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Regional Beim Golfen an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert
Sportbuzzer Sportmix Regional Beim Golfen an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert
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17:48 28.07.2011
Vorübung: Ich schwinge den Schläger in den Händen, um Gefühl für den Schwung zu bekommen.
Vorübung: Ich schwinge den Schläger in den Händen, um Gefühl für den Schwung zu bekommen. Quelle: Pförtner
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Pressekonferenz beim Golfclub Rittergut Rothenberger Haus. Anlass: Der Eichsfelder Verein richtet am 13./14. August die Deutsche Meisterschaft der Behinderten aus. „Golf wäre doch auch etwas für unsere Serie“, denke ich mir und melde mich bei Betreiberfamilie Schulze-Niehoff für eine Schnupperstunde bei Golflehrer Neil Reid aus Schottland an.

„Wer hat’s erfunden?“, fragt Reid, bevor es losgeht. Dabei hält er sich voll und ganz aus dem „Streit“ zwischen Finnen und Schweizern um das Patent für die Lutschbonbons heraus. Jetzt, wo er fragt und ich ihn selbst antworten höre, fällt mir wieder ein, dass es Reids Vorfahren und Landsleute waren, die den modernen Golfsport kreierten. Schottische Schäfer spielten mit ihren Schippen einst Steine in Hasenlöcher.

Auf dem Golfplatz am Rothenberg bei Brochthausen finde ich keine Hasenlöcher vor, sondern eine gut gepflegte Driving Range, auf dem wir die Trainingsstunde mit dem Üben des Abschlags beginnen. Für Löcher werde ich gleich persönlich sorgen – für welche im Rasen, aber auch für welche in der Luft. Ehe das passiert, ist zu klären, ob ich Links- oder Rechtshänder bin und welchen Schläger ich nehmen muss. Problem: Beim Minigolfen spiele ich für einen Rechtshänder seitenverkehrt, doch für das echte Golf spielt das keine Rolle. „Wie würdest du denn eine Axt halten“, fragt mich Reid, und für eine solche Aktion positioniere ich mich dann doch wieder andersherum als beim Bahnengolf.

Bevor ich aber meinen Fotografen Swen Pförtner und meinen Praktikanten Andreas Holzapfel (beide machen es später besser als ich) tatsächlich mit weitausholenden Schlägen gefährden darf, erklärt mir Reid erst einmal die richtige Griffhaltung. Die klappt eigentlich ganz gut, aber danach fängt das Elend schon an. 100 Prozent der Kinder verschätzen sich beim Schlagen beziehungsweise Treffen, aber nur fünf Prozent der Erwachsenen, erzählt Reid. Tja, ich ordne mich prompt unter der Fünf-Prozent-Hürde ein, obwohl ich eigentlich nie eine Splitterpartei gewählt habe.

Immer und immer wieder versuche ich es: Lockerer Händedruck, Schlägerkopf gerade und auf das Ziel ausgerichtet, Beine schulterbreit auseinander, gerade Körperhaltung, den Ball beständig aus den Augenwinkeln („Man soll den Ball arrogant von oben anschauen“) im Visier – und Abschlag (oder auch nicht). Ein paar Mal berühre ich mit dem Schläger den Ball, der aber meistens nur einige Zentimeter weit rollt. „Du darfst den Ball nicht heben, du musst ihn schlagen. Du musst in die Zielrichtung schauen und den Ball eigentlich einfach nur aus der Bewegung heraus mitnehmen“, erläutert Reid. Mit verschiedenen Lockerungsübungen verbessert der Schotte meinen Schlag (ein bisschen), macht mich darauf aufmerksam, dass die Drehung aus der Hüfte kommen muss. Wie ein Fußballtorhüter beim Elfmeter, ein Tennisspieler vor dem Return oder ein Diskuswerfer im Ring soll ich mich bewegen. Zwei, drei Treffer lande ich immerhin, und der Ball fliegt auch mehr als nur einen Meter weit: „Der Schlag klang besser“, lobt mein Lehrer nach meinem besten Versuch.

„Wollen wir jetzt an einen Bunker gehen?“, lädt mich Reid fragend ein, die Bahn weiter abzugehen. Nach den Misserfolgen lehne ich aber dankend ab. „Wieso gibt es überhaupt Sandbunker im Kurs“, will ich von ihm wissen. „Ein Loch muss sich wehren können“, antwortet er. Gegen das erfolgreiche Einlochen könne es sich letztlich nur über die Entfernung und die Hindernisse zieren, so Reid.
Ich versuche es lieber mit dem Putten. Auf dem gepflegten Grün (der Naturrasen, den ich erst für Kunstrasen halte, wird zweimal täglich auf 3,5 Millimeter geschnitten) sind die Fahnen und die mit ihnen markierten Löcher auch ganz schön entfernt, aber mit dem jetzt leichteren Schläger komme ich mit dieser Aufgabe besser zurecht. Jetzt muss ich nicht mehr wie beim Abschlag katapultartigen Druck aufbauen: Mit einem rhythmischen Annäherungsschlag rollt der Ball nahe ans Loch, mit dem nächsten zarten Schlag ist er drin. Nicht alle Golfprofis trainieren das Einlochen gern, berichtet Reid, obwohl die alte Regel „Wer am besten puttet, gewinnt“ nach wie vor Gültigkeit besitze. Na, das Putten-Üben macht mir jedenfalls am meisten Spaß. Wahrscheinlich bin ich daher beim Minigolf doch am besten aufgehoben, zumal ich dabei gegen meine bessere Hälfte meistens gewinne.
In der nächsten Folge macht Anna Kleimann beim Hip-Hop-Training mit.