren am 16. Juni 1948 in Los Angeles

Sportliche Karriere

Als Basketballer Amerikanischer College-Meister mit UCLA 1969/70/71 unter dem legendären Trainer John Wooden. Weil er die Profiliga knapp verpasste, entschied er sich in Europa zu spielen.

So kam er 1973 als erster „Ausländer“ zum damaligen SSC-Göttingen. 1977 übernahm er die Mannschaft als Trainer und wurde mit dem späteren ASC-Göttingen 1980/83/84 Deutscher Meister. Von 1980 bis ’82 war er außerdem Bundestrainer.

Von 1988 bis ’94 war er Coach in Bamberg.

Parallel zu seiner Trainertätigkeit arbeitete er bis 2013 als Lektor am Seminar für Englische Philologie an der Uni Göttingen.

’So, Flocky, here we go again’, dachte ich mir. Meine Freunde schauten ungläubig auf meinen Teller. Es war ihnen ein Rätsel, wie ich fünf Würste plus Kartoffelsalat in so kurzer Zeit verdrücken konnte. Plötzlich sprang Ingeborgs Mutter vom Tisch auf und schrie laut etwas auf Deutsch (was ich natürlich nicht verstand). Es musste etwas mit Flocky zu tun haben, denn sein Name wurde mehrmals erwähnt. Wir schauten uns ratlos an und fragten uns, was das Problem sein könnte?

Dann sahen wir, dass Flocky auch seinen Beitrag zum Weihnachtsfest geleistet hatte, indem er einen großen dampfenden Haufen unter dem schönen Weihnachtsbaum hinterlassen hatte. Ingeborgs Mutter verschwand laut schimpfend mit Flocky in der Küche. Nie in meinem Leben werde ich vergessen, wie schnell zwölf Leute sich bewegten, um die Bescherung eines kleinen Hundes zu beseitigen.

Als die Mutter allein aus der Küche zurück kam, erklärte sie, dass sie nicht verstehe, wie das passieren konnte. In den elf Jahren seines Hundelebens habe Flocky so etwas nie zuvor getan. Eine der älteren Schwestern unsere Gastgeberin vermutete, dass der Hund wegen der vielen Leute aufgeregt sei. Nein, das könne es aber auch nicht sein. Er sei schließlich schon vorher mit vielen Leuten zusammen gewesen. Daran könne es also auch nicht liegen. Es sei ihr ein echtes Rätsel.

Später, als Flocky wieder mit der Familie versöhnt war, fiel ihr auf, dass Flocky mich die ganze Zeit angestarrt hatte. Normalerweise tue er das bei Fremden nicht, sagte sie und wendete sich mir zu:

’Herr Schofield, ich glaube, Tiere mögen Sie.’ Und ich entgegnete: ’Ja, das glaube ich auch. Er scheint mich wirklich zu mögen.’

Von Terry Schofield

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